Freitag, 13. Februar 2026

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Von der Beobachterin zur Retterin: Eine Cellerin engagiert sich bei der Seenotrettung im Mittelmeer

CELLE. Carola Rackelte ist in Celle aufgewachsen und zur Schule gegangen, sie hat immer noch eine enge Beziehung zu ihrer Heimat und natürlich zu ihrer Familie dort. 2007 machte sie das Abitur am Ernestinum, hat sich aber bereits seit Mai 2016 einem spannenden Engagement verschrieben, das nun ihr ganz persönliches Anliegen ist. Mehrere Monate im Jahr ist sie auf Seenotrettungsschiffen unterwegs, die im Mittelmeer Flüchtlinge aufnehmen.

     

Die zivile Seenotrettung ist daher notwendig, berichtet Carola, weil 2015 das italienische Seenotrettungsprojekt “Mare Nostrum” eingestellt wurde. Seit 2015 bis heute kommt es immer wieder vor, dass ganze Boote mit über 100 Menschen im Mittelmeer verloren gehen, was z.B. dann klar wird, wenn in Tunesien und Libyen mit einem Mal viele Leichen an den Strand angespült werden oder wenn einzelne Überlebende nach Tagen noch gerettet werden. Weil die Schiffe der zivilen Flotte oft langsam sind und Boote aufgrund ihrer technischen Kapazitäten nicht besonders weit orten können, wurde schon bald die Idee eines Suchflugzeugs geboren, um Boote effektiver zu finden.

Ein Schnellboot der Sea-Watch 2 während eines Erstkontakts mit einem Flüchtlingsboot. – A speedboat of the Sea-Watch 2 during a first contact with a refugee-boat.

Seit 2016 gibt es daher das Flugzeug “Moonbird” in Zusammenarbeit der NGOs Sea-Watch und HPI (Humanitarian Pilots Initiative). Dieses Kleinflugzeug startet bei gutem Wetter von Malta und fliegt in das Suchgebiet in der zentralen Mittelmeerroute/Libyen. An Bord befindet sich ein Pilot und ein “TACCO” (Tactical Coordinator) also eine Person, die den Einsatz koordiniert, d. h. die Flüge plant, Sichtungen dokumentiert, fotografiert und alles an die Seenotrettungsleitstelle weitergibt (Email über Satellit) und natürlich die Schiffe in der Umgebung mit maritimem Funk über den Seenotfall informiert. „Das Flugzeug hat sich im letzten Jahr als extrem hilfreich erwiesen, da wir nicht nur die Rettung von Booten besser organisieren konnten, sondern auch Boote gefunden haben, für die sonst die Hilfe zu spät gekommen wäre, da sie bereits Leckagen hatten und voller Wasser liefen“, so Carola. Bisher hat sie an 5 Einsätze auf verschiedenen Rettungsschiffen im Mittelmeer und 2 Einsätzen mit dem Suchflugzeug teilgenommen. Und die Einsätze waren mit Erfolgserlebnissen verbunden: „Gerade auf den Schiffen waren wir definitiv an der Rettung von hunderten Menschen in verschiedenen Situationen beteiligt. Im Flugzeug ist es schwieriger zu sagen, aber man unterstützt viele Rettungen und gelegentlich weiß man auch sicher, dass ohne eine Alarmierung durch das Flugzeug ein Boot gesunken wäre, bevor jemand anders es gefunden hätte.“

„Nach dem Abitur habe ich Nautik (Seefahrt) in Elsfleth in der Wesermarsch studiert und dann auf Forschungsschiffen und auch kurzzeitig bei Greenpeace gearbeitet, seit 2015 mache ich ein Teilzeitstudium in Naturschutz“, erläutert Carola ihren Werdegang, der schon ein Einstieg in ihr Engagement bei der Seenotrettung war. Zunächst dachte sie an humanitäre Vorbilder oder an Gruppen wie Greenpeace, die auch sehr klein angefangen haben und mutige Demonstrationen durchgeführt haben (Protest gegen Atomwaffentests etc). Der Ansatz von Sea-Watch war zuerst auch die Lage auf dem Mittelmeer zu beobachten (2015) und dann ist man sehr schnell vom Beobachter zum Retter geworden. „Allerdings ist es durch die wachsende Kriminalisierung der Seenotrettung seit letztem Jahr in Italien und der aggressiven Verhaltensweise der libyschen Küstenwache so, dass man sich mittlerweile mit Helfern oder Beobachtern identifiziert, die ihre Arbeit trotz eines persönlichen Risikos (Gewalt durch die Küstenwache oder juristische Folgen in Italien) weitermachen. Hier ist man ganz in Linie mit vielen Menschen oder lokalen Organisationen weltweit, die sich für Menschenrechte oder Umweltschutz einsetzen“, ist ihr Fazit aus den Erfahrungen der letzten Zeit.

Und was hat Carola in der Zukunft vor: „Wie viele andere in unserer Organisation plane ich, das Projekt langfristig immer wieder zu unterstützen. Auch wenn die EU sich momentan sehr bemüht, die zentrale Mittelmeerroute zu schließen und die italienische Marine sehr eng mit der libyschen Küstenwache zusammenarbeitet (und dabei möglicherweise Flüchtlinge völkerrechtswidrig zurückschiebt – Artikel 33 Genfer Konvention non-refoulement -, wird es immer Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa geben, solange Fluchtursachen bestehen. Wir erwarten, dass sich die Fluchtrouten ändern und die Risiken für Flüchtlinge noch größer werden. Während wir mit unserem Schiff und unserem Flugzeug Teil der Nothilfe sind, hoffen wir natürlich, dass die internationale Gemeinschaft langfristige Pläne entwickelt, um Fluchtursachen zu bekämpfen.“

Aktuell ist Carola Rackelte in der Rettungscrew Einsatzleiterin und für die Luftaufklärungsmission Moonbird von Sea-Watch zuständig. Damit fliegt sie Einsätze von Malta aus auch selber mit, begleitet von Journalist*innen, die über die Situation berichten. Ihre Aufgaben umfassen alle einsatzrelevante Kommunikation, Missionsplanung, Kontakt mit Schiffen im Einsatzgebiet und vieles mehr.

PR/Redaktion
Celler Presse
Fotos: 1, 2 und 9: Myrthe Verweij
Foto 7: Alessio Mamo
Übrige Fotos: Sea-Watch

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