Samstag, 7. März 2026

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Rathsmühle Celle – Ein architektonisches Highlight entsteht

Die Zukunft der Rathsmühle ist seit Jahren Gegenstand intensiver Diskussionen in Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft. Mit der nun konkret anlaufenden denkmalgerechten Sanierung rückt ein Projekt in greifbare Nähe, das lange als Symbol für Stillstand galt und nun zum Impulsgeber für die Stadtentwicklung werden soll. Unter Federführung der Stadtwerke Celle und in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung, dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege sowie Fachgutachtern beginnt die Transformation eines industriehistorischen Monuments in eine neue städtebauliche Marke.

Der Rathsmühle wieder neues Lebens einhauchen, ist das seit langem erklärte Ziel von Oberbürgermeister Jörg Nigge. Viel zu lange habe das Projekt vor seiner Amtszeit brachgelegen. Von daher heißt es nun: Was lange erwartet wurde, soll jetzt Formen annehmen. So werden nun auch die Cellerinnen und Celler eine Antwort auf die Frage erhalten: „Welche Zukunft hat die Rathsmühle?“  „Und wer weiß heute noch, wie besonders das Gebäude in früheren Zeiten war?“ fragte der OB bei der Präsentation der Pläne. „Wir wollen es in  Teilen wieder so herrichten, wie es einst war. Dazu gehören unter anderem zwei Eckbekrönungen.“ So ist der OB geradezu begeistert, dass er ein Versprechen, das er schon bei seinem Amtsantritt 2017 formuliert hat, verwirklichen kann. Dabei sieht er in der Entwicklung enormes Potenzial: „ Die Überprüfung zukünftiger Nutzungsformen hat ergeben, dass ein Füllhorn an Möglichkeiten besteht, begonnen bei Büros über Wohnen, ein Hotel oder museale Nutzung.“

Historischer Hintergrund – Von der städtischen Mühle zum Industrieensemble

Die Geschichte der Rathsmühle reicht bis ins Jahr 1378 zurück, als erstmals eine Mühle an dieser Stelle an der Aller urkundlich erwähnt wurde. Bereits 1389 gingen die Rechte an die Stadt über – seitdem etablierte sich der Name „Rathsmühle“. Über Jahrhunderte wurde die Anlage erweitert, erneuert und an technische Entwicklungen angepasst. Neubauten sind unter anderem für die Jahre 1547, 1592 und 1736 dokumentiert, bevor 1834 ein vollständiger Neubau erfolgte.

Das heutige, prägende Mühlengebäude entstand 1898/99 als industrieller Backsteinbau seiner Zeit. 1910 wurde ein großes Getreidesilo auf dem gegenüberliegenden Allerufer errichtet. Ein verheerender Brand in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 1945 zerstörte große Teile der Anlage; der Wiederaufbau erfolgte in vereinfachter Form als fünfgeschossiger Bau mit veränderter Dachkonstruktion.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Rathsmühle zu einer industriellen Großmühle. 1928 übernahm der Kampffmeyer-Konzern den Betrieb, 1966 folgte die Übernahme durch den schwedischen Knäckebrothersteller Wasa zur Eigenmehlproduktion. Bis 2009 wurde hier für die Produktion gemahlen, ehe der Standort aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben wurde. Damit begann eine Phase des Leerstands, in der zwar die Wasserkraftanlage weiterbetrieben, jedoch kein tragfähiges Nutzungskonzept für das Gebäude selbst gefunden wurde.

Eigentumswechsel und technische Sicherung

Nach der Stilllegung erwarb die Stadt Celle 2009 das Gebäude einschließlich Turbinen und Wasserrechten. In den Jahren 2012/13 wurde die Wasserkrafttechnik modernisiert und eine Fischaufstiegshilfe zur ökologischen Durchgängigkeit der Aller errichtet. Dennoch blieb das Bauwerk selbst weitgehend ungenutzt – nicht zuletzt aufgrund erheblicher baulicher Defizite, ungelöster Lärm- und Vibrationsprobleme der Turbinen sowie fehlender wirtschaftlicher Perspektiven.

Erst mit der Übernahme durch die Stadtwerke Celle GmbH im Jahr 2022 entstand eine neue Konstellation: Die Verbindung aus Energieerzeugung und Immobilienentwicklung eröffnete erstmals eine realistische Refinanzierungsstrategie. Die Stadtwerke verstehen das Projekt ausdrücklich als stadtentwicklerische Verantwortung.

