Dienstag, 9. Dezember 2025

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Königsdörffer bringt Volksparkstadion zum Beben – HSV rettet Punkt gegen Dortmund

Der HSV konnte seinen jüngsten Abwärtstrend stoppen und sicherte sich ausgerechnet gegen den Champions-League-Teilnehmer aus Dortmund einen durchaus verdienten Punktgewinn. Nach dem es bis weit in die Nachspielzeit nicht danach ausgesehen hatte. Erst in der 97. Minute traf Königsdörffer zum Ausgleich für den HSV und brachte das wieder einmal ausverkaufte Volksparkstadion zum Beben.

Es war eine dieser typischen „Ausgerechnet“-Geschichten, die der Fußball so oft schreibt. Ausgerechnet der in der Öffentlichkeit zuletzt kritisierte Königsdörffer trifft, ausgerechnet in jenem Spiel, in dem er zum ersten Mal in dieser Saison nicht in der Startelf stand.

Neben Königsdörffer verzichtete Trainer Merlin Polzin auch auf William Mikelbrencis sowie notgedrungen auf den gelb-rot gesperrten Fábio Vieira und Daniel Elfadli, der sich kurzfristig verletzt hatte. Neu in die Startelf rückten dafür Jordan Torunarigha, Nicolás Capaldo, Giorgi Gocholeishvili und Kapitän Yussuf Poulsen, der erstmals in der Bundesliga für den HSV von Beginn an startete. Auch Dortmunds Trainer Niko Kovač wechselte viermal gegenüber dem Spiel gegen Manchester. Für Ramy Bensebaini, Marcel Sabitzer, Felix Nmecha und Karim Adeyemi rückten Emre Can, Pascal Groß, Jobe Bellingham und Maximilian Beier in die Startelf.

Die Rollen vor dem Spiel waren klar verteilt. Auf der einen Seite der Außenseiter aus Hamburg, der zuletzt spielerisch zwar zu gefallen wusste, aber aus den letzten drei Spielen keine Punkte mitnehmen konnte. Auf der anderen der Favorit aus Dortmund, der in der gesamten Saison lediglich ein Spiel verloren hatte und sich beste Chancen auf den Titel des Vizemeisters hinter Bayern München ausrechnen darf.

Dementsprechend sah es in den ersten Minuten auch auf dem Platz aus. Die Gastgeber wurden in der eigenen Hälfte eingeschnürt und waren ausschließlich mit Verteidigen beschäftigt. Bereits in der 5. Minute wären die Dortmunder fast für ihren offensiven Beginn belohnt worden, doch der Schuss von Daniel Svensson aus aussichtsreicher Position wurde von Torunarigha stark geblockt.

Erst nach gut 10 Minuten tauchte der HSV erstmals in des Gegners Hälfte auf, ohne dabei auch nur den Hauch einer Gefahr zu versprühen. Fortan gelang es den Gastgebern etwas häufiger, sich durch Gegenstöße etwas Entlastung zu verschaffen. Mehr als ein harmloser Schuss von Poulsen (20.) und eine feine Einzelleistung von Jean-Luc Dompé im Strafraum sprangen dabei allerdings nicht heraus. Dortmund blieb optisch überlegen, konnte aber dank der kompakten HSV-Defensive kaum gefährliche Strafraumszenen kreieren. So blieb es bei erfolglosen Weitschüssen und Standardsituationen. Gefährlich für den HSV wurde es erst in der 35. Minute, als es Beier gelang, sich an der rechten Seite durchzusetzen und im Strafraum zum freistehenden Chukwuemeka zu passen, dessen Schuss jedoch weit über das Tor ging.

Noch vor der Pause hätte sich diese Nachlässigkeit für die Dortmunder fast gerächt. Nachdem eine flache Hereingabe vom Dompé zunächst an Freund und Feind vorbei durch den Strafraum rollte, köpfte Capaldo die anschließende Flanke von Gocholeishvili an die Latte.

Mit einem gemessen an den Großchancen gerechten Remis ging es in die Pause. Dortmund hatte in der ersten Hälfte zwar mehr Ballbesitz, agierte aber vielfach ideenlos. Dieses Muster des Spiels sollte sich auch in der zweiten Hälfte fortsetzen.

Ein vom eigenen Mann ins Toraus abgefälschter Schuss in der 59. Minute steht als erste Dortmunder Halbchance zu Buche. Der HSV lauerte auf Gegenstöße, konnte diese aber nie sauber ausspielen. So auch in der 61. Minute, als Albert Sambi Lokonga einen Dortmunder Fehlpass abfing und den Ball zum startenden Rayan Philippe in die Spitze spielte, der diesen aber nicht verwerten konnte.

