Dienstag, 16. Juni 2026

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28 Jahre nach dem ICE-Unglück: Eschede erinnert gemeinsam

28 Jahre nach dem ICE-Unglück von Eschede haben Angehörige, Überlebende, Helfer und Vertreter der Deutschen Bahn am Mahnmal im Kirschgarten der 101 Todesopfer gedacht. Erstmals nahm mit Evelyn Palla auch die neue DB-Vorständin an der Gedenkveranstaltung teil. Ihre Anwesenheit wurde von vielen Beteiligten als Zeichen der Verbundenheit und des fortgesetzten Dialogs zwischen Bahn und Hinterbliebenen gewertet. Unter den Gästen befanden sich zudem der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Dr. Richