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„Von der Nordsee bis zum Mittelmeer“ … reicht bis zur Jägerstraße

CELLE. 120 Menschen setzen sich mit der bundesweiten Aktion „Rettungskette für Menschenrechte“ gegen Fluchtgefahren und für Schaffung sicherer Fluchtwege ein. Sie machen mit „buntem“ Bild gleichzeitig „Werbung“ für ein offenes Europa und gegen die Angst- und Abschottungspolitik der EU. Aus Lautsprechern ertönt „Die tödliche Gleichgültigkeit“ des Soziologie-Professors Stephan Lessenich (s. Anhang) und Dotas Song „Grenzen“ – https://www.youtube.com/watch?v=r_2ranQG0hI

EU-Geschehen und Umgang mit Flüchtlingen

Ein Prozent der Weltbevölkerung ist nach Zahlen der UNHCR auf der Flucht, die meisten davon Binnenvertriebene oder Menschen, die in Nachbarländer geflüchtet sind. Die Menschen, die sich in Richtung Europa aufmachen, flüchten über eine der Mittelmeerrouten oder die Atlantikroute.  Fluchtrouten über Land sind schon lange geschlossen und blockiert.

Europäische Mitgliedsstaaten brechen auf den Seerouten aktiv EU-Recht und verstoßen mit illegalen Pushbacks gegen die Grundrechte-Charta. Gleichzeitig werden zivile Seenotrettungsorganisationen kriminalisiert und an ihrer Arbeit und der Rettung von Menschen in Seenot gehindert. Auch Deutschland beteiligt sich aktiv an der Abschottung der EU-Außengrenzen.

Die „Rettungskette für Menschenrechte“ setzt sich mit ihren Unterstützer*innen und Partnerorganisationen für die Schaffung sicherer Fluchtwege ein. Die EU muss sich für die Bekämpfung der Fluchtursachen einsetzen und Menschen in Lebensgefahr müssen gerettet werden, anstatt Menschen auf der Flucht zu bekämpfen. Die Mitglieder der Gruppe fordern ein Ende der Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen sich auf ein europäisches Seenotrettungsprogramm verständigen und dieses auch durchsetzen.

(Auszug aus der Pressemitteilung von www.rettungskette.eu)

Teilnehmer*innen und ihre Beweggründe

Junge Teilnehmerin mit Migrationshintergrund: Das sei gemein und ungerecht. Nur weil Menschen woanders geboren wären und die derzeitige politische Lage so sei, werde den schwächsten Gliedern im System nicht geholfen. Viele würden in diese Länder im Urlaub verreisen, wo Einwohner*innen einem korrupten System ausgesetzt wären und ihre Meinung nicht frei äußern könnten.

Michael Lebenhagen (Die Partei): Coronabedingt sei letztes Jahr die Aktion ins Wasser gefallen, umso mehr freue er sich über die heutige Aktion der LIST (Land in Sicht – Transition). Es sei ein Unding und er könne sich das nicht mehr länger mitanschauen.

Ältere Teilnehmerin (in der Flüchtlingshilfe tätig): Sie würden den Rohstoffen hinterherlaufen, die aus ihrem Land den Weg hierher fänden. Menschen kämen übers Mittelmeer und brächten sich in große Gefahr. Wichtig wären sichere Fluchtwege, damit Flüchtlinge heil hier ankämen.

Stephanie Springer (Präsidentin des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers): Täglich stürben Menschen beim Überqueren des Mittelmeeres aus Orten der Welt, in der sie um ihr Leben fürchten müssten. Das schönste Zeichen sei, dass hier ein breites Bündnis der Zivilgesellschaft (Kirche, Parteien, Vereine und andere Organisationen) hier ein klares Zeichen gesetzt hätten. Gerade der Zusammenhang zur Klimawoche und der bevorstehenden Bundestagswahl könne diese Aktion wirklich ein Umdenken bewirken.

Dr. Jörg Rodenwaldt (Zukunft Celle): Für ihn sei es wichtig, sich für eine angemessene Flüchtlingspolitik einzusetzen und zu demonstrieren. Seine Aufforderung an die lokale Politik: Mehr Flüchtlinge in Celle aufzunehmen. Denn dies sei eine Frage der Menschlichkeit.

Cornelia Döllermann-Nölting (LIST / Land in Sicht – Transition): Für das Celler Verhältnis sei die Sprecherin der Celler Initiative recht zufrieden. 120 Teilnehmer aus unterschiedlichen Organisationen hätten gezeigt, dass der Bedarf an humane Flüchtlingspolitik hoch sei. Die Abschreckungspolitik der EU im Mittelmeer und im Bosperus solle endlich gestoppt werden. 

Kleine vorgetragene Anekdote dazu:

Wir verhalten uns gegenüber den Wirtschaftsflüchtlingen wie folgt:

Wir gehen zum Nachbarn und bitten ihn, mit seinen Zutaten für uns einen Kuchen zur geplanten Feier zu backen. Denn wir haben weder Zutaten noch Lust oder gar Zeit, es selbst zu tun. Zur Feier wird er nicht eingeladen. Zum Abschluss stellen wir das dreckige Geschirr und den Müll vor seiner Tür mit einem Zettel: „Entweder Du kümmerst Dich drum, oder ich sag allen, wie unsozial Du Dich verhältst.“ Aus Angst wäscht dieser das Geschirr und stellt es vor unserer Tür. Die regelmäßige Aufforderung verstärkt den Groll des Nachbarn: „Ich will endlich auch mal ein Stück vom Kuchen bekommen!“ Bei der letzten Feier schleicht sich der Nachbar durch den Busch und erzählt anderen von unseren Ungerechtigkeiten. Das können wir natürlich nicht so stehen lassen und beginnen ihm ernsthaft zu drohen. Genau das machen wir mit den Wirtschaftsflüchtlingen. Wann geben wir endlich was von ihrem Kuchen zurück?

Redaktion
Celler Presse






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