Bürgerempfang der Stadt Celle: “Wir müssen uns den veränderten Rahmenbedingungen anpassen”

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CELLE. Mehr als zehn Jahre ist es her, dass die Stadt Celle verdiente Mitbürgerinnen und –bürger für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet hat. Beim heutigen Bürgerempfang zur Vorweihnachtszeit war es wieder soweit. Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge konnte gleich vier Mal die Ehrenmedaille der Stadt verleihen und zwar an Georgia Langhans, Jens Rejmann, Marlise Münchau und Hans-Herbert Encke.

Vor der Verleihung der Ehrenmedaille allerdings stand das persönliche Resümee Nigges zu inzwischen zehn Monaten Amtszeit, welches einerseits positiv ausfiel, andererseits aber auch die Probleme Celles aufzeigte. Celle habe Nigge zu Folge ein strukturelles Problem oder anders gesagt, Celle habe kaum noch Möglichkeiten für Investitionen. Die Stadt und ihre Bürger müssen daher zeigen, was sie können und wo sie hin wollen. Nachdenken über alte Strukturen sei unerlässlich. Gleichzeitig müsse es Veränderungen geben. Beispielsweise mit der schon begonnenen Zusammenlegung von Zuständigkeiten von Stadt- und Landkreisverwaltung. Hier ergebe sich laut Nigge Einsparpotenzial von mehreren Millionen Euro.

Celles Stärken liegen nach Nigges Meinung in den Bereichen Familie, Tourismus und Wirtschaft, folglich müsse genau in diese Bereich investiert werden oder um es anders zu sagen: Geld müsse an anderen Stellen frei gemacht werden, um es in die genannten Stärken zu investieren.

Die Stadt Celle habe in der Vergangenheit viele Menschen „verloren“, die in den Landkreis abgewandert seien. „Daher brauchen wird Bauplätze und bezahlbaren Wohnraum“, so Nigge.

Hinsichtlich der zahlreichen Sportverein in der Stadt Celle rief Nigge zu mehr Gleichberechtigung auf. Es gebe unterschiedlichste Sportverein, doch alle hätten Rahmenbedingungen. Hier müsse Einheitlichkeit geschaffen werden. Dabei ging es nicht immer nur ums Sparen, auch wenn dieses so rüberkomme. „Wir müssen den Sport stärken, aber transparente, nachvollziehbare Grundlagen schaffen“.

Und dann gebe es noch die Jugend. Nigge stellte die Frage in den Raum „Was tun wir, um sie hier zu halten“ und vertrat im nächsten Satz schon die Meinung: „Junge Menschen müssen raus aus der Stadt“. Das hört sich erstmal hart an, war aber natürlich anders gemeint. Junge Menschen müssen nach Meinung von Nigge die Möglichkeit haben, andere Städte kennenzulernen, müssen dann aber einen Anreiz haben, wieder in die Heimat zurückzukehren. Um hierfür die besten Bedingungen zu schaffen, aber auch um der Jugend vor Ort beste Möglichkeiten zu bieten, sei unter anderem, der Jugendbeirat gegründet worden. Diese solle klären, was Jugendliche benötigen, was sie wollen und was sie sich wünschen. Celle sei auch für die jüngere Generation lebenswert. Nigge selber sei in Celle aufgewachsen und habe es „selber hinter sich gebracht“.

Eine besondere Bedeutung messe Nigge auch dem Tourismus zu und zählte im Folgenden die touristischen Besonderheiten Celles auf, angefangen beim Schlosstheater über die Museen, die Fachwerkhäuser an sich bis hin zu über 80 inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt. Sein Fazit bei dieser Vielfalt: „Wir brauchen gar kein Einkaufszentrum“. Das touristische Problem allerdings sei: Es wisse niemand von dieser Vielfalt. Daher gelte es, dieses nach außen zu tragen.

Um den Tourismus weiter zu stärken, hob Nigge beispielsweise die Schaffung des neuen Wohnmobilplatzes in der 77er Straße hervor. Dieser Platz bestehe aus einer Fläche, die, entgegen anderslautender Meinungen, niemanden weggenommen werde. Der Bau tue daher niemand weh. Die Stille im Saal möchte jeder für sich selbst deuten.

Insgesamt gehe man in Celle veraltete Strukturen an, um zukunftssicher zu werden. „Wir müssen uns den veränderten Rahmenbedingungen anpassen“. Viele Projekte müssen nach Nigges Auffassung schnell angepackt werden, daher gelte es zusammenzustehen, denn „Nur gemeinsam schaffen wir das“. Ein Lob ging daher schon jetzt an die Gemeinschaft, die es in Celle gebe. Ihm sei daher nicht bange um die Zukunft dieser Stadt.

