Dienstag, 17. Februar 2026

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Albrecht Thaer im Celle der Gegenwart – „Hier und da ein Täfelchen“

Theodor Fontane schrieb über ihn in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, Johann Wolfgang von Goethe dichtete für ihn. Er hatte zwei große Wirkungsstätten, an der einen wurde er geboren, an der anderen ist er gestorben und bestattet. An beiden forschte er, widmete sich seiner Wissenschaft mit großer Kenntnis und Leidenschaft, und besonders in seinem Heimatort Celle den Menschen. Denn Albrecht Daniel Thaer war nicht nur Begründer der Agrarwissenschaft, sondern auch Arzt, und in dieser Funktion seinen Patienten sehr nahe.

Derzeit ist er in aller Munde, weil sein Denkmal aufbereitet wird und sich eine Diskussion um einen neuen Standort entsponnen hat. Im Jahr 1752 erblickte er in der Celler Altstadt das Licht der Welt, 1828 starb er in Möglin. Im Alter von 52 Jahren (1804) hatte er die Herzogstadt mit seiner Familie und einer Gruppe enger Mitarbeiter für immer verlassen, um seine in Celle begonnene Arbeit in wesentlich größerem Maßstab fortzusetzen im damaligen Preußen, am Rande des Oderbruchs, nahe der Stadt Wriezen im heutigen Landkreis Märkisch-Oderland, wo er ein landwirtschaftliches Anwesen kaufte und es zu einem Mustergut ausbaute. „So nützlich dieser Erwerb für Albrecht Daniel Thaer und für die akademische Lehre von der Landwirtschaft war, umso schmerzlicher muss man feststellen, dass Celle durch diesen Weggang einen seiner größten Söhne verloren hat“, heißt es in einem Bericht des Museumsvereins Celle über eine Exkursion nach Möglin im September 2018.

„Der Name Albrecht Thaer ist unzertrennlich von dem Namen Möglins geworden“, schreibt Fontane (1819-1898), „Möglin ist nur Thaer“. Dessen Schriften, etwa sein Standardwerk „Grundsätze der rationellen Landwirtschaft“, fanden international Beachtung, entsprechend ist auch Möglin weltweit bekannt.

BENANNT NACH THAER UND ERINNERUNGSORTE

Und wie ist es in seinem Geburtsort um die Erinnerung an den „Revolutionär der Landwirtschaft“, wie ihn der WDR in einem Beitrag aus dem Jahr 2023 bezeichnete, bestellt? Ausgesprochen wird der Name oft, wenn beispielsweise von einer nach ihm benannten Berufsbildenden Schule, einem zentralen Platz am Eingang zur Altstadt oder der „Thaer-Villa“ die Rede ist. Oder wenn es beim Kneipenbummel heißt: „Wollen wir noch ins Thaers?“ Auch Stadtführungen zum Thema sind im Angebot: „Vom Taugenichts zum Reformer der Landwirtschaft“ lautet der vielsagende Titel eines Rundgangs auf der Website der Gästeführer-Gilde Celle.

Als Stationen stehen zur Verfügung: das Geburtshaus in der Schuhstraße 26, das Gebäude in der Poststraße 7, in dem er seine Kindheit und Jugend verbrachte, sowie die Runde Straße 3, wo er ab 1780 zunächst mit seinen unverheirateten Schwestern und später nach der Eheschließung mit Philippine von Willich im Jahr 1786 mit ihr und den sechs Kindern lebte und als Arzt praktizierte (s. Fotos). Im dazugehörigen Garten im Hof züchtete er Blumen, widmete sich intensiv der Botanik, die ihn von Kindheit an fasziniert hatte. Reste der handbemalten aus Jute gefertigten Originaltapete, wie sie die Zimmer der Familie Thaer schmückten, befinden sich heute im Tapetenmuseum „Wandliebe“ von Marianne Stumpf (s. Foto). Gedenktafeln zieren die Häuser in der Altstadt, am Eingang zu „Thaers Garten“, den er im Jahr seiner Heirat erworben hatte und zu einem Mustergut entwickelte, befindet sich eine Infotafel (s. Fotos). Die heutige Thaer-Villa hatte er als Sommerhaus für seine Familie errichten lassen. Weder hier noch an den anderen genannten Stätten sind Räumlichkeiten dem Wirken des Wissenschaftlers vorbehalten. Alles andere als zentral gelegen und weitgehend ohne die modernen Mittel der heutigen Museumskultur präsentiert sich das „Thaer-Zimmer“ (s. Foto) im Bomann-Museum. Unter Federführung von Kathrin Panne organisierte das Museum 2002 anlässlich des 250. Geburtstages die Ausstellung „Albrecht Daniel Thaer – Der Mann gehört der Welt“ und gab eine Begleitpublikation heraus.

KULTURPREISTRÄGER ÜBER UMGANG MIT THAER

Erinnerungsstätten und Namensgebungen sind vorhanden, aber reichen sie aus, um einem der größten Söhne gerecht zu werden?

