Montag, 16. Februar 2026

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Altkleiderentsorgung in Celle unter Druck – Sammelsysteme vorerst stark eingeschränkt

Die Entsorgung von Altkleidern stellt Bürgerinnen und Bürger in Celle und im Landkreis derzeit vor spürbare Probleme. Öffentliche Altkleidercontainer sind aus dem Stadtbild verschwunden, Hilfsorganisationen verschärfen ihre Annahmeregeln, und eine kurzfristige Rückkehr zu flächendeckenden Sammelsystemen ist nicht in Sicht. Hintergrund ist eine Kombination aus strukturellen Veränderungen im Alttextilmarkt, wirtschaftlichen Insolvenzen großer Verwerter und ausgelaufenen Genehmigungen im öffentlichen Raum.

Nach Angaben der Stadt Celle stehen im gesamten Stadtgebiet aktuell keine gewerblichen Altkleidercontainer mehr auf öffentlichen Flächen. Die Sondernutzungserlaubnisse für entsprechende Container liefen zum 31. Dezember 2025 aus. Trotz Bemühungen der Verwaltung konnte bislang kein neuer gewerblicher Anbieter gefunden werden, der die Sammlung fortführen möchte. Das bisherige Unternehmen hat seine Container vollständig abgezogen.

Als alternative Entsorgungsmöglichkeit verweist die Stadt auf die Annahmestellen des Zweckverband Abfallwirtschaft Celle, unter anderem in der Braunschweiger Heerstraße 111. Dort können saubere und verwertbare Alttextilien kostenfrei abgegeben werden. Stark verschmutzte oder unbrauchbare Kleidung darf weiterhin über den Restmüll entsorgt werden.

Insolvenzen belasten Alttextilmarkt

Die Situation in Celle ist Teil einer bundesweiten Entwicklung. Bereits im Herbst 2024 meldete die SOEX-Gruppe, einer der größten Textilrecycler mit Sitz in Ahrensburg bei Hamburg, Insolvenz an. Im Sommer 2025 folgte der Recyclingkonzern Texaid. Beide Unternehmen waren zentrale Akteure in der Sortierung und Weiterverwertung von Alttextilien und arbeiteten mit Kommunen sowie Wohlfahrtsverbänden zusammen. Der Wegfall dieser Abnehmer führte dazu, dass bestehende Logistikketten zusammenbrachen und Container vielerorts nicht mehr geleert werden konnten.

Zweckverband prüft alternative Sammelmodelle

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Celle geht derzeit nicht von einem sprunghaften Anstieg der angelieferten Alttextilien an seinen Standorten aus. Nach eigener Einschätzung bewegen sich die Mengen bislang im moderaten Bereich. Akute Kapazitätsprobleme seien aktuell nicht erkennbar. Sollten es dennoch zu größeren Anlieferungsspitzen kommen, würden Übermengen zunächst zwischengelagert.

Unabhängig davon arbeitet die Verwaltung des Zweckverbandes im Auftrag der Verbandsversammlung an einem erweiterten Sammlungskonzept. Ziel ist es, mittelfristig zusätzliche Entsorgungsmöglichkeiten zu schaffen, falls sich der Wegfall der gewerblichen Container länger fortsetzt. Als mögliche Ansätze werden unter anderem Abholtermine auf Bestellung – vergleichbar mit der Sperrmüllabfuhr – sowie zeitlich begrenzte Sammelaktionen an festgelegten Standorten geprüft. Ob diese Modelle rechtlich zulässig und zugleich kostendeckend umsetzbar sind, soll nach Abschluss der Prüfung in einer der kommenden Sitzungen der Verbandsversammlung vorgestellt werden.

Hilfsorganisationen mit verschärften Regeln

Auch die Wohlfahrtsverbände sind von der Entwicklung betroffen. Beim Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Celle wurde die Annahme von Kleidung bereits deutlich eingeschränkt. Die früher vorhandenen Container auf dem Gelände der Kleiderkammer wurden schon im November 2024 geschlossen und inzwischen abgebaut.

Nach Angaben einer Sprecherin des DRK, werden seit Sommer 2025 alle Spenden vor Ort vorsortiert. Kleidung, die nicht für die Weitergabe geeignet ist, müssen Spenderinnen und Spender wieder mitnehmen. Eine Zusammenarbeit mit Recyclingfirmen für nicht tragfähige Textilien besteht nicht mehr. Die Entsorgung solcher Ware würde für das DRK erhebliche Kosten verursachen. Ein außergewöhnlicher Anstieg der Spendenmengen sei aktuell nicht zu beobachten, allerdings stelle man fest, dass insbesondere an Wochenenden vermehrt Säcke mit unbrauchbarer Kleidung außerhalb der Öffnungszeiten abgestellt würden. Diese müssten vom DRK auf eigene Kosten entsorgt werden.

Auch die Caritas weist auf die angespannte Lage hin. Marlies Petersen vom Caritas Point in Vorwerk und Eschede betont, dass ausschließlich saubere und gut erhaltene Kleidung angenommen werden könne. Das Abstellen von Altkleidersäcken vor den Einrichtungen sei keine Lösung, da auch Wohlfahrtsverbände für die Entsorgung unbrauchbarer Textilien selbst aufkommen müssten.

Ausblick bleibt offen

Auch aus der Kommunalpolitik wird die Entwicklung aufmerksam begleitet. Die Grünen in Celle haben sich nach eigenen Angaben bereits seit dem vergangenen Jahr mit dem Thema befasst. In einer Reaktion auf den jüngsten Bericht verwies Karin Abenhausen darauf, dass ihre Fraktion gemeinsam mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Celle an einer verbraucherfreundlichen Lösung arbeite. Angesichts der aktuell fehlenden Sammelstrukturen rät sie Bürgerinnen und Bürgern dazu, aussortierte Kleidung vorerst zu Hause zu sammeln und die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Gleichzeitig betont sie, dass eine kurzfristige Lösung komplex sei, da wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssten.

Langfristig könnte sich die Lage erst mit Inkrafttreten einer EU-Richtlinie ab dem Jahr 2028 entspannen. Dann sollen Alttextilsammler Ausgleichszahlungen aus einem gemeinsamen Fonds erhalten können, was die wirtschaftliche Grundlage der Sammlung verbessern könnte. Ob und wann dies zu neuen Sammelangeboten in Celle führt, ist derzeit jedoch nicht absehbar.

Bis dahin bleibt die Entsorgung von Altkleidern für viele Bürgerinnen und Bürger eine organisatorische Herausforderung – und erfordert vor allem sorgfältige Vorsortierung und Geduld.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse

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