IHK warnt vor No-Deal-Brexit – EU-Austritt des Vereinigten Königreichs belastet regionale Wirtschaft

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LÜNEBURG. Nach monatelangem Tauziehen folgte am gestrigen Dienstag der Paukenschlag aus London: Das britische Unterhaus lehnte das von Premierministerin Theresa May ausgehandelte Brexit-Abkommen ab. Der Plan für einen geordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU mit einer zweijährigen Übergangszeit ist damit gescheitert. Sollte es keine weiteren Versuche geben, den sogenannten No-Deal-Brexit abzuwenden, wird Großbritannien am 30. März, 0.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, ohne Übergangsphase aus der Europäischen Union austreten und wäre dann ein sogenannter Drittstaat.

„Wir sehen die wirtschaftlichen Auswirkungen auf unsere Region mit großer Sorge“, sagt Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. Im IHK-Bezirk hätten rund 230 Unternehmen Geschäftskontakte mit dem Vereinigten Königreich – sei es im Import oder Export, mittels Vertriebspartnern oder durch eigene Niederlassungen vor Ort. „Speziell in unserer Region haben wir viele kleinere Unternehmen im UK-Geschäft, die bislang ausschließlich im EU-Binnenmarkt tätig sind“, sagt Zeinert. „Ein harter Brexit würde sie mit voller Wucht treffen, da sie bislang kaum Erfahrung haben, Handel mit Drittstaaten abzuwickeln.“

Mit der aktuellen Entscheidung erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass ab dem 30. März Zollverfahren im Warenverkehr wieder eingeführt und gegenseitige Zölle erhoben werden, führt Zeinert aus: „Auch ist unklar, wie weit Großbritannien sich mit seinen zukünftigen Regulierungen von der EU entfernen wird, sodass den Unternehmen noch viele gegenwärtig unbekannte Hürden in den Weg gestellt werden – sich darauf gezielt vorzubereiten, ist nahezu unmöglich.“

Großbritannien zählt zu den wichtigsten Handelspartnern Niedersachsens: Niedersächsische Unternehmen sind mit 18.000 Mitarbeitern im Vereinigten Königreich vertreten und erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von 21,2 Mrd. Euro.

Im Jahr 2017 exportierte Niedersachsen Waren im Wert von 6,3 Milliarden Euro nach Großbritannien. Das Vereinigte Königreich belegt bei den Ausfuhren damit auf Platz drei hinter Frankreich und den Niederlanden. „Die Folgen des Brexit machen sich bereits jetzt schon bei den Unternehmen bemerkbar: Vergleicht man die Zahlen des Zeitraums Januar bis Oktober 2018 mit dem Vorjahreszeitraum in 2017, ergibt sich eine Abnahme der Exporte um 2,8 Prozent“, macht Zeinert deutlich.

Um betroffene Unternehmen zu unterstützen, plant die IHK eine Informationsveranstaltung zum Brexit am Montag, 25. Februar, in der IHK-Hauptgeschäftsstelle Lüneburg, Am Sande 1. Mit dabei sein werden unter anderem Vertreter von Germany Trade und Invest (GTAI). Fragen zum Thema beantwortet im Vorfeld IHK-Außenwirtschaftsberater Lars Heidemann. Er ist auch Ansprechpartner für Anmeldungen zu der Veranstaltung unter Tel. 04131 742-125 oder heidemann@lueneburg.ihk.de. Weitere Informationen zum Brexit bündelt die IHK unter ihk-lueneburg.de/brexit.

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