Samstag, 24. Januar 2026

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Thema: „Doppelmoral beim Thema Verkehr“

Zum Thema der von der Bahn geplanten Neubautrasse Hamburg Hannover erreicht uns eine Stellungnahme von Fritz Kaune aus dem Landkreis Uelzen. Kaune ist Kommunkationsbeauftragter des Aktionsbündnisses für die Ostheide gegen Neubautrassen der Bahn e.V. (AFDO). Das ist ein Zusammenschluss engagierter Bürger aus zahlreichen Ortschaften entlang der geplanten Neubautrassen im Landkreis Uelzen. Am 8. September 2014 wurde das Aktionsbündnis in Vinstedt gegründet. Wir veröffentlichen den Beitrag im Wortlaut außerhalb der redaktionellen Verantwortung:

„Das Thema Verkehrsinfrastruktur wird durchaus kontrovers gesehen. Neben einer Doppelmoral in der Bevölkerung wie auch in der Politik, die mal die Straße „verteufeln“ und dann die Schiene als Rettungsanker bezeichnen sowie umgekehrt, stelle ich aber auch Defizite beim Informations- und Wissensstand fest, die zu Fehlurteilen verleiten. 

Seit mehr als 170 Jahren existiert die Eisenbahnstrecke von Hannover nach Hamburg. Zeit genug, sich mit der Bahn zu arrangieren, die inzwischen eine Menge technischer Vorkehrungen unternommen hat, Belastungen für Mensch und Natur zu verringern. Ihr wird nachgesagt, dass sie in Bezug auf die CO2-Emissionen ein akzeptables Verkehrssystem ist, weshalb Befürworter einer Neubaustrecke durch die Lüneburger Heide wie auch andere aus dem politischen und verkehrlichen Umfeld sogar für die Bahn demonstrieren. Doch stimmt diese Aussage?  

Das Bundesverfassungsgericht hat explizit den CO2-Abdruck aufgrund seines Urteils besonders als nicht vernachlässigbare Größe bezeichnet. Daher ist die Frage der Nachhaltigkeit einer Neubaustrecke ganz massiv zu stellen. Laut einer Mitteilung des Umweltbundesamt (UBA) vom 08.02.2020 an mich geht das UBA von folgendem aus:„Grundsätzlich lässt sich jedoch vermuten, dass ein kompletter Neubau einer Strecke durchaus THG (Treibhausgas)-intensiver ist als der Ausbau einer Bestandsstrecke“. 

Lt. SPIEGEL Nr. 5/2022 „Häuser als Materialspeicher“ hat die Bundesregierung z. B. allgemein einen anderen Blick auf die Bautätigkeit geworfen. „Es sollen mehr Altmaterial statt Rohstoffe eingesetzt werden, für die die Natur zerstört und das Klima geschädigt werden. Allein auf die Herstellung von 

Zement entfallen rund acht Prozent der globalen CO2-Emissionen. Wer im Bauwesen klimaneutral werden will, kommt an der Kreislaufwirtschaft nicht vorbei“, schreibt der SPIEGEL. In der Ausgabe 8/2022 werden die Aussagen präziser: 

  • Jede Tonne Zement verursacht im Schnitt 0,8 Tonnen CO2-Äquivalente 
  • Jede Tonne Rohstahl 1,37 Tonnen CO2-Äquivalente als Einheit für THG.  

Man spricht in der Bauwirtschaft von sog. Grauen Emissionen, die im Umfeld der Bautätigkeit durch Material-, Energieeinsatz, Verkehr und Flächenverbrauch entstehen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Auftraggeber für die Planung, also der Bund, und damit auch der Gesetzgeber noch vor Planfeststellung durch ein Gesetzgebungsverfahren umsteuert und die DB wie alle anderen Bauträger dazu veranlasst, das Delta an sämtlichen Emissionen zwischen Neubau – Abriss – Neu-/Umbau zu berechnen. Hat das die Bahn getan?  Die Frage ist, ob die DB in Bezug auf die Neubautrasse sich hierbei in die „Bücher“ schauen lässt?  