Zu guter Letzt rief er alle Anwesenden auf, immerhin 600 Bürgerinnen und Bürger waren schließlich der Einladung zum Empfang gefolgt, gemeinsam die Zukunft der Stadt zu entwickeln. Ausdrücklich bat er darum, Ideen und Wünsche an ihn heranzutragen: „Meine Tür steht immer offen, bringen Sie mir daher Ihre Ideen“.

Abgerundet wurde der Bürgerempfang durch ein musikalisches Programm Celler Akteure. So präsentierte der Chor der Katholischen Grundschule unter der Leitung von Sandra Grass beispielsweise adventliche Lieder und den Song “Celle mit C”, ein besonderer Wunsch Nigges, der dieses Lied noch nie auf der Bühne gehört hatte.

Das Ensemble des Schlosstheater unter der Leitung von Andreas Döring präsentierte Auszüge aus dem aktuellen Stück “Cabaret” und das Symphonische Blasorchester Cellee.V. unter der Leitung von Marzin Göbel beeindruckte einserseits mit klassichen Stücken und modernen Popsongs.

Im Folgenden die Steckbriefe der Geehrten, die deren Wirken für die Stadt und deren Bürgerinnen und Bürger deutlich machen udn deren Ehrung von den Anwesenden mit stehenden Ovationen gewürdigt wurden:

Georgia Langhans

  • Geboren 1947
  • 1991 – 2012 Mitglied des Stadtrates für die Partei „Bündnis 90/die Grünen“
  • In dieser Zeit mehrmals Fraktionsvorsitzende, zuletzt bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Rat
  • Mitglied in diversen Fachausschüssen, darunter im Ausschuss für Straßenbau und Verkehr-, Jugendhilfe-, Kultur- und Integrationsausschuss, dessen Vorsitz sie seit November 2011 innehatte.
  • Das Thema „Integration“ hat für Frau Langhans einen ganz besonderen Stellenwert, die Fürsorge für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger wird von ihr im hohen Maß und mit größtem Engagement gelebt
  • hervorzuheben ist hier die seit 2009 andauernde Betreuung eines kurdischen Mädchens im Rahmen einer Patenschaft durch den VSE sowie von Flüchtlingen im „Gelben Haus“ in der Petersburgstraße. Die Wahrnehmung des Ehrenamtes geht sogar über Celles Grenzen hinaus, so reiste Frau Langhans im Rahmen des von ihr geleiteten Fotoprojektes „Grenzenlos – Frauen bewegt“ gemeinsam mit ezidischen Frauen ins türkische Batman, um sich direkt vor Ort ein Bild zu machen.
  • Daneben war die zu Ehrende Mitglied in Aufsichtsräten und Verbandsversammlungen, unter anderem beim Abfallzweckverband; die Schaffung der gemeinsamen Abfallwirtschaft von Stadt und Kreis war ihr eine Herzensangelegenheit
  • Mit großer Leidenschaft setzt sich Frau Langhaus seit vielen Jahren für die Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen ein; dies untermauert sie durch ihr Mitwirken im Vorstand des Deutschen Frauenrings, Ortsring Celle, von 2013-2017 hatte sie den Vorsitz dieses Gremiums inne
  • Aber auch auf die Belebung der Innenstadt hat sie ihren Fokus gelegt, sie ist seit 2014 Co-Koordinatorin im Arbeitskreis „Celle-Altstadt Neu Denken“. Hier engagiert sie sich bis heute insbesondere für das Straßenfest am Brandplatz und für die Bepflanzung der „Pipenposten“.

Ehrung Hans-Herbert Encke

  • Geboren 1943 in Senftenberg / Niederlausitz
  • Seit 1973 Mitglied der FDP
  • Erste kommunalpolitische Berührung im Ortsrat Boye, Mitglied von 1986 – 1991
  • Von 1988 – 1996 und von 2001 – 2011 Mitglied des Celler Stadtrates
  • Von 2006 – 2010 2. Bürgermeister der Stadt Celle
  • Gehörte zahlreichen Ausschüssen und städtischen Gremien an, darunter war er langjähriger Beigeordneter im Verwaltungsausschuss, Mitglied im Kulturausschuss und im Planungs- und Bauausschuss
  • Daneben war Herr Encke Aufsichtsratsvorsitzender der städt. Wohnungsbaugesellschaft, Mitglied des Aufsichtsrates der heutigen Celle Tourismus und Marketing GmbH sowie Vorstandsmitglied der Otto-Haesler-Stiftung
  • die Förderung der Kultur sowie die Stadtplanung lagen ihm besonders am Herzen; so hatte er schon früh den Gedanken der gegenläufigen Befahrbarkeit des Nordwalls…
  • die große Bandbreite seiner Aktivitäten wird durch ein weiteres ehrenamtliches Engagement ergänzt: seit 2006 ist Herr Encke Stifter der Bürgerstiftung Celle; auch in diese Vereinigung bringt er sich mit großem Sachverstand und der gewohnten Leidenschaft ein.
  • seine politischen Wegbegleiter schätzen sein Querdenken, aber auch seine integrativen, den Ausgleich suchenden Fähigkeiten.
  • Er sei angenehm uneitel, niemals „elitär“, gebildet, jedoch nicht eingebildet, so heißt es von Seiten der FDP
  • Bildung, Kunst und Kultur sind über Jahrzehnte seine „Steckenpferde“, ergänzt noch um die Liebe zur Musik, insbesondere zum Singen; seit 1960 ist Herr Encke aktiver Sänger (Tenor) in der Stadtkantorei Celle

