„Wir werden zum Güterzug-Hotspot!“ – Stadtgespräch zur Neubautrasse
Frank Kramer vom Aktionsbündnis gegen Trassenneubau zeigt sich beim Stadtgespräch zur geplanten Neubautrasse enttäuscht. „In Bergen sind 450 Leute gekommen“, zieht er einen Vergleich zur Veranstaltung am Vortag im Bergener Stadthaus, wo es um dasselbe Thema ging. Da kann die Besucherzahl in „Lehmanns Scheune“ nicht mithalten. Die Reihen sind nicht bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine mögliche Begründung liefert Kramer gleich mit: „Alle sind genervt von dem Thema.“ Die Deutsche Bahn (DB) kalkuliere genau damit. „Die Celler müssen aufwachen!“, mahnt das Bündnis-Mitglied, räumt ein, dass die Thematik kompliziert sei und betont: „Da ist so viel Unwissenheit!“
Diesem Umstand wollten der Celler CDU-Kommunalpolitiker Christian Ceyp und der Bahnexperte Volker Thürk entgegenwirken mit der Einladung zum Celler Stadtgespräch „Bestandsstreckenausbau – Ja, Neubaustrecke – Nein“. Mittlerweile ist Volker Thürk Pensionär, zuvor war er 48 Jahre lang, beginnend 1963, in leitender Position im operativen Betriebsdienst der Deutschen Bahn tätig und gehörte dem Aufsichtsrat der DB Netz AG an. Insofern weiß er, was er tut, wenn er zwischendurch immer mal wieder kopfschüttelnd Ergebnisse seines früheren Arbeitgebers kommentiert. Dieser hat im Juni dieses Jahres – das 2015 zwischen allen Beteiligten abgestimmte Schienenausbauprojekt Alpha-E ignorierend – die Planung für eine Neubautrasse Hamburg-Hannover vorgelegt. Alpha-E sieht einen bedarfsgerechten Ausbau von Bestandsstrecken im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover vor. Vereinbart war, dass es schrittweise umgesetzt wird, beispielsweise ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen errichtet oder einzelne Abschnitte für eine höhere Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h ertüchtigt werden.
Doch „zehn Jahre später ist nichts passiert“, sagt Christian Ceyp und spricht ebenso wie Thürk von verlorenen Jahren. Und so werde es weitergehen, alle notwendigen Maßnahmen zur Ertüchtigung würden abgeschmettert mit dem Argument, „es wird doch eine Neubautrasse geben“. „So war es auch beim Transrapid, und was aus dem Projekt geworden ist, muss ich Ihnen nicht erzählen“, sagte Thürk. Die Neubautrasse wäre nach eigenen Angaben der Bahn jedoch erst im Jahr 2047 betriebsbereit, während Alpha-E vorsehe, dass unter „rollendem Rad“ saniert und optimiert werde, so dass schrittweise erneuerte Abschnitte in Betrieb genommen werden könnten. Zudem fehle für einen Neubau ohnehin das Geld, wie im August übereinstimmend der „Spiegel“ und das „Handelsblatt“ berichteten.
Christian Ceyp und Volker Thürk kritisierten weiterhin, dass keine Raumverträglichkeitsprüfung stattgefunden habe, also z.B. die Auswirkungen auf die Umwelt nicht untersucht wurden. In diesem Zuge hätte das Land Niedersachsen beteiligt werden müssen. Dieses sei an keiner Stelle geschehen. Das Neubaukonzept sieht vor, dass auf zwölf Kilometern non-stop Landschaftsschutzgebiete durchquert werden. „Wir sind extrem betroffen“, sagte die Eigentümerin des „Entenfang“, Dr. Iris Barckhausen, „der Landschaftsschutz wird komplett ignoriert, und damit etwas, das über Jahrzehnte aufgebaut worden ist.“
Teil des Alpha-E-Kompromisses ist es, alternative Routen für den Güterverkehr zu schaffen. Im Falle einer Neubautrasse sieht Volker Thürk basierend auf der Darstellung der Konzeptidee auf der Internetseite der DB für Celle das Szenario: „Wir werden zum Güterzug-Hotspot und wir bekommen keinen Lärmschutz.“ Die DB argumentiert mit dem regionalen Nutzen einer Neubautrasse: „Das ist eine Fata morgana“, entkräftet Thürk, neue Personenbahnhöfe werde es nicht geben.
Doch „die Argumentation der Bahn verfängt“, sagte der grüne Kommunalpolitiker der Grünen Bernd Zobel in der abschließenden Diskussionsrunde, „wir müssen da etwas entgegensetzen.“
Eine Gelegenheit dazu gibt es am 14. September, ab 14 Uhr findet das „Whyte Dynner des Widerstands“ statt zwischen Ramelsloh und Marxen. Infos unter: Y-MONSTER.DE
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht
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