„Ich bin doch nicht schwul, ich brauch das nicht“

CELLE. Zum heutigen Welt-Aids-Tag machte die Infoline Celle, die Beratungsstelle der Aidshilfe Niedersachsen, wieder auf diese bedrohliche Krankheit aufmerksam. Unterstützt wurde sie dabei erneut von Schülern der Oberschule Lachendorf, die mit Sammeldosen in der Celler Innenstadt unterwegs waren und Spenden für die Aufklärungsarbeit sammelten.

Seit fünf Jahren gibt es in Celle die Beratungsstelle. Als Nachfolgeeinrichtung der früheren Celleschen Aids-Hilfe bietet sie Informationen, Beratung und Prävention für die Allgemeinbevölkerung und besondere Zielgruppen an und unterstützt Menschen, die von HIV und Aids betroffen sind.

Bundesweit nimmt die Zahl der HIV-infizierten Menschen stetig zu, derzeit fast 90.000, weiß Ulrich Mennecke von der Infoline. Etwa 500 Menschen seien in Deutschland im vergangenen Jahr an oder mit HIV gestorben. Durch zirka 3.100 Neuinfektionen im selben Zeitraum steige die Zahl der HIV-Infizierten weiter an. Auch wenn es keine offiziellen Zahlen für Stadt und Landkreis Celle gibt, könne die deutschlandweite Tendenz auf unsere Region übertragen werden.

Aufklärungsarbeit ist nach wie vor immens wichtig. Das zeigten auch einzelne Reaktionen während der Sammelaktion. So hörten die Schüler beispielsweise Sätze wie „Ich bin doch nicht schwul, ich brauch das nicht“. Zwar zeigen Statistiken, dass gerade Männer mit gleichgeschlechtlichem Verkehr besonders stark von HIV betroffen sind. Der Irrglaube, HIV betreffe nur Homosexuelle, ist weit verbreitet – aber falsch. Jeder Mensch ist ohne Schutz den Gefahren einer Infizierung ausgesetzt.

Während früher das Kondom die maßgebliche Schutzmaßnahme gegen HIV war, nutzen heute Menschen teilweise andere Strategien. Es gibt vorbeugende Medikamente, die das Risiko einer HIV-Infektion extrem reduzieren. Ebenfalls noch relativ neu ist die Erkenntnis, dass ein erfolgreich behandelter HIV-positiver Mensch nicht mehr infektiös ist.

„Die Veränderungen bestimmen auch unsere Beratung“, berichtet Mennecke. „Nach wie vor bekommen wir Fragen zu Übertragungsrisiken gestellt, aber sehr viel Fragebedarf ist in letzter Zeit durch die neuen Testverfahren entstanden. Zum klassischen HIV-Antikörpertest ist der so genannte Schnelltest hinzugekommen. Auch ein Heim- und Selbsttest kann im Internet bezogen werden. Für diese Tests gelten andere Bedingungen, auf die wir immer wieder hinweisen müssen“.

Auch die Schwerpunkte der Arbeit hätten sich in den vergangenen Jahren verändert, weiß Mennecke zu berichten: „Ein Schwerpunkt unserer Arbeit war in der Vergangenheit die Beratung von geflüchteten Menschen. Die Infoline hat neben vielen Einzelberatungen fünf Veranstaltungen für Geflüchtete durchgeführt, zuletzt am 25. November den interkulturellen Familiengesundheitstag in Nienhagen mit etwa 100 Teilnehmenden (Celler-Presse.de berichtete). Unsere Themen sind neben HIV unter anderem die kulturellen Unterschiede bei Partnerschaft und Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft“.

Weitere Zielgruppen der Aufklärungsarbeiten seien Jugendliche, Inhaftierte der JVA Celle und natürlich die Allgemeinbevölkerung.

Die Infoline Celle steht jedem offen, der sich über HIV, sexuell übertragbare Infektionen oder Testmöglichkeiten informieren möchte. Erreichbar ist die Beratungsstelle unter Telefon 0177/3947472 oder per Mail unter info@celle-aidshilfe.de sowie im Internet unter www.celle-aidshilfe.de. Außerdem ist die Infoline Celle ab dem 1. Januar in den neuen Räumen am Heeseplatz, Hattendorffstraße 132 in Celle, anzutreffen. Eine persönliche Beratung kann allerdings nur nach vorheriger Terminvereinbarung stattfinden.

Redaktion
Celler Presse

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