Freitag, 6. März 2026

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Von absurd bis alternativlos – Kontroverse Diskussion zur Neubautrasse

Die Positionen sind unversöhnlich – die gestrige Diskussion auf Einladung des Grünen Kreisverbandes unter dem Vorsitz von Bernd Zobel zum Für und Wider der Neubautrasse zwischen Hamburg und Hannover bzw. dem Ausbau im Bestand stellte es erneut unter Beweis.

Als Referenten hatte der Kreisverband die grüne Bundestagsabgeordnete Swantje Michaelsen sowie den Sprecher des Projektbeirates Alpha-E, Dr. Peter Dörsam, eingeladen. Letzterer legte in seinem kurzen Eingangsstatement die Vorteile eines Ausbaus im Bestand dar gemäß dem vor zehn Jahren unter der Bezeichnung Alpha-E festgeschriebenen Kompromiss, der auch von der Deutschen Bahn unterzeichnet worden war. Michaelsen hob indes bereits in ihrer Auftaktrede hervor, dass es sich um keinen echten Kompromiss gehandelt habe, denn nicht alle Beteiligten hätten ihn mitgetragen. „Das Ergebnis war auch damals umstritten“, referierte Michaelsen, die als Bundestagsabgeordnete voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres mit darüber abstimmen wird, ob es eine Neubautrasse Hamburg/Hannover geben wird oder nicht.

Ihr Statement hatte einen eher allgemeinen Charakter, basierend vorwiegend auf Zahlen und Daten der Bahn, die von Gegnern eines Neubaus angezweifelt werden. Bei Detailfragen wie beispielsweise jener zum neu berechneten Kosten-Nutzen-Verhältnis musste die Grüne passen. „Die Bahn hat einen Auftrag von der Politik“, sagte sie. Ihre Kernargumente lauteten weiterhin, die zu erwartende steigende Nachfrage könne nur von einer neuen Trasse bewältigt werden, und die Region werde in Form von verbessertem Nahverkehr profitieren, so entstünden Nahverkehrshalte in Bergen und Soltau. „Wir haben einen Riesenbedarf und keine Resilienzen im System“, betonte sie.

Dörsam zeigte sich dagegen mit jeder Einzelheit der Thematik vertraut. „Es gibt aktuell eine Überlastung, das bestreiten wir nicht“, führte er aus, den Prognosen der DB zum Güterverkehr folgt er jedoch nicht. „Die Güterverkehre haben sich nicht so entwickelt wie prognostiziert“, vieles spreche dafür, dass ein Ausbau mit zusätzlichen Gleisen, Blockverdichtung sowie neuer Signalisierung auch in Zukunft ausreiche, um die Verkehre zu bewältigen. „Eine Fertigstellung der Neubaustrecke in 20 Jahren ist schon extrem optimistisch, während die Umsetzung der Einzelmaßnahmen von Alpha-E ihren Nutzen umgehend entfalten“, argumentierte Dörsam und gestand zu: „Alpha-E ist mit Belastungen für die Menschen verbunden.“ Er plädierte dafür, die geplante Generalsanierung zu nutzen, „um so viel wie möglich mit dem Ziel von Kapazitätssteigerungen umzusetzen.“ Die Strecken würden für den Zweck ja ohnehin gesperrt.

Die sich anschließende Fragerunde wurde rege in Anspruch genommen und offenbarte, dass das Publikum aus Kennern der Materie bestand, etliche stellten sich als aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter der DB vor. Auch der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Christian Ceyp sowie Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland, der die Neubaustrecke befürwortet, und der Erste Vorsitzende des Aktionsbündnisses gegen Trassenneubau, Christian Böker, waren unter den Gästen. Letzterer bezweifelt wie Christian Ceyp die versprochenen Vorteile für die Region. Ceyp befürchtet den Wegfall von ICE-Halten in Celle und einen gesteigerten Güterverkehr durch die Stadt, Böker skizzierte die Einschnitte, die eine Neubautrasse für Bergen mit sich bringen würde.

Charakteristisch für die Trassengegner ist ein hohes Misstrauen der Deutschen Bahn gegenüber. Einzelne Vorausberechnungen der Bahn wurden als „absurd“ bezeichnet. „Ich sehe, wo die Experten der Bahn diese Bahn hingewirtschaftet haben“, hatte Bernd Zobel in der jüngsten Sondersitzung des Rates Celle gesagt. Als Moderator hielt er sich inhaltlich bei dieser Veranstaltung komplett zurück. Zahlreiche Zuhörer sprachen sich mit dem Unterton der Alternativlosigkeit für einen Trassenneubau aus, zeigten wenig Verständnis für die Verfechter des Alpha-E-Beschlusses, zu viel habe sich seitdem getan.

Umgekehrt war eine ähnlich kompromisslose Haltung wahrzunehmen. Eine der wenigen versöhnlichen Aussagen hatte Christian Ceyp in der Anmoderation seiner Fragestellung getroffen: „In einem sind wir uns doch einig: Wir alle wollen ein leistungsfähiges System Bahn.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht

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