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„Freudestrahlend vor der Tür“- Kitas kehren zurück zur Normalität

HERMANNSBURG/WIENHAUSEN. „Die haben wir sofort, als bekannt wurde, dass wir ins Szenario A zurückkehren, entsorgt“, sagt die Leiterin der DRK-Kita „Immenhof“ in Hermannsburg, Kirsten Lüning mit Nachdruck. Ihre Kollegin in Wienhausen, Melanie Thurau, schildert aus Sicht der Schutzbefohlenen: „Die Kinder haben sehnsüchtig drauf gewartet, dass die endlich wegkommen.“ Die rot-weißen Absperrbänder standen für Reglementierung aufgrund der Pandemie, die Kleinen wurden in Gruppen eingeteilt, die keinen Kontakt untereinander haben sollten.

Seit dem 1. Juni gehört dieses der Vergangenheit an. Der Wechsel ins Szenario A wurde von der Landesregierung frei gegeben, wonach weitgehend der Alltag in die Kindertagesstätten zurückgekehrt ist. Das Angebot der Notbetreuung bestand durchgehend. Nun durften auch die Jungen und Mädchen wiederkommen, die nicht darunterfielen oder deren Eltern sie bewusst zu Hause behielten. „Die Kinder standen freudestrahlend vor der Tür“, erzählt Melanie Thurau, die die Wienhäuser „Räuberhöhle“ leitet. „Die Kinder waren fröhlich, haben sich aufeinander gefreut“, beschreibt die Hermannsburger Kollegin den Neustart. „Es ist wie immer“, sagt die Erzieherin, die keinerlei Beeinträchtigung ihrer Schützlinge als Folge der Ausnahmesituation festgestellt hat, wofür sie einen Umstand mitverantwortlich macht: „Wir haben das Glück, auf dem Land zu sein.“ „Alle haben den Kindergarten vermisst, aber viele haben die Zeit zu Hause auch genossen“, ist der Eindruck der Hermannsburger Leiterin, der sich mit dem ihrer Kollegin deckt. „Corona ist eher auf Kosten der Eltern als zu Lasten der Kinder gegangen. Viele Familien waren am Limit“, blickt die Wienhäuserin zurück auf die Situation auf Basis sehr offen geführter Gespräche mit Eltern. Auch Melanie Thurau sowie die Erzieherinnen Susanne Becker und Carolin Schenk sehen keine Defizite als Konsequenz der Pandemie. Drei von insgesamt 50 kleinen „Bewohnern der Räuberhöhle“ im Kindergartenalter zeigen Auffälligkeiten. Sie müssen sich ganz neu eingewöhnen, ein Elternteil oder nahe Verwandte müssen bei allen Aktivitäten dabei sein. „Dieses sind Kinder, die generell wenig Kontakt außerhalb von Familie haben“, erläutert Thurau.

Susanne Becker und Carolin Schenk betreuen die Krippe. „Wir haben es anders erwartet, aber wir stellen überhaupt keine Veränderungen fest.“ Eine Ursache sehen beide darin, dass die Beziehung zu den Krippenkindern generell sehr eng ist. Der Personalschlüssel in der DRK-Kita ist sehr gut. Darüber hinaus wurde ebenso wie in Hermannsburg der Kontakt während der Beschränkungen gehalten in Form von Briefen oder für die Älteren Aufgaben- oder Bastelblättern per Briefkasten. „Der Kontakt über den Kita-Zaun wurde allerdings schon nach den ersten Wochen im April 2020 rückläufig“, wirft die Leiterin des Hermannsburger „Immenhofes“ ein mit Bezug auf die anfänglichen Besuche bis zum Zaun, wo kleine Gegenstände niedergelegt wurden.

Eine Neuregelung wurde zu Beginn der Pandemie im Rahmen der Notbetreuung sehr beklagt. Die Eltern durften lediglich bis zur Eingangstür begleiten. In der „Räuberhöhle“ hat sich dieses Verhalten etabliert und wird beibehalten. Es spart Zeit, die gerade morgens knapp ist. Und noch eine weitere Besonderheit ist in der Wienhäuser DRK-Einrichtung mit insgesamt 95 Kindern zu beobachten. „Es sind nur ganz wenige, aber es gibt Eltern, die ihren Nachwuchs noch zu Hause behalten, weil sie den ständigen Wechsel von einem Procedere zum anderen als zu belastend empfinden. Sie warten ab“, berichtet Melanie Thurau etwas, das aufzeigt: Die Pandemie ist noch nicht vorüber. Auch wenn in den Kindergärten und Krippen derzeit mit dem Szenario A wieder weitgehende Normalität Einzug gehalten hat, ist eines sicher: Corona hat Spuren hinterlassen – sehr deutlich abzulesen an Berichten von Eltern, deren Kinder die Kita-Zeit im Sommer beenden. Es geht bei den Vorbereitungen für den Schulstart nicht mehr nur um Schultüte und Ranzen, so mancher zukünftige Erstklässler macht schon jetzt darauf aufmerksam, eine Wand im Kinderzimmer besonders schön zu gestalten – wegen der anstehenden Videokonferenzen!

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