Freitag, 12. Juni 2026

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Todesmarsch von Kleinbodungen über Groß Hehlen und Hustedt nach Bergen Belsen – Gedenkveranstaltung am Mahnmal auf dem Gelände der HVHS-Hustedt

Kaum ein Mensch, der das Naziregime mit all seinen Gräueltaten nicht miterlebt hat, kann sich heute noch vorstellen, was in den Letzten Kriegstagen, kurz vor der Befreiung des KZ Bergen Belsen durch die Briten, zwischen Groß Hehlen und der Hustedt Jägerei geschah. In den letzten Kriegswochen, kurz vor Kriegsende, führten sogenannte Todesmärsche durch ganz Norddeutschland – einer führte von Kleinbodungen im Landkreis Nordhausen über Groß Hehlen und Hustedt nach Bergen Belsen. Es war ein Todesmarsch von knapp 200 km mit über 600 Häftlingen. Die Häftlinge wurden von der Bevölkerung beschimpft, bespuckt und von Kindern mit Steinen beworfen. Einige der Häftlinge fielen vor Erschöpfung und Hunger um, wer aus der Reihe trat wurde erschossen.

So geschah es auch in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Bildungszentrums in Hustedt. In der Nacht vom 10. Auf den 11.April 1945 direkt vor unserer Haustür zwischen Groß Hehlen und Hustedt, wurden mindestens 8 der Häftlinge auf dem Weg zum KZ Bergen Belsen erschossen. Mehr als 100 dieser Todesmärsche und Transporte mit mehr als 85.000 Männern, Frauen und Kinder, wurden in das Konzentrationslager Bergen Belsen gebracht, das führte zu einer völligen Überfüllung des Lagers. Die Bilder der Befreiung am 15.April 1945, welche die dramatischen Folgen der Überfüllung – Hunger, Krankheit und Tod – zeigen, sind vielen von uns bekannt.

Wie viele dieser Häftlinge auf den Transporten und Todesmärschen wirklich überlebten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aber nicht nur die uniformierten Nazis waren die Täter. Es waren auch die sozial engagierten Nachbarn, die Familienväter, die Intellektuellen, die „ganz normalen“ Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die zu Massenmördern wurden.

Anlässlich des Jahrestages fand die Gedenkveranstaltung am Abend des 10. April 2026 am Mahnmal auf dem Gelände der HVHS in Hustedt statt. Der Ortsbürgermeister von Groß Hehlen, Scheuen und Hustedt Patrick Brammer, die Leiterin des Bildungszentrums in Hustedt Gesa Lonnemann und die aus Brandenburg angereiste Historikerin und Leiterin der Brandenburgischen Gedenkstätte „Todesmarsch im Belower Wald“ Friedericke Gehrmann und einige Gäste gedachten der Opfer dieses Todesmarsches und ihrer Mithäftlinge mit bewegenden Reden.

Die Gedenkstätte wurde 2015 mit finanzieller Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung und der RWLE Möller Stiftung Celle errichtet. Das Mahnmal besteht aus acht Stelen und einer Gedenktafel und ist den ermordeten Häftlingen und ihren Mitgefangenen gewidmet. Es soll die Erinnerung an dieses Verbrechen wachhalten, um sich damit auseinanderzusetzen und daraus zu lernen.

In den nächsten Wochen wird eine Neuauflage der Broschüre mit Informationen rund um das Denkmal erscheinen, die vom Bildungszentrum Hustedt auf Anfrage auch gerne verschickt wird.

Editha Urich
Redaktion Celler Presse
Fotos: Editha Urich

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