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Künstliche Intelligenz besteht Literaturprüfung

  • Celle

Am Ende hatte nur einer der knapp 60 Zuhörer den richtigen Riecher und fand den Lesungstext heraus, der von der künstlichen Intelligenz ChatGPT geschrieben worden war. Die Geschichte um die drei Flüchtlinge Jamal, Nio und Abdul war bei der Sommerlesung „Literarische Wundertüte“ im Innenhof der Volkshochschule als Kuckuckskind unter die anderen Erzählungen der „Creative Writers“ der vhs gemogelt worden. „Wer findet den KI-Text?“ hieß somit die Frage des Abends. Dass nur ein einziger richtiger Tipp dabei war, sorgte dann doch für eine Überraschung.

„Ich hätte nie gedacht, dass es dieser Text ist, er war gut geschrieben und klang so glaubwürdig“, war die einhellige Meinung nach der Auswertung aller Stimmzettel. Was mit künstlicher Intelligenz im Literaturbereich alles möglich ist, weckte nicht nur beim Publikum ein mulmiges Gefühl, sondern auch bei den zwölf Autorinnen und Autoren. Denn wie fühlt man sich, wenn zehn Zuhörer darauf tippen, der eigene, handgestrickte Text – bewusst mit Anspielungen, Gedanken und Stilmitteln versehen – sei künstlich erzeugt worden? Martina Hancke, Moderatorin des Abends und Leiterin der Schreibgruppe, zog dann auch das Fazit: „Wenn so viele von Ihnen glauben, dass meine Erzählung der KI-Text ist, muss ich mir wohl wirklich Sorgen über meinen Schreibstil machen.“

Ansonsten brauchte sich die Schreibgruppe keine Sorgen zu machen. Der Regen hatte am Freitag rechtzeitig aufgehört, der Innenhof der vhs war so gut gefüllt wie noch nie bei der Sommerlesung und mit Gudrun Flindt vom Gesangsduo „Terraneola“ gab es zum ersten Mal eine stimmungsvolle musikalische Untermalung.

In der „Literarischen Wundertüte“ steckten Geschichten aus acht Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit der Hobbyautorinnen und -autoren. Die Schreibgruppe „Creative Writers“, die sich monatlich trifft, erhält jedes Mal einen kleinen Schreibimpuls, auch „Prompt“ genannt, der sie zu Erzählungen inspiriert. Was man aus der Aufgabe „Fülle einen Raum von fünf mal fünf Metern“ entwickeln kann, zeigte Christine Wachau in ihrer Geschichte „25 qm“, die den Bogen von der ersten kleinen Einraumwohnung zum letzten Zimmer in einer Seniorenresidenz spann. Eine bitterböse Erzählung im Crime Noir-Stil verfasste Thomas Kremer nach der Vorgabe „Nichts für schwache Nerven“, bei der sich der Ich-Erzähler von einem 14-jährigen Jungen in einen eiskalten Massenmörder verwandelt.

Die Herausforderung den Brand in einem Gasthaus spannend zu beschreiben, griffen Katharina Zahn und Werner Warnicke höchst unterschiedlich auf. Die jüngste Autorin schuf mit „Ein Knistern stört die Stille“ eine dichte, beklemmende Erzählung, die das Publikum erst einmal sacken lassen musste. Als Kontrast trug Werner Warnecke, ältester Autor der Gruppe, sein Gedicht „Das Feuer von Lönsbüttel“ vor, dessen Reime und Anlehnungen an Goethe und Schiller den Anwesenden hörbar Vergnügen bereitete und mit viel Applaus belohnt wurde. Das ist wohl auch das Geheimnis dieser Lesungen: Die Vielfältigkeit der Schreibstile und der Wechsel zwischen berührenden, spannenden und humorvollen Geschichten machen den Reiz aus.

Ein Versprechen gaben die „Creative Writers“ zum Schluss: „Wir machen weiter Geschichten in Handarbeit für Sie – ohne KI!“

PR
Fotos: Lars Hancke

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