Mittwoch, 13. Mai 2026

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„Wir verneigen uns vor den Opfern“ – Eindrucksvolles Gedenken an das Massaker des 8. April 1945

Die Beteiligten an der Jagd auf Menschen, die ihre Chance auf Freiheit beim Schopf packten, nannten ihre Taten vom 8. bis 10. April 1945 zynisch „Hasenjagd“. Allein dieser Begriff, der viele Jahrzehnte über verwendet wurde für das Geschehen in Celle während der letzten Kriegstage, bringt die Abwertung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, die kennzeichnend war für das Regime der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945, zum Ausdruck.

Ein Mahnmal in den Triftanlagen erinnert an das „Massaker des 8. April 1945“. Am gestrigen Abend wurde es zum Schauplatz eines sehr würdigen Gedenkens mit auffallend vielen Teilnehmern, darunter Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, Landrat Axel Flader sowie Vertreter der Stadtgesellschaft, der Kommunalpolitik, der Vereine, Verbände und Kirchen. Für die musikalische Untermalung sorgte der Bläserkreis der Neustädter Kirchengemeinde. „So groß war die Beteiligung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten noch nie“, sagte der Ortsbürgermeister von Neuenhäusen Dr. Jörg Rodenwaldt, der ebenso anwesend war wie die Ortsbürgermeisterin von Neustadt-Heese Antoinette Kämpfert, im Nachgang zur Veranstaltung.

Diese erinnert an das „Massaker von Celle“, das sich im Anschluss an einen Bombenangriff auf Celle ereignete. Die abgeworfene Fracht traf auch einen mit mehreren Tausend KZ-Häftlingen beladenen Zug, der sich auf dem Weg nach Bergen-Belsen befand, und am Nachmittag des 8. April 1945 auf dem Güterbahnhof Celle Halt machte. Eine hohe Zahl an KZ-Häftlingen fiel dem Bombardement zum Opfer, wer unversehrt blieb, floh ins nahegelegene Waldgebiet Neustädter Holz oder ins Stadtgebiet. Obwohl das Kriegsende sich längst abzeichnete, wurden die Flüchtenden verfolgt, neben den Offiziellen wie Wehrmacht und SS beteiligten sich auch Zivilisten und Angehörige des Volkssturms und der Hitlerjugend. Mehr als 1000 wurden wieder festgesetzt, mindestens 170 Menschen starben in Folge von Gewalt.

Der Frage, wieso Erinnern an solche Ereignisse überhaupt noch stattfindet, es nicht Zeit sei, über diese düsteren Kapitel den Mantel des Schweigens zu legen, ging ein Team der Oberschule Welfenallee nach. Eindrucksvoll thematisierten die Schüler und Schülerinnen die Bedeutung der Erinnerungskultur in Dialogform. „Was soll das Erinnern?“, fragten sie rhetorisch und gaben Antworten wie: „Gedenken gibt ihnen ihre Würde zurück“, „Es geht um Respekt für die Opfer“. Viele hätten damals geschwiegen, „Mut ist schwieriger als Schweigen“, riefen die Teenager den Anwesenden zu und schlugen auch damit den Bogen zur Gegenwart: „Wir haben verstanden, wir handeln heute anders.“

Die Leiterin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten Dr. Elke Gryglewski beleuchtete in ihrer Rede einen Aspekt, der Lehren für unseren heutigen Alltag bereithält. „Der Krieg war verloren, das wusste die Bevölkerung. Was motivierte also die Hitlerjugend und die Zivilisten, sich zu beteiligen?“, stellte Gryglewski in den Raum. Die von den Nationalsozialisten verwendete Sprache untermauerte die Politik, einzelne Bevölkerungsgruppen herabzustufen, Sprache sollte Bewusstsein schaffen. Sie zitierte den damaligen Propagandaminister Joseph Goebbels: „Das Volk soll anfangen, einheitlich zu denken und zu reagieren.“ Von 1933 an wurde den Deutschen auf unterschiedliche Weise nahegebracht, dass es Gruppen von Menschen gebe, die vermeintlich weniger wert seien als sie. „Diese Haltung war noch wirkmächtig“, resümierte Frau Gryglewski, „auch in der Endphase des Krieges“.

Zahlreiche weitere Ansprachen folgten, so auch von der Vorsitzenden des Ezidischen Kulturzentrums Celle Rojbin Duran (s. Foto), bevor unter der Überschrift: „Wir verneigen uns vor den Opfern“ Kränze im Rahmen eines sehr gehaltvollen und vom Orga-Team rund um Gerhard Skradde gut gestalteten Gedenkens niedergelegt wurden.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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