Bauzustand und denkmalpflegerische Erkenntnisse

„Der Zustand ist sehr schlecht“, stellte die Architektin Juliane Simon von der Simon & Simon Planungsgemeinschaft zu Beginn ihrer Ausführungen fest. Grundlage der aktuellen Planungen sind umfassende Fassaden-, Schadstoff- und Statikgutachten. Sie zeichnen ein klares Bild: Der bauliche Zustand ist kritisch, aber sanierbar. Besonders problematisch zeigte sich die Fassade mit mehreren übereinanderliegenden, diffusionsdichten Beschichtungen, die Feuchteschäden und Substanzverluste verursacht haben. Der schadhafte Putz muss vollständig entfernt werden.

Dabei trat eine entscheidende Erkenntnis zutage: Unter den späteren Überformungen ist das originale Ziegelmauerwerk von 1898 nahezu vollständig erhalten. Diese historische Substanz soll künftig wieder sichtbar werden und das Erscheinungsbild prägen. Auch das Dach steht im Fokus. Die ursprüngliche Dachform ging beim Wiederaufbau nach 1945 verloren. Geplant ist ein zeitgemäßer Glasaufbau, unter dem die historische Dachsilhouette nachvollziehbar bleibt und gleichzeitig eine wirtschaftliche Nutzung der oberen Geschosse ermöglicht. Zwei rekonstruierte Eckbekrönungen sollen zusätzlich an die ursprüngliche Gestalt erinnern und dem Gebäude seine einstige architektonische Präsenz zurückgeben.

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege begrüßt ausdrücklich diesen Ansatz, da die bauhistorische Aufarbeitung eine fundierte Grundlage bietet, denkmalbestimmende Elemente zu sichern und gleichzeitig eine zukunftsfähige Nutzung zu ermöglichen.

Innenraum, Technik und konstruktive Sicherung

Im Inneren ist die ursprüngliche Mühlentechnik aus der Zeit vor 1945 nicht mehr vorhanden. Die Geschosse wurden über Jahrzehnte funktional überformt. Dennoch sollen vorhandene Spuren – etwa Mehlrutschen, technische Durchbrüche oder konstruktive Besonderheiten – dokumentiert und soweit möglich sichtbar gemacht werden.

Eine zentrale Voraussetzung für jede Nachnutzung war die Reduzierung von Lärm- und Vibrationsbelastungen durch die weiterhin betriebene Wasserkraftanlage. Durch neu eingebaute Dämpfungssysteme konnten diese technischen Hindernisse erheblich reduziert werden, sodass künftig nutzbare Flächen entstehen können.

Das Dachgeschoss wurde bereits statisch gesichert, um weiteren Substanzverlust zu verhindern. Die Fassadensanierung bildet nun den ersten großen Bauabschnitt; Innenausbau und weitere Maßnahmen folgen.

Stadtwerke nehmen sich der Aufgabe an

Die Stadtwerke Celle übernehmen als Eigentümerin die Sanierung und Entwicklung des Gebäudes. Geschäftsführer Thomas Edathy: „Wir nehmen uns der Aufgabe und damit auch der eingangs genannten Herausforderung an und werden – vorbehaltlich der Freigabe durch die Gremien – ein optisches und energetisches Highlight für Celle enwickeln.“

Nutzungsperspektiven und wirtschaftlicher Rahmen

Die Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen ein „Füllhorn an Möglichkeiten“. Diskutiert werden Büro- und Co-Working-Flächen, Wohnen, Hotelnutzung, Gastronomie oder museale Konzepte – ebenso eine Mischnutzung. Klar ist: Eine wirtschaftlich tragfähige Nutzung ist Voraussetzung für die dauerhafte Sicherung des Denkmals.

Die Sanierungskosten werden derzeit auf rund fünf Millionen Euro geschätzt, zuzüglich bereits erfolgter Investitionen. Der Zeitplan sieht den Beginn der Fassadensanierung 2026 vor, den anschließenden Innenausbau erfolgt danach und eine mögliche erste Nutzung möglicherweise ab 2028 – abhängig vom Baufortschritt und der finalen Nutzungsentscheidung.

Städtebauliche Bedeutung

Mit der behutsamen Restaurierung entsteht weit mehr als ein saniertes Gebäude. Die Rathsmühle markiert einen identitätsstiftenden Ort an der Aller und bildet einen wichtigen Baustein im Entwicklungsgebiet der Allerinsel. Die Verbindung aus historischer Backsteinarchitektur, moderner Glasarchitektur und nachhaltiger Energieerzeugung verleiht dem Ensemble eine neue städtebauliche Qualität.

Was über Jahre als Problemfall galt, entwickelt sich nun zu einem Projekt mit Signalwirkung: ein Denkmal mit Strahlkraft, das Geschichte sichtbar macht und zugleich Raum für neue Arbeits-, Wohn- und Nutzungskonzepte schafft. Die Rathsmühle steht damit exemplarisch für einen verantwortungsvollen Umgang mit industriellem Erbe – und für die Chance, aus historischer Substanz ein architektonisches Highlight für die Zukunft der Stadt Celle entstehen zu lassen.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de

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