Es folgten die Minuten der Entscheidung. Königsdörffer kam für Poulsen ins Spiel, was sich später als Glücksgriff erweisen sollte. Weniger glücklich für den HSV lief es hingegen in der 64. Minute. Nachdem die Hamburger den Ball nach einer Dortmunder Ecke nicht sauber klären konnten, flipperte dieser durch den Strafraum, bis schließlich Chukwuemeka ein Zuspiel von Schlotterbeck mit einer schönen Direktabnahme zur Dortmunder Führung veredeln konnte.

Kurze Zeit später blitzte noch einmal Gefahr im Hamburger Strafraum auf, aber Adeyemi, Bellingham und Groß konnten eine gut gemeinte Passstafette nicht zu einem erfolgreichen Ende bringen (72.).

Was würde dem HSV einfallen, um die vierte Niederlage in Folge noch abzuwenden? Die Dortmunder zeigten sich als nette Gäste und kamen dem HSV entgegen, indem sie nun die Bemühungen weitgehend einstellten, ein zweites Tor zu erzielen. Die Hausherren kamen so zu längeren Ballbesitzphasen und das Spielgeschehen verlagerte sich mehr und mehr in die Hälfte der Dortmunder. Dompé entdeckte im Dortmunder Strafraum den Brasilianer in sich, überlistete mit seinen zahlreichen Übersteigern allerdings eher sich selbst als seinen Gegenspieler (73.). Bevor am Ende Königsdörffer zum Helden des Tages wurde, hätte diese Rolle auch dem eingewechselten Glatzel zufallen können. Sein Schuss in der 76. Minute aus gut 12 Metern wurde aber eher zur Rückgabe für den Dortmunder Torhüter Gregor Kobel. So lief den Hamburgern allmählich die Zeit davon. Echte Chancen waren hüben wie drüben Mangelware. Dortmund hatte längst einen Gang heruntergeschaltet, doch der HSV konnte mit dem Ballbesitz nicht viel anfangen. Bis zur Nachspielzeit. Schon in der 96. Minute hätte der Ausgleich fallen können, als Schusschancen von Jean-Luc Dompé und Luka Vušković kurz nacheinander noch von Dortmunder Abwehrspielern geblockt werden konnten. Was Königsdörffer letzten Endes den Weg bereitete, an diesem Abend zum König von Hamburg zu werden. Nach Flanke von Miro Muheim köpfte er den Ball zum vielumjubelten Last-Minute-Ausgleich ein und sorgte für Ekstase im Stadion. Leuchtende Augen bei allen, die es mit dem HSV halten. Mannschaft und Fans des HSV konnten dank eines couragierten Auftritts einen kaum mehr für möglich gehaltenen, aber durchaus verdienten Punkt feiern.

Es sind Momente wie diese, auf die sie in Hamburg lange gewartet haben. Groß war und ist schon die Freude, nach sieben Jahren in der zweiten Liga wieder Teil der obersten Spielklasse zu sein. Das gestrige Spiel gegen den Champions-League-Teilnehmer aus Dortmund, der einen Hauch von lange vermisster großer Fußballwelt in das Volksparkstadion brachte, war mit seiner ganzen Dramaturgie der vorläufige Höhepunkt der bisherigen Saison für den HSV. Auch weil sich der Punktgewinn, der erste gegen Dortmund seit fast 10 Jahren, am Ende wie ein Sieg angefühlt haben dürfte.

Was dieser Punkt wirklich wert ist, wird man erst am Ende der Saison sehen. Vorerst ist es dem HSV gelungen, weiterhin „eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ zu behalten, um das Schiff Richtung Klassenerhalt manövrieren zu können. Nachdem sich Borussia Mönchengladbach allmählich aus dem Abstiegskampf zu verabschieden scheint, wird es für den HSV aber wichtig sein, auch aus dem nächsten Spiel beim Abstiegskonkurrenten aus Augsburg etwas Zählbares mitzunehmen.

Die Dortmunder dürfen sich hingegen als Verlierer des Tages fühlen. Während die Bayern in der Nachspielzeit noch einen Punkt in Berlin retteten, verspielten die Dortmunder einen sicher geglaubten Sieg und die Chance, den Rückstand auf den Konkurrenten merklich zu verkleinern und gleichzeitig an den Leipzigern vorbeizuziehen, die in Hoffenheim erstmals seit dem ersten Spieltag verloren. Auch wenn ein Gegentor in der letzten Minute natürlich unglücklich ist, müssen sich die Dortmunder an die eigene Nase fassen. Zu passiv agierten sie nach der Führung und versäumten es, auf das vermutlich vorentscheidende zweite Tor zu gehen.

df/ Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de

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