Montag, 16. Februar 2026

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Gelungene Digitalstrategie an einem Ort, der Geschichte atmet

„Ach nein, können wir nicht woanders hingehen, das ist doch langweilig“, lautete oft die Reaktion, wenn es von Seiten der Lehrer hieß: „Wir gehen ins Museum!“ Dialoge dieser Art liegen Jahrzehnte zurück, gehören längst der Vergangenheit an. Viele Einrichtungen haben sich den Bedürfnissen der Besucher, auch der Kinder und Jugendlichen, angepasst.

Ein Beispiel, wie heutzutage ein Klassen-Ausflug in eine ebenso geschichtsträchtige wie moderne Schau aussehen kann, was digital im musealen Kontext alles möglich ist, ist seit Freitag in Celle zu erleben, und zwar im Residenzmuseum, ganz oben, fast unter dem Dach des Schlosses. Dort befindet sich seit dem Jahr 2021 eine Dauerausstellung mit dem Titel: „Herrschaft und Landschaft – Macht und Teilhabe“. Sie verbindet regionale Historie mit der Entwicklung demokratischer Strukturen.

Diese stehen in diesen Tagen weltweit auf dem Spiel, Demokratiebildung ist wichtiger denn je. „Wir sind absolut an einem aktuellen Punkt, nicht abstrakt in einem luftleeren Raum, sondern mit einem Ausschnitt der niedersächsischen Geschichte“, sagte die Leiterin des Residenzmuseums Juliane Schmieglitz-Otten anlässlich der Präsentation der digitalen Aufbereitung der Inhalte. Eine entsprechende Strategie zu entwickeln war aufwendig, bedurfte finanzieller Mittel, die Förderer beisteuerten, Kreativität, Können, Zeit und Mitarbeiter. Und so fanden sich alle Beteiligten zur Präsentation des Ergebnisses im Forum der Ausstellungsräumlichkeiten am Freitag ein. Die Stadt Celle wurde repräsentiert durch den Stadtrat und Dezernenten für Bildung und Soziales, Sebastian Stottmeier. Stephan Daberkow hielt in seiner Eigenschaft als Direktor der Celler Museen die Begrüßungsansprache, bevor die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Michelle Bappert die „Digitalstrategie für zeitgemäßes Lernen und Erleben“ vorstellte.

Das Konzept ist bereits erprobt, häufig waren Schulklassen zu Gast. Diese bewegen sich mit dem Smartphone durch die Schau und nutzen eine App, die sich in zwei Teile gliedert: ein Audioguide, der einen Überblick über alle Stationen und Inhalte bietet, sowie sechs Thementouren unter den Überschriften Recht, Wissen, Finanzen, Medien, Kritik und Identität. Begrüßt werden die Nutzer von Roboter SARA (s. Gruppenfoto in der Mitte auf dem Bildschirm). SARA ist das putzige Gesicht der interaktiven Elemente, sie stellt Aufgaben, fragt Antworten ab. „Es gibt immer wieder Querverbindungen zu den Schaukästen und Stationen, also einen Wechsel mit dem Analogen“, erläutert Michelle Bappert. „Schau Dir das mal an oder Lies Dir das mal durch!“, fordert SARA ihre Gesprächspartner auf. Die Illustrationen und Sprechtexte wurden mithilfe von KI generiert. Auch ein Remote Access steht zur Verfügung, auf die digitalen Inhalte kann von überall zugegriffen werden. Lehrkräfte, die sich auf einen Besuch mit ihrer Klasse vorbereiten möchten, bedienen sich einer Landing Page, auf die sie auch vom heimischen Sofa aus ansteuern können.

„Wir haben die Perspektive der Jugendlichen in den Mittelpunkt gestellt, Schüler stehen im Fokus, sekundär wenden wir uns an die Lehrkräfte. Sie sollen sich mit wenig Aufwand vorbereiten können. Sie sollen entlastet werden. Wir wissen um das Problem, dass viele Pädagogen an der Belastungsgrenze arbeiten“, referierte Rainer Brakebusch vom Institut für systematische Innovation, der die externe Projektleitung innehatte. „Wir möchten faktenbasiertes Wissen vermitteln und auf der unthematischen Ebene Schüler im Erleben abholen“, berichtete Brakebusch. Die Wirkung solle darin bestehen, demokratische Verhaltensweisen zu erlernen, die Dialogfähigkeit zu steigern sowie die Resilienz und die Selbstwirksamkeit zu stärken.

Zum Ende der Veranstaltung wurde Juliane Schmieglitz-Otten noch einmal sehr „analog“, indem sie die Gäste darauf hinwies, dass man sich an einem Ort befinde, der Geschichte atme und bedeutend sei. „Es handelt sich hier um das älteste erhaltene Welfenschloss in Niedersachsen.“ Wichtig ist ihr, dass heutzutage an einem solchen Ort, dem häufig doch etwas Elitäres anhafte, über Herrschaft diskutiert werde. Dieses sei der Grundgedanke für das Konzept zur Dauerausstellung, mit deren Titel nicht jeder etwas anfangen kann. Denn der Begriff Landschaft wird hier in einem völlig anderen Kontext als üblich gebraucht.

Unter den Gästen befand sich mit Alexander v. Schwartz eine Person, die den Rückgriff auf die Historie verkörperte. Er ist der präsidierende Rat der „Landschaft“, heute eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die auch das Residenzmuseum mitträgt. Landschaftsverbände hatten sich seit dem Mittelalter formiert aus den damaligen drei Ständen, dem Klerus, Adel und den Städten, um ein Gegengewicht zur Macht der Herzöge, Fürsten und Grafen zu bilden. Sie hielten regelmäßig Landtage ab und vertraten gegenüber dem Landesherrn die Belange der Bevölkerung. Von dieser Institution leitet sich der Titel der Dauerausstellung ab. Lediglich in Niedersachsen hat sich die Tradition der „Landschaften“ erhalten, die sich heute um die Förderung von Kultur kümmern.

An die Reden und Präsentationen schloss sich der Praxistest an, jeder konnte ausprobieren. Die Anwesenden zeigten sich begeistert. Das Fazit des Stadtrates Sebastian Stottmeier lautete: „Ich finde das eine super Bereicherung für die Schulen, das Thema Demokratie ist von größter Wichtigkeit. Wir freuen uns sehr, dass ein so exklusiver außerschulischer Lernort in Celle entstanden ist.“

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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