Wie geht eigentlich „Lebenshilfe“ in Zeiten von Corona?

CELLE. Soziale Arbeit funktioniert nicht per Homeoffice. Sie basiert auf Nähe. Für soziale Dienstleistungsunternehmen wie die Lebenshilfe Celle gGmbH stellt das eine besondere Herausforderung dar. In den Bereichen „Celler Werkstätten“, „Leben und Wohnen“ sowie „Leben und Lernen“ werden rund 1150 Menschen mit Beeinträchtigung von 400 qualifizierten Mitarbeitenden begleitet.

Steinschlange

In den Celler Werkstätten arbeiten um die 700 Menschen mit Beeinträchtigung. Sie alle dürfen seit dem 17. März nicht zur Arbeit kommen. Auch die Krippen der Lebenshilfe sind geschlossen; die Tagesbildungsstätte Comenius-Schule und der Heilpädagogische Kindergarten Purzelbaum nehmen erst nach und nach den Betrieb wieder auf. Die hauptamtlichen Mitarbeitenden müssen dahenr zu kreativen Maßnahmen greifen, um nicht nur die pädagogische Begleitung weiter zu gewährleisten, sondern auch die Produktion in den Celler Werkstätten zu sichern.

Beschäftigungspakete per Post

Die Gruppenleitungen rufen regelmäßig bei den Beschäftigten an und fragen nach, wie sie zurechtkommen. Wer es mit der Isolation besonders schwer hat, der kann ggf. in einer Notgruppe begleitet werden. Per Post kommen Beschäftigungspakete: Von Aufgaben zum Thema Arbeitssicherheit über Yoga-Übungen bis hin zu Rezepten ist alles dabei. Kreativität ist auch im Rahmen eines gemeinsamen Kunstprojekts gefragt. Die Beschäftigten können Bilder und Fotos über ihre Zeit zu Hause per Post an die Lebenshilfe schicken. Daraus wird später eine bunte Ausstellung entstehen.

„Homeschooling“ im Berufsbildungsbereich

Die Teilnehmenden im Berufsbildungsbereich bekommen zurzeit wöchentlich Bildungspakete zugeschickt. Neben Übungsblättern wird z. B. im Bereich Gartenbau auch praktisches Arbeitsmaterial verschickt. Ein bis zwei Mal die Woche werden die Aufgaben dann per Telefon besprochen. So kann die berufliche Bildung auch ohne Präsenzzeit weitergehen.

Elternberatung per Video

Im Bereich Frühkindliche Bildung wird derweil vor allem auf Telefon- und Videoberatung gesetzt. Doch nicht nur der Kontakt zu den Eltern ist wichtig: Die Mitarbeitenden des Bereichs haben auch kleine Videos mit Beschäftigungsideen sowie Aufgabenkisten mit Spiel- und Fördermaterialen verschickt. Im Heilpädagogischen Kindergarten Purzelbaum gibt es gruppenweise Videotelefonate mit den Kindern. So bricht der Kontakt zu den wichtigen Bezugspersonen der Kleinsten und zueinander nicht ab.

Zusammenhalt im Musikerviertel

Wer beim Spazierengehen durch das Musikerviertel in Bergen an der Mozartstraße vorbeikommt, wundert sich vielleicht über ein Tier der besonderen Art: Beginnend am „Haus Mozartstraße“, einem Wohnangebot der Lebenshilfe, windet sich eine Schlange aus bunten Steinen den Weg entlang. Das gemeinsame Projekt von Integrativer Krippe Seymourstraße, Kooperativem Kindergarten Bergen und Haus Mozartstraße lädt alle zum Mitmachen ein.

Rund um die Uhr zu Hause

Im Bereich „Leben und Wohnen“ sind die Auswirkungen besonders stark zu spüren. Die Mieterinnen und Mieter sind durch den Wegfall der Arbeit plötzlich rund um die Uhr zuhause. Die vielen Hygiene- und Kontaktbeschränkungen machen pädagogisches Arbeiten hier besonders schwer. Einige Mitarbeitende aus anderen Bereichen haben sich schon früh bereiterklärt, dort vorübergehend auszuhelfen. So schallt beispielsweise regelmäßig Musik der Musiktherapeutin aus den Wohnangeboten herüber.

Im Ambulant Begleiteten Wohnen dreht sich dieser Tage viel um sportliche Aktivitäten, aber auch Training für Konzentration und (logisches) Denkvermögen findet statt. Lange Spaziergänge und spannende Aktivitäten wie Geocaching oder Kundalini-Yoga wechseln sich ab mit Wissensvermittlung rund um Themen wie Hygiene, Ausgangsbeschränkungen u. v. m.

„Wir haben in dieser Zeit noch einmal gemerkt, wie sehr wir miteinander und bereichsübergreifend arbeiten müssen, damit wir unsere Leistungsnehmenden verantwortungsvoll auch in dieser herausfordernden Zeit unterstützen können. Für viele von ihnen gibt es jetzt nichts anderes mehr – auch an Kontakten – als unsere Mitarbeitenden“, so Geschäftsführer Dr. Clemens M. Kasper.

Hoffnung auf Normalität

Auch über Social Media bricht der Kontakt nicht ab: Beinahe täglich gehen dort Nachrichten ein. Viele vermissen die Arbeit und wollen, dass alles wieder „normal“ wird – ein Gefühl, das die Lebenshilfe Celle eindeutig teilt. Die Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme des Betriebs laufen auf Hochtouren. Wann das sein wird, entscheidet jedoch letztlich die Regierung. Laut aktueller Fassung der Verordnung gilt das Betretungsverbot der Celler Werkstätten vorerst bis mindestens einschließlich 27. Mai.

PR
Foto: Lebenshilfe Celle

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