Ehrung Jens Rejmann

  • Geboren 1944 in Lüneburg
  • Mit 20 Jahren Eintritt in die SPD
  • Übernahm seither politische Verantwortung und wurde nach dem stellvertretenden 1986 1. Vorsitzender der Celler SPD
  • Von 1991 – 2016 Mitglied des Celler Stadtrates
  • Von 2004 – 2011 Fraktionsvorsitzender
  • Von Sept. 2010 – Ende der Wahlperiode 2011 stv. Bürgermeister
  • In dieser Zeit hatte er diverse Sitze in den Gremien inne, darunter einen Sitz im Verwaltungsausschuss und war stv. Vorsitzender im Ausschuss für Wirtschaftsförderung
  • Besonders am Herzen lagen dem zu Ehrenden die „städtischen Töchter“ u weitere Beteiligungsgesellschaften der Stadt; über viele Jahre war er Mitglied und zeitweilig auch Vorsitzender der heutigen Celle Tourismus und Marketing GmbH, Mitglied im Aufsichtsrat der Congress Union und im Vorstand der Haesler-Stiftung sowie bei den Stadtwerken, der SVO Gesellschafterversammlung und im Verwaltungsrat des AKH
  • Seine politischen Wegbegleiter im Celler Stadtrat heben seine Fairness und die Diskussion um die Sache hervor; ihm ging es stets um das Wohl der Stadt, nicht um eigene Interessen!
  • Herr Rejmann blieb bei den Tatsachen und hat den Respekt vor seinem Gegenüber nie aus den Augen verloren, dies sei im mitunter harten politischen Geschäft schon aller Ehren wert!

Ehrung Marlise Münchau

  • Geboren 1929
  • 1972 Eintritt in die CDU
  • Die politische Bühne betrat die zu Ehrende im Jahr 1976, sie wurde in den Celler Stadtrat gewählt und behielt ihren Sitz über mehrere Wahlperioden bis 1996 inne
  • Während dieser Zeit galt ihr besonderes Interesse dem Kultur-, dem Schul- und dem Verkehrsausschuss
  • 10 Jahre war sie Mitglied im Ortsrat Neuenhäusen, 5 Jahre als dessen Vorsitzende/Ortsbürgermeisterin
  • Viele Jahre war Frau Münchau durch ihr gleichzeitiges Wirken als Kreistagsabgeordnete Doppelmandatsträgerin
  • Im Jahr 2001 beendete sie ihr aktives politisches Wirken
  • Das Thema Schule liegt Frau Münchau sehr am Herzen, über viele Jahre bekleidete sie diverse Ämter u.a. als Vorstandsmitglied des Schulelternrates der Altstädter Grundschule, für deren Erhalt sie sich zum Ende der 60er Jahre mit Erfolg eingesetzt hatte, Schulelternratsvorsitzende, Kreiselternratsvorsitzende, Klassenelternratsvorsitzende am Gymnasium Ernestinum und seit 2007 bis heute Mentorin an der Nadelbergschule.
  • Ein weiterer Schwerpunkt ihres ehrenamtlichen Engagements galt und gilt frauenpolitischen Themen, schon im Jahr 1979 bekleidete sie das Amt der Vorsitzenden der CDU-Frauenunion.
  • Es folgten in den 80er Jahren der Vorsitz des Deutschen Frauenrings in Celle, Vorstandsmitgliedschaft des Landesfrauenrates Niedersachsen und die Initiative zum bis heute erfolgreich laufenden Orientierungs- und Motivationskurses „Neuer Start ab 35“, heute „NeuStart“
  • Eine besondere Ehre wurde Frau Münchau am 21. August 1990 zuteil, an diesem Tag wurde ihr das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland nebst Verleihungsurkunde vom damaligen Oberstadtdirektor Martin Biermann ausgehändigt.
  • Die heutige Auszeichnung erfolgt in Anerkennung um ihr jahrzehntelanges außergewöhnliches und vielschichtiges ehrenamtliches Wirken.

Redaktion
Celler Presse

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