Damit ist ein Schlaglicht auf die Problematik eines Neubaus im Hinblick auf die Größe der „Grauen Emissionen“ geworfen und wichtig ist auch, dass alle Planungen sich letztendlich nicht von der Verantwortlichkeit für Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit entkoppeln dürfen. Hinzu kommt, dass die DB sich nach außen mit dem Siegel der Klimaneutralität und des Klimaschutzes schmückt, weil sie z. B. mit Grünstrom wirbt. Nur wenn der absolut auf erneuerbarer Grundlage erzeugt und eingespeist wird, reduziert sich der CO2–Abdruck im Fahrbetrieb und könnte den Anfall der „Grauen Emissionen“ dadurch wieder – auf die Lebenszeit berechnet – kompensieren. Aber wenn zusätzlich die Reisegeschwindigkeiten der Fernzüge auf 300 km/h bei 6-fachem Energiebedarf heraufgesetzt werden, dann stellen sich folgende Fragen: Gibt es genügend emissionsfrei erzeugten Strom? Um welches Delta nimmt der gesamte Stromverbrauch zu? Woher kommt er, wenn jetzt nach Planungen der Wirtschaftsministerin vermehrt Kraftwerke auf Gasbasis errichtet werden sollen? Wie hoch ist dann der zusätzliche CO2–Abdruck? 

Auf die DB-Planungen umgemünzt, heißt das, ohne den Ausbau bestehender Trassen mit weniger Aufwand an Beton und Material, weil schon vorhandenes genutzt werden kann, ist die DB weder nachhaltig noch klimaneutral unterwegs. In einer Antwort vom UBA wurde mir bereits im Feb. 2022 mitgeteilt, dass man davon ausgehe, dass ein kompletter Neubau einer Strecke durchaus THGintensiver ist als der Ausbau einer Bestandsstrecke. Eine Korrektur der Planung kann demnach nur die Politik vornehmen, wenn sie in der parlamentarischen Befassung die von der DB vorgelegte Vorzugstrasse kritisch hinterfragt. Ziel der Planungen und der Auswahl der Trasse sollte nach Ansicht des UBA die Trasse sein, die die Umwelt am wenigsten beeinträchtigt! 

Eine weitere „Baustelle“ ist der Flächenbedarf bei Neubauplanung. In einer PM des UBA vom 25.04.2016 Nr. 18/2016 zum Thema Flächenanspruch für Siedlung und Verkehr des immer noch gültigen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) heißt es: „Der BVWP dürfte davon nur einen Anteil von 1,9 Hektar pro Tag beanspruchen. Der aktuelle Entwurf überschreitet dieses Budget um rund 50 Prozent, landet bei etwa 2,9 Hektar pro Tag“. Der Verlust an Mooren, Wäldern, landwirtschaftlicher Nutzfläche, Siedlungsflächen, Zerstörung von Biotopen als Schutzraum der Biodiversität, die Versiegelung des Bodens und ein Flächenverbrauch über das Maß, das im Niedersächsischen Weg verankert ist, sind Beleg für Naturzerstörung durch die Neubauplanung der Bahn.  

Klar, auch beim Bestandsausbau entstehen Emissionen, Ansprüche an zusätzlichen Flächen, die aber im Vergleich mit einem Neubau als geringer erachtet werden. Sollte es nicht zu denken geben, das beim Bestand schon über mehr als 100 Jahre Strukturen festgelegt sind, die es schonend zu erweitern gilt und bei denen die notwendigen Eingriffe geringer ausfallen dürften?  

Als Naturschützer ist folgendes zu fragen: Plant die Bahn im Sinne des Umweltbundesamts und des Umweltschutzes, wenn sie statt des Ausbaus einen Neubau will?“ 

PR
Foto: ptra / Pixabay

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