Montag, 16. Februar 2026

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Wo ist das halbe Haus geblieben?

Als Schmuckstück des Fachwerkensembles sollte es zurückkehren, doch nach fast fünf Jahren klafft in der Schuhstraße 18 immer noch eine Baulücke mit Zaun davor, keine Spur vom halben Haus, das hier einst stand.

Es war ein groß angelegter Pressetermin mit einem hohen Aufgebot an Funktionsträgern, darunter der Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, der damalige für Celle zuständige Denkmalpfleger aus Lüneburg und Stadtbaurätin Elena Kuhls, als die Verwaltung im Mai 2021 in die Altstadt einlud, um die Öffentlichkeit an den Maßnahmen zum Erhalt eines Baudenkmals, was dem Oberbürgermeister nach eigener Aussage generell am Herzen liegt, teilhaben zu lassen. (s. https://celler-presse.de/2021/05/26/spektakulaere-rettung-des-halben-hauses-schuhstrasse-18/

Das halbe Haus aus dem 16./17. Jahrhundert gehörte als Nebengebäude zum benachbarten Sitz des Stadtkommandanten. Es stach aus dem Ensemble der Fachwerkhäuser stets heraus (s. Archivfoto), denn im Laufe der Jahrhunderte war ihm seine zweite Hälfte abhandengekommen, sie hatte einer Durchfahrt weichen müssen. Das Objekt befindet sich in privatem Besitz, der Eigentümer war beim seinerzeitigen Ortstermin nicht anwesend. Es handelt sich dementsprechend um eine private Modernisierungsmaßnahme, die jedoch aus Städtebaufördermitteln des Bundes, des Landes Niedersachsen sowie der Stadt Celle unterstützt wird. Als Architekt fungierte damals Andreas Brüggemann. Die Zimmerei Thomas Klein hatte den Abbau zwecks Aufbereitung und Restaurierung in seiner Werkshalle übernommen. Bereits im Jahr 2019 war bekannt geworden, dass das Haus nicht mehr sicher ist. „Festgestellt wurden erhebliche statische Probleme. Die Standsicherheit des historischen Gebäudes ist massiv gefährdet“, hieß es von Seiten der Statiker. Eine Modernisierungs-Voruntersuchung und eine dreidimensionale Vermessung folgten und nahmen ein Jahr in Anspruch. Alle Einzelteile wurden bis ins Detail katalogisiert, bevor es im Mai 2021 an den zweimonatigen Abbau ging durch Zimmermeister Thomas Klein mit seinen Gesellen.

Alles in allem war der betriebene Aufwand also in jeder Hinsicht groß, umso mehr verwundert die Baulücke nach annähernd fünf Jahren. „Ich begleite das Projekt nicht mehr“, sagt Architekt Andreas Brüggemann auf telefonische Nachfrage. Der Versuch, den Handwerksbetrieb Thomas Klein zu erreichen, scheitert schon in Folge der Adressrecherche im Internet: „Dauerhaft geschlossen“, ist dort zu lesen, an anderer Stelle heißt es „vorübergehend geschlossen“, die angegebenen Telefonnummern laufen ins Leere.

Im August 2024 hatte Stadtbaurätin Elena Kuhls öffentlich die im Jahr 2019 gestartete Instandhaltungs-Initiative für die Altstadt ins Gedächtnis gerufen, für die ihr Vorgänger im Amt Ulrich Kinder verantwortlich gewesen sein muss. Man sei in Teams unterwegs gewesen, habe etwaige Missstände erfasst und die Eigentümer damit konfrontiert. Ein Teil der Angesprochenen sei einsichtig gewesen, andere hätten gegen die Anforderungen der Stadt geklagt, wird die Denkmalpflegerin Tanja Gebhardt im Mai 2024 zitiert. Zum damaligen Zeitpunkt waren noch mehr als 50 Verfahren anhängig.

Ob der Eigentümer der Schuhstraße 18 zu den Klägern gehört, ist nicht bekannt. Auf die Frage von CP, was denn die Sanierung verzögere und wie der aktuelle Stand sowie die Prognose aus denkmalpflegerischer Sicht sei, teilt das Neue Rathaus mit: „Das Haus ist aktuell abgebaut und wartet auf den Wiederaufbau. Letzteres wird als Ziel weiterverfolgt. Welche Gründe beim Eigentümer genau vorliegen, ist uns nicht bekannt.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht, Archivfotos: CP

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