Montag, 8. Dezember 2025

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Lichterdemonstration in Celle: Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt

Am Dienstagabend fand in Celle erneut eine Lichterdemonstration zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Unter dem Motto „Für ein freies Leben ohne Gewalt“ versammelten sich rund 70 Teilnehmende auf dem Thaerplatz vor der Congress Union – ein Ort, den die Veranstaltenden bewusst symbolisch zusätzlich „Gertrud-Schröter-Platz“ nennen.

Zur Demonstration aufgerufen hatten in diesem Jahr mehrere lokale und überregional aktive Gruppen, darunter die feministische Organisierung „Gemeinsam kämpfen“, das Autonome Frauenhaus Celle e. V., die Celler Gruppe LiST (Land in Sicht Transition), der Dachverband des Êzîdischen Frauenrates e. V. (SMJE), Women Defend Rojava, der Frauen-Diverspersonen-Kinder-Treff der Solidarischen Initiative Neuenhäusen, DGB Kreisverband Celle, die GEW Celle, das Bunte Haus sowie der Arbeitskreis Internationalismus.

Auftakt mit Schweigeminute

Durch den Abend führten Miriam Fuchs (Gemeinsam Kämpfen) und Nina Asmus (GEW/DGB). Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für Frauen, die in der Folge häuslicher Gewalt oder in Partnerschaften zu Tode gekommen sind. Fuchs verwies in ihrer Ansprache darauf, dass im Jahr 2025 bereits 85 Femizide in Deutschland registriert worden seien. Namen einzelner Betroffener wurden verlesen, bevor die Minute des Gedenkens gehalten wurde.

Beiträge und Redebeiträge

In mehreren Redebeiträgen wurden unterschiedliche Dimensionen geschlechtsspezifischer Gewalt thematisiert.

Birthe Witthöft, ebenfalls aus der feministischen Organisierung „Gemeinsam kämpfen“, sprach über die gesellschaftlichen Strukturen, die Gewalt begünstigten. Sie betonte die Rolle politischer Entwicklungen, medialer Darstellungen von Frauen und gesellschaftlicher Erwartungshaltungen. Dabei verwies sie auch auf aktuelle Fälle sexualisierter Übergriffe im öffentlichen Raum in Celle und den laufenden Polizeiermittlungen.

Anschließend setzte sich Manuela Mast in ihrer Rede mit den gängigen Präventionsvorstellungen auseinander. Sie kritisierte, dass häufig ausschließlich Frauen Verhaltensregeln zur Vermeidung von Übergriffen gegeben würden, während entsprechende Anforderungen an Männer als potenzielle Täter ausblieben. Sie forderte stattdessen verpflichtende Aufklärung, gesellschaftliche Verantwortung und konsequente Täterarbeit.

Ein Poetry-Slam-Beitrag der Autorin Antonia Josefa wurde im Anschluss als Audiobeitrag eingespielt.

Demonstrationszug durch die Innenstadt

Nach den Reden setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Mit Kerzen und Lichtern führte die Route durch Teile der Celler Innenstadt – auch entlang des Weihnachtsmarktes – bevor sich die Gruppe erneut am Ausgangspunkt sammelte.

Perspektiven aus der Beratungs- und Schutzarbeit

Eine weitere Rede kam von einer Vertreterin des Autonomen Frauenhauses Celle. Sie schilderte die Situation von Frauen, die Gewalt erleben und Schutz suchen. In ihrer Darstellung wurde auch strukturelle Gewalt thematisiert – insbesondere Verzögerungen in Behördenverfahren, fehlende Schutzplätze und rechtliche Hürden, etwa bei Aufenthaltsstatus oder Umgangsregelungen.

Zum Abschluss sprach Sabriye Savgat vom Dachverband des Êzîdischen Frauenrates e. V. Sie verband die lokale Demonstration mit internationaler Perspektive. Sie erinnerte an Frauenrechtsbewegungen im Irak, in Afghanistan, im Iran, in der Türkei und weiteren Ländern. Besonders hob sie die Rolle kurdischer Frauenorganisationen hervor. Die Rede mündete in einen traditionellen kurdischen Kreistanz, an dem sich einige Teilnehmende beteiligten.

Widerstand am Rand: Zwischen Applaus und Abwertung

Im Verlauf der Demonstration kam es – wie bereits in den vergangenen Jahren – zu Störungen durch Passanten. Mehrfach mischten sich vor allem jüngere Männer verbal ein, riefen abwertende Kommentare in Richtung der Teilnehmenden und versuchten Diskussionen zu provozieren. Einige Demonstrierende berichteten, dass sie während des Zuges als „Weiber“ bezeichnet oder belächelt worden seien. Die Störungen wurden von den Teilnehmenden ruhig, aber deutlich zurückgewiesen, blieben jedoch ein spürbarer Hinweis darauf, wie weit der Weg zu einem breiteren Bewusstsein für geschlechtsspezifische Gewalt weiterhin ist.

Ausblick

Zum Abschluss wiesen die Organisierenden auf eine weitere geplante Initiative hin:
Am 22. Februar 2026 soll im Stadtteil-Treff Neuenhäusen ein Treffen zum Aufbau einer „feministischen Nachbarschaft“ stattfinden. Eingeladen sind Frauen, Lesben, intersexuelle, nichtbinäre und trans Personen, die sich vernetzen und zukünftige gemeinsame Aktivitäten planen möchten.

Weitere Informationen sind online unter neuenhaeusen.noblogs.org sowie über die Instagram-Seite @sineuenhaeusen abrufbar.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de

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