Sonntag, 13. September 2026

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Dreijährige Erprobungsphase für Congress Union mit Doppelspitze

Wäre er nicht persönlich im Publikum anwesend gewesen, dann hätten ihm die Ohren geklungen angesichts von so viel Lob und Vertrauen, das in der jüngsten Ratssitzung dem neuen Geschäftsführer der Congress Union Celle (CUC) GmbH, Kai Thomsen, entgegengebracht wurde. Dabei führt er die CUC gar nicht allein, sondern gemeinsam mit dem bisherigen Geschäftsführer Jörg Martin. „Ja, wir sind eine Doppelspitze. Jörg Martin ist für die Finanzen zuständig und ich für das operative Geschäft“, erläutert Thomsen in einem Telefonat nach der Ratssitzung.

Das Thema Congress Union landete als Tagesordnungspunkt auf der Agenda der Ratssitzung, weil seit September 2023 acht Anträge aus den Reihen der Politik eingegangen waren, die nun gesammelt zur Beantwortung anstanden. Auslöser für die politischen Initiativen war eine Bekanntgabe der Verwaltung aus dem Sommer 2023, wonach das Veranstaltungszentrum spärlich nachgefragt sei, nichts als Verluste generiere, eine völlig marode Bausubstanz aufweise und Investitionen in Höhe von 30 Mio Euro benötige.

Sogar von Abriss und Verkauf war die Rede. All das ist mittlerweile kein Thema mehr, es hatte die Politik jedoch aufgeschreckt, zu Fragenkatalogen und Forderungen nach weiteren Gutachten oder Machbarkeitsstudien veranlasst. Die Antworten blieben zunächst aus. Das Neue Rathaus handelte: Sie kündigte den Betriebsführungsvertrag mit der Althoff-Hotelgesellschaft mbH zum 31.3.2025 und gründete die Congress Union Celle GmbH rückwirkend zum 1.1.2025 als neue Betreibergesellschaft, der langjährige Leiter der CD-Kaserne Kai Thomsen wurde als neuer Geschäftsführer engagiert. Der vor Monaten noch als nicht nutzbar beschriebene Europasaal wurde zum 1. September wieder geöffnet.

Es ist eine dreijährige Erprobungsphase für das neue Modell vorgesehen. Eine Regelung, die im Rat von Stephan Ohl (Die Linke) und Bernd Zobel (Grüne) kritisiert und als mangelnde Rückendeckung für Thomsen interpretiert wurde. Dr. Udo Hörstmann (Unabhängige) und Anatoli Trenkenschu (AfD) hatten sich in ihren Anträgen auf die umfassende Renovierung der Union konzentriert und das Handeln der Verwaltung so verstanden, als würde man derzeit auf Instandsetzung verzichten und die drei Jahre abwarten.

Kai Thomsen entkräftet dieses im Nachgang sehr deutlich: „Es wird doch jetzt schon laufend saniert, vieles ist schon abgearbeitet, da wird ganz viel gemacht.“ Er hat sich die Debatte angehört und kommentiert: „Aus ihrer jeweiligen Perspektive haben alle recht.“ Die zum Ausdruck gebrachten Vorschusslorbeeren belasten ihn in keinster Weise, auch die Einrichtung einer Erprobungsphase empfindet er nicht als negativ. Im Gegenteil: „Ich habe das selber angeregt. Es stimmt, dass die Althoff-Gruppe die Potentiale nicht voll ausgeschöpft hat, da muss jetzt durch unsere Arbeit eine Linie hineingebracht und erkennbar werden. Wenn wir das in drei Jahren nicht schaffen, dann schaffen wir es nie.“ Es müsse ausgelotet werden, ob die Stadtgesellschaft ein solches Veranstaltungszentrum überhaupt wolle. „Es ist ja immer ein Zusammenspiel, so ist es auch bei der CD-Kaserne.“ Er hat sich volle Transparenz für die Arbeit in der Congress Union GmbH vorgenommen. „Ich bin kein Heilsbringer, ich bin professioneller Kulturmanager“, sagt er und fügt etwas hinzu, das im Laufe der Debatte zur Zukunft der CUC bereits von Dr. Jörg Rodenwaldt (Zukunft Celle) gesagt worden war: „Der Betrieb der Congress Union wird ein Zuschussgeschäft bleiben.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: WWM (Archiv)