Mittwoch, 12. August 2026

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NABU: Wildes Leben im naturnahen Garten – Warum Laub, Totholz und „Unordnung“ Igeln & Co. durch den Winter helfen

Wenn die Tage kürzer werden, das Laub fällt und die ersten Nachtfröste nahen, beginnt in vielen Gärten die große Aufräumaktion. Doch was für Menschen unordentlich aussieht, kann für Tiere überlebenswichtig sein. Der NABU Niedersachsen ruft deshalb dazu auf, Totholz, Laub und verblühte Stauden nicht vorschnell zu beseitigen – denn sie bieten wertvollen Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren, darunter auch den Igel.

„Eine klitzekleine Serengeti kann überall entstehen – auch im Garten, wenn man ein wenig mehr ‚Unordnung‘ zulässt“, sagt Rüdiger Wohlers vom NABU Niedersachsen mit einem Augenzwinkern. Besonders Totholzhaufen, Laubnester und wilde Ecken sind in der kalten Jahreszeit gefragte Winterquartiere. Und sie haben prominente Gäste wie zum Beispiel den Igel.

Der Garten als Winterquartier
Wer Igel fit für den Winter machen will, sollte vor allem seinen Garten fit für Igel machen. Die Tiere suchen sich ab Mitte Oktober geeignete Winterquartiere, sobald die Bodentemperaturen gegen null Grad sinken. „Ein idealer Rückzugsort besteht aus einem Haufen aus totem Holz, Laub und Reisig – gerne auch mit einer Basis aus Feldsteinen“, erklärt Wohlers. Solche Haufen bieten nicht nur Schutz vor Kälte, sondern auch vor Störungen.

Neben dem Igel profitieren auch andere Wildtiere: Insekten wie Marienkäfer ziehen sich in das herabgefallene Laub zurück, Larven überwintern in Stängeln abgestorbener Pflanzen, und Vögel wie Rotkehlchen oder Zaunkönig finden in gut geschützten Ecken geeignete Brutplätze für das kommende Frühjahr.

Laub liegen lassen
Laub hat einen schlechten Ruf als Gartenabfall – dabei ist es für den Boden ein Segen. Es schützt vor Austrocknung, fördert die Humusbildung und bietet Lebensraum für unzählige Arten. „Wer Laub nicht wegsaugt oder -fegt, sondern unter Hecken oder in Beeten liegen lässt, tut der Natur einen großen Gefallen“, so Wohlers. Das gilt auch für die Halme verblühter Stauden und Gräser, in denen Insektenlarven überwintern und die im Frühjahr vielen Vögeln als Nahrungsquelle dienen.

Naturnah gärtnern: Weniger ist mehr
Ein igelfreundlicher Garten braucht keine exotischen Gehölze und auch keinen perfekt gestutzten Rasen. Im Gegenteil: Wilde Ecken, durchlässige Zäune und wenig Eingriffe machen ihn erst zu einem sicheren Lebensraum. Besonders gefährlich für Igel sind Mähroboter, die lautlos über die Fläche fahren – oft auch nachts, wenn die Tiere aktiv sind. Da Igel sich bei Gefahr zusammenrollen, anstatt zu fliehen, werden sie dabei schwer verletzt oder getötet. „Diese Geräte sind für Igel eine tödliche Falle“, warnt Wohlers. Um die Tiere besser zu schützen, läuft derzeit im Landtag eine Petition, die ein Nachtfahrverbot für Mähroboter fordert. Der NABU Niedersachsen ruft alle Naturfreundinnen und Naturfreunde dazu auf, diese Initiative zu unterstützen. Ebenso wichtig ist ein achtsamer Umgang mit Kompost- oder Reisighaufen, die während der Wintermonate nicht umgesetzt werden sollten, da darin Igel verborgen sein können. „Einmal geschaffene Winterquartiere sollten unangetastet bleiben“, mahnt Wohlers. Denn schlafende Igel reagieren nicht auf Störungen und sind ihnen hilflos ausgeliefert.

Jeder Beitrag zählt
„Ob Laub liegen bleibt, ein Asthaufen im Garten entsteht oder man einfach mal den Rasen ungemäht lässt – all das hilft“, sagt Wohlers. Der NABU Niedersachsen ruft dazu auf, kleine Maßnahmen im eigenen Garten umzusetzen, um der Tierwelt über den Winter zu helfen. Ein naturnaher Garten ist nicht nur schöner anzusehen, sondern auch ein Refugium für Arten, die im zunehmend aufgeräumten Siedlungsraum kaum noch Platz finden.

Wer Wildtieren, insbesondere Insekten, aber auch Vögeln und Igeln, im naturnahen Garten helfen möchte, kann ein kleines Info-Paket anfordern, das der NABU Niedersachsen bereithält. Es enthält die ausführliche Bauplansammlung zu Nisthilfen und die reich bebilderte Broschüre „Gartenlust“ und kann angefordert werden gegen Einsendung einer 5-Euro-Banknote beim NABU Niedersachsen, Stichwort „Garten für Wildtiere“, Alleestr. 36, 30167 Hannover. 

PR
Foto: NABU/Eric Neuling