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Kundgebung in Celle aus Solidarität mit Nord- und Ostsyrien

Am Montag, 19. Januar 2026, haben sich in der Celler Innenstadt rund 100 Menschen zu einer spontanen Kundgebung versammelt. Anlass war die angespannte Lage in Nord- und Ostsyrien sowie ein ursprünglich angekündigter Staatsbesuch des selbsternannten syrischen Übergangspräsidenten Abu Muhammad al-Dschaulani, auch bekannt als Ahmed al-Scharaa, in Deutschland. Der Besuch in Berlin wurde nach aktuellen Entwicklungen in Syrien kurzfristig verschoben und fand nicht statt. Ungeachtet dessen hielten die Organisatorinnen und Organisatoren in Celle an der Kundgebung fest.

Nach Angaben der Veranstalter richtete sich der Protest gegen die internationale politische Aufwertung al-Scharaas und gegen die militärischen Angriffe auf die selbstverwalteten Gebiete in Nord- und Ostsyrien. Dort stehen insbesondere kurdische Selbstverwaltungsstrukturen sowie andere ethnische und religiöse Minderheiten unter Druck. Die Kundgebung sollte ein Zeichen der Solidarität mit der Zivilbevölkerung setzen und auf die humanitären und politischen Folgen der aktuellen Entwicklungen aufmerksam machen.

In mehreren Redebeiträgen wurde al-Scharaa als Islamist bezeichnet, dessen Milizen, darunter die Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS), für Kriegsverbrechen, Entführungen und Massaker verantwortlich gemacht werden. Trotz eines zuletzt verkündeten Waffenstillstands, so die Kritik, seien dschihadistische Gruppen weiter vorgedrungen, hätten Gefangene des sogenannten „Islamischen Staates“ befreit und zahlreiche Menschen vertrieben. Nach Darstellung der Rednerinnen und Redner sei der Waffenstillstand inzwischen wieder aufgehoben worden.

Ein Vertreter der Initiative „Defend Kurdistan“ kritisierte die Rolle Deutschlands und weiterer NATO-Staaten. Al-Scharaa trete heute im Anzug als vermeintlich moderater Politiker auf, obwohl seine Vergangenheit bekannt sei. Dennoch werde er von Teilen der internationalen Staatengemeinschaft als Gesprächspartner akzeptiert. Dies geschehe, so der Vorwurf, auch vor dem Hintergrund migrationspolitischer Interessen, insbesondere im Zusammenhang mit Abschiebungen nach Syrien.

In einem weiteren Beitrag wurde der Umgang der internationalen Politik mit den kurdischen Selbstverteidigungskräften thematisiert. Diese seien im Kampf gegen den sogenannten IS als Bodentruppen unterstützt worden, würden nun aber mit einer ähnlichen Ideologie konfrontiert und weitgehend allein gelassen. Genannt wurden Berichte über Verschleppungen, Hinrichtungen und weitere Menschenrechtsverletzungen.

Besonders hervorgehoben wurde auf der Kundgebung die Rolle der demokratischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien im Bereich der Frauenrechte. Frauen seien dort in politischen und gesellschaftlichen Strukturen gleichberechtigt vertreten und verfügten über eigene Organisationen. Diese Errungenschaften stünden nun unter massivem Druck durch dschihadistische Kräfte.

Gemeinsam forderten die Teilnehmenden ein Ende der deutschen Unterstützung für das syrische Übergangsregime, die internationale Anerkennung eines sicheren Autonomiegebiets in Nord- und Ostsyrien sowie ein Ende der militärischen Einflussnahme durch die Türkei.

Auch außerhalb der Kundgebung gab es politische Reaktionen. Die Celler Linken-Politikerin Behiye Uca kritisierte den ursprünglich geplanten Empfang al-Scharaas in Berlin scharf. Eine nicht demokratisch legitimierte Führung, der Gewalt gegen Minderheiten vorgeworfen werde, dürfe nicht politisch aufgewertet werden. Uca verwies auf Berichte über Angriffe der syrischen Armee in Aleppo mit zahlreichen zivilen Opfern und sprach von einem Bruch des Völkerrechts. Die demokratischen Selbstverwaltungsstrukturen in Nordostsyrien müssten geschützt und anerkannt werden. Abschiebungen nach Syrien bezeichnete sie vor dem Hintergrund der aktuellen Lage als nicht vertretbar.

Auch der FDP-Ortsverband Celle äußerte sich kritisch. In einer Pressemitteilung erklärte der Vorsitzende Björn Espe, ein politischer Empfang von Ahmed al-Scharaa sei mit dem rechtsstaatlichen Selbstverständnis der Freien Demokraten nicht vereinbar. Die dokumentierte Gewalt- und Terrorbiografie al-Scharaas dürfe nicht relativiert werden. Besonders für viele kurdische Menschen in Celle sei der geplante Besuch emotional belastend gewesen. Dialog dürfe nicht mit politischer Legitimation verwechselt werden, so Espe weiter. Täter dürften nicht durch diplomatische Gesten aufgewertet werden.

Die Kundgebung in Celle verlief nach Angaben der Beteiligten friedlich. Sie machte zugleich deutlich, dass die Entwicklungen in Syrien auch auf kommunaler Ebene aufmerksam verfolgt werden und politische Entscheidungen auf Bundes- und internationaler Ebene unmittelbare Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl vieler Menschen vor Ort haben.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Fabienne Harms

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