Brückenbaufest: Straffälligenhilfe ist „mutiger Beginn eines neuen Lebenskapitels“
„Man könnte denken, wenn ein Mensch straffällig geworden ist, bedeutet das sein Ende. Aber wenn derjenige sich an die Straffälligenhilfe wendet, kann es das genaue Gegenteil bedeuten: den mutigen Beginn eines neuen Kapitels im Leben.“ Mit diesen Worten brachte Dr. Jörg Rodenwaldt, Ortsbürgermeister von Neuenhäusen, die Bedeutung der Celler Anlaufstelle für Straffällige beim alljährlichen Brückenbaufest auf den Punkt. Auch die weiteren Rednerinnen und Redner betonten am Dienstag, wie wichtig die zweite Chance ist, die das „Projekt Brückenbau“ bietet.










„Ich mache etwas Neues, schon sprießt es, seht ihr es denn nicht?“ zitierte Rodenwaldt aus der Bibel – und für die meisten Menschen bleibt wirklich im Verborgenen, wieviel Durchhaltevermögen und Mut es braucht, um nach einer Inhaftierung wieder Fuß zu fassen. Dafür das Verständnis in der Gesellschaft zu fördern, das war auch Dorothee Seitter wichtig, stellvertretende Leitung der JVA Celle: „Gemeinsam müssen wir die Gefangenen dort abholen, wo sie stehen. Und sie ermutigen, ihre Stärken herausfinden und dann auch ausbauen.“
Gemeinsam – das war das Stichwort an diesem Nachmittag, denn je mehr Kooperationspartner zusammenwirken, desto bessere Chancen hat eine Resozialisierung. Ein Rollenspiel des Teams der Anlaufstelle zeigte, wer da alles wie zusammenwirkt: geschlossener Vollzug, manchmal auch der offene Vollzug, der Ambulante Justizsozialdienst (AJSD) und die Anlaufstelle „Projekt Brückenbau“.
Wozu braucht es bei all diesen Angeboten die Anlaufstelle? Deutlich wurde: Als ein freiwilliges Angebot, das die anderen Institutionen ergänzt und abrundet. Wo es neben Dingen wie Arbeit und Wohnen auch um Beziehungen, Fertigkeiten, soft skills geht. „Ihr habt mir gezeigt, wie man mit einem Handy umgeht“, sagte ein Haftentlassener im Interview; Handys darf man in Haft nicht benutzen. Und ein Inhaftierter meinte: „Zu euch kann man immer kommen, egal mit welchen Problemen.“
Beziehungen, darum ging es auch beim Fest: beim Grillen mit ganz anderen Menschen ins Gespräch kommen und neue Blickwinkel kennenlernen. Vielleicht die JVA-Mitarbeiterin mit dem Polizisten, der Oberstaatsanwalt mit dem Haftentlassenen. Musikalisch begleitet wurde das Ganze von Mita Pantani aus Hannover.
Als eine von insgesamt 14 offiziellen Anlaufstellen für Straffällige des Landes Niedersachsen berät und begleitet „Projekt Brückenbau“ straffällig gewordene Menschen und ihre Angehörige in der Region Celle. Das Unterstützungsangebot umfasst alle Lebensbereiche. Es geschieht auf freiwilliger Basis und ist immer vertraulich. Eine wichtige Rolle spielen dabei Ehrenamtliche. Die Anlaufstelle gehört zur christlichen Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz und arbeitet eng mit der Justizvollzugsanstalt Celle, dem ambulanten Justizsozialdienst und weiteren Einrichtungen der Stadt Celle zusammen.
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