Die Kulturpreisträger der Stadt Celle und Gründer der Ernst-Schulze-Gesellschaft, Drs. Elke und Lothar Haas, haben sich jahrzehntelang mit historischen Celler Persönlichkeiten befasst, sich für den Erhalt geschichtsträchtiger Gebäude eingesetzt, Veranstaltungen organisiert, Jugendliche an Themen herangeführt und nicht zuletzt das Denkmal für den Literaten Ernst Schulze (1789-1817) im Rosenrondell des Französischen Gartens initiiert. Sie sind der Meinung: „Albrecht Thaer gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die aus Celle stammen. Ohne ihn gäbe es die moderne Landwirtschaft nicht. Er hat geforscht und praktiziert: Praktizierte Fruchtwechselwirtschaft und die Lehre von der Ökonomie in der Landwirtschaft sind sein Verdienst. Das müsste in Celle, seinem Geburtsort, viel stärker ins Bewusstsein gebracht werden! Das wäre ein großer Pluspunkt für Celle.“

Der unlängst mit dem Kulturpreis des Landkreises Celle ausgezeichnete Schriftsteller, Lyriker, Herausgeber und Rezitator Oskar Ansull ist ein Kenner seiner Heimatstadt und ihrer Umgebung. Allein für sein mehrbändiges Werk „Heimat, schöne Fremde“ hat er sich acht Jahre lang mit der Literatur und ihren Urhebern in Stadt und Landkreis beschäftigt, sämtliche Spuren zusammengetragen und festgehalten. Lange bevor sich die Albrecht-Thaer-Gesellschaft e.V. aus Hannover gemeinsam mit der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer e.V. aus Möglin im Sommer des vergangenen Jahres der Restaurierung des von Carl Ferdinand Hartzer entworfenen Denkmals angenommen und in diesem Zuge eine Standortdiskussion ausgelöst haben, hatte Oskar Ansull in einem „Albrecht von Teer ärgert sich schwarz!“ betitelten offenen Brief darauf hingewiesen, dass der Platz an einer viel befahrenen Kreuzung „eine Katastrophe“ sei. „Fotos von Mitte Mai 2024 und Oktober 2024 zeigen dies überdeutlich. Der ‚Vater der Landwirtschaft‘ inmitten von Abgasen auf dem ‚Teerplatz‘“, schreibt er. Als alternative Standorte sind beispielsweise der Schlosspark, die Triftanlagen, „Thaers Garten“ oder auch die Eingangshalle der Congress Union im Gespräch.

Mit seiner 2017 gestarteten Initiative, das Denkmal zu versetzen, zeigt Ansull, wie sehr ihm Albrecht Thaer am Herzen liegt. Der Kulturpreisträger schreibt auf CP-Anfrage: „Der Umgang mit bedeutenden Persönlichkeiten, die in dieser Stadt (im Umland) aufgewachsen sind und eine Zeitlang auch als erwachsene Bürger der Stadt tätig gewesen sind, etwa Albrecht Thaer, Ernst Schulze oder Karl Goedeke (um nur diese zu nennen), ist kurz und treffend mit ‚kein Umgang‘ zu beschreiben. Die Stadt, die darüber maßgeblich zu befinden hätte, seit mehr als 200 Jahren, tut sich damit schwer, umgeht zumeist identitätsbildende Würdigungen (obwohl überall von Identität gesprochen wird) und überlässt es – von wenigen Ausnahmen abgesehen – eher privaten Initiativen (wie das Ernst-Schulze-Denkmal im Französischen Garten) oder anderen außerstädtischen Einrichtungen. Über hier und da ein Täfelchen an einer der Hauswände (auch darin nachlässig) oder die eine oder andere Straßenbenennung geht die Wertschätzung – diesen Geistern gegenüber – im Kern nicht hinaus. Gewiss, es gibt Bücher und Büchlein und meterlange Publikationen des Museumsvereins und anderer. Was hilft es? Der Umgang mit dem Albrecht-Thaer-Denkmal spottet jeder Beschreibung und ist symptomatisch für das Verhältnis der Stadt zu einem Teil ihrer Geschichte…“

GOETHE UND FONTANE ÜBER THAER

Theodor Fontane schreibt in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ über die Zeit, als Thaer nach erfolgreichem Medizinstudium in Göttingen im Jahr 1774 nach Celle zurückkehrte: „Hier hatte er zunächst durch eine harte Schule zu gehen. Weder gefiel die Stadt ihm, noch er der Stadt. Ihm erschien alles klein, beschränkt, krähwinklig, er erschien allen eitel und eingebildet. […] Der Prophet galt nichts in der Heimat. Jahre vergingen in Unmut und Unbefriedigtheit, aber seine bedeutende ärztliche Begabung drang doch endlich siegreich durch, und vor Ablauf von fünf oder sechs Jahren sah er sich als der bedeutendste Arzt in Celle, hochgeehrt und von allen gesucht.“

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe erlebte seinen Zeitgenossen Albrecht Daniel Thaer an seiner zweiten Wirkungsstätte im heutigen Brandenburg. Er sagte anlässlich dessen 50. Doktorjubiläums am 14. Mai 1824 über den Arzt und Wissenschaftler: „Der Mann gehört zuerst Preußen, sodann aber auch der Welt an, sein Ruf und Ruhm sind gründlich.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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