Montag, 16. Februar 2026

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Sozialkaufhäusern „Kaufladen“ und „allerhand“ droht das Aus

Ein Donnerstagvormittag im Sozialkaufhaus „Kaufladen“ in der Blumlage – die Kunden kommen und gehen, geben sich die Klinke in die Hand, stöbern und kaufen. Ein vielfältiges Angebot erwartet – dicht gedrängt und gestapelt – den Besucher – „Karstadt“ im Miniformat. Natürlich hinkt der Vergleich, aber in der Tat ist es so, dass ein breites Sortiment an Waren, das von Geschirr über Spielzeug bis zu Taschen und Textilien reicht, die Menschen lockt wie einst in den Klassiker aller Kaufhaustempel „Karstadt“.

Die Produkte hier sind gebraucht, wurden gespendet, die Preise entsprechend niedrig. „Nachhaltigkeit liegt im Trend“, nennt Beate Hörnemann (auf dem Foto Zweite von links, neben ihr die ehrenamtliche Mitarbeiterin Rosemarie Bolduan, ganz links) einen Grund für die Umtriebigkeit im Verkaufsraum. Sie ist Projektleiterin und Mitbegründerin der drei Sozialkaufhäuser in Celle: das größte und älteste, „Neufundland“ in der Neustadt, „allerhand“ in Vorwerk und der „Kaufladen“ in der Blumlage, in Laufnähe zur Altstadt. Hörnemann koordiniert und managt die drei Geschäfte, die vom gemeinnützigen Verein „mit-Wirkung Stadt Celle e.V.“ getragen werden und deren Erlöse sozialen Projekten zugutekommen. „Insgesamt, also in den drei Läden, arbeiten bei uns 60 Ehrenamtliche“, erläutert Marianne Neuhaus-Kleineke, die Zweite Vorsitzende und Schriftführerin des Trägervereins (auf dem Foto rechts außen, neben ihr die ehrenamtliche Mitarbeiterin Waltraud Barz). Diese wollen gerne weiterarbeiten, was im „Neufundland“ auf absehbare Zeit kein Problem sein wird. Aber im „Kaufladen“ und im „allerhand“ sind die ehrenamtlichen Arbeitsplätze in Gefahr, weil sich sowohl Beate Hörnemann als auch Marianne Neuhaus-Kleineke, die neben ihren übergeordneten Funktionen den „Kaufladen“ und das „allerhand“ betreiben, altersbedingt zurückziehen möchten.

Sie suchen dringend Nachfolger, ihr Wunsch ist es, dass die Sozialkaufhäuser weiterbestehen. Der Bedarf ist da, größer denn je. Der Umsatz ist sogar so hoch, dass der für Sozialkaufhäuser vorgeschriebene Anteil von 66,6 Prozent für wirtschaftlich bedürftige Personen im „Kaufladen“ und im „allerhand“ nur schwer erreicht wird. „Im ‚Neufundland‘ ist das anders, dort ist die Klientel eine andere, aber hier kaufen auch sehr viele nicht bedürftige Menschen ein“, erklärt Marianne Neuhaus-Kleineke. „Uns ist es ja auch wichtig, dass alle einkaufen können“, ergänzt Beate Hörnemann, denn die Einrichtungen sollen der Idee nach lebendige Orte für die ganze Gesellschaft sein. Die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden durch beispielsweise einen Bescheid vom Jobcenter oder dem Landkreis, eine Kundenkarte wird ausgehändigt. „Wer im Besitz dieser Karte ist, erhält bei uns 30 Prozent Rabatt“, berichtet die Projektleiterin.

Werden die 66,6 Prozent nicht erreicht, verdoppelt sich die Umsatzsteuer und der Status der Gemeinnützigkeit kann entzogen werden. Doch dieser ist Voraussetzung für die Annahme von Spenden. Darin liegt ein Unterschied zu Second-Hand-Läden, wo die Ware in Kommission genommen wird. „Das Finanzamt hat uns bisher gut unterstützt und ist am Erhalt der Einrichtungen interessiert“, erläutert Marianne Neuhaus-Kleineke und ergänzt, dass eine andere Konzeption im Falle des Fortbestehens durchaus möglich wäre. Die Geschäfte „Kaufladen“ und „allerhand“ können komplett mit Inventar in andere Hände übergehen oder leergeräumt. Die beiden Frauen sind hier flexibel.

Sowohl Beate Hörnemann als auch Marianne Neuhaus-Kleineke gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Es ist eine sehr sinnvolle Arbeit. Manchmal ergeben sich sehr schöne Gespräche, wenn beispielsweise verschiedene Gegenstände oder Textilien aus dem Nachlass verstorbener Menschen abgegeben werden. Die Kinder freuen sich, dass die Dinge ganz im Sinne ihrer Eltern weiterverwendet werden“, erzählt das Vorstandsmitglied des Trägervereins. Auch dieser sei überaltert und müsse neu aufgestellt werden. Finden sich keine Nachfolger, entfällt auch die Ausschüttung der Erlöse an Mitmenschen in Not und soziale und kulturelle Projekte in der Stadt. Im vergangenen Jahr wurden 25.560 Euro generiert, die Stadtteilprojekten mit ehrenamtlichen Anteilen, sozialen Institutionen wie Frauenhäusern oder der Ambulanten Wohnungslosenhilfe zugutekamen. Auch Einzelpersonen wurden bedacht, so konnten sich beispielsweise 52 Kinder jeweils über ein Fahrrad freuen oder Menschen mit kleinem Geldbeutel über einen Zuschuss für eine benötigte Brille.

Es gibt also etliche Gründe, die für den Erhalt von Sozialkaufhäusern sprechen. Nicht zuletzt eröffnen sich für kreative Geister Chancen der Gestaltung. Wer Interesse hat, den „Kaufladen“ oder das „allerhand“ oder auch beide zu übernehmen, meldet sich telefonisch bei der Projektleitung unter 0172-91 85 034.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht

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