Mittwoch, 17. Juni 2026

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Unsere Heimat im Nationalsozialismus: Bewegende Veranstaltung mahnt zur Verantwortung

Ein Abend, der nachwirkt: Mit der Veranstaltung „Unsere Heimat zu Zeiten des Nationalsozialismus“ wurde am 15. April im Hagensaal in Nienhagen eindrucksvoll vor Augen geführt, wie nah Geschichte tatsächlich ist. Rund um lokale Schicksale und historische Spuren machte der Abend deutlich: Die Verbrechen des Nationalsozialismus sind kein fernes Kapitel – sie fanden direkt vor unserer Haustür statt.

Der Heimatforscher und Ortschronist Matthias Blazek gestaltete den Abend mit großer Sachkenntnis und erzählerischer Tiefe. Statt abstrakter Zahlen vermittelte er bewegende Einblicke in individuelle Lebensgeschichten und machte zugleich die Herausforderungen historischer Aufarbeitung sichtbar. Viele Dokumente seien gezielt vernichtet worden, berichtete Blazek – dass heute dennoch Namen und Schicksale rekonstruiert werden können, sei oft dem mutigen Handeln Einzelner zu verdanken.

Ein thematischer Schwerpunkt lag auf den sogenannten „Comedian Harmonists“, einem der bekanntesten Musikensembles der 1930er Jahre, deren Mitglieder aufgrund antisemitischer Verfolgung zur Flucht gezwungen wurden. Ihr Schicksal steht exemplarisch für den Verlust kultureller Vielfalt und menschlicher Würde in jener Zeit.

Besonders eindringlich waren auch die geschilderten Einzelschicksale: etwa das von Alice Lesser, die das Konzentrationslager Ravensbrück überlebte und selbst nach ihrer Flucht zurückkehrte, um anderen zu helfen. Oder das von Julius Wexseler aus Celle, dessen Name nach seiner Deportation aus offiziellen Aufzeichnungen getilgt wurde – ein Beispiel für das systematische Auslöschen von Erinnerung. Ebenso wurde das Schicksal der Familie Seligmann aus Adelheidsdorf beleuchtet, deren Lebenswege durch Verfolgung und Entrechtung zerstört wurden.

Alle diese Geschichten eint eines: Sie wären heute kaum noch bekannt, gäbe es nicht Menschen wie Matthias Blazek, die den Opfern des NS-Regimes ihre Namen, ihre Geschichteund ihre Würde zurückgeben

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Ensemble „Hevenu Shalom“ mit Ivan Neykof (Violine), Nemanja Lukić (Bajan) und Idan Levi (Flöte). Die Darbietungen verliehen den erzählten Geschichten zusätzliche emotionale Tiefe und schufen einen eindrucksvollen Rahmen für das Erinnern.

Zum Abschluss unterstrich der Co-Vorsitzende des Ortsverbandes, Jan Tasarek, die Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur. Mit Verweis auf den Philosophen George Santayana mahnte er: „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen sei es unerlässlich, wachsam zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen.

Die zentrale Botschaft des Abends war klar: Erinnerung ist kein Selbstzweck, sondern eine Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft. Nur durch aktives Gedenken und kritische Auseinandersetzung kann verhindert werden, dass sich Geschichte wiederholt.

PR/Redaktion
Celler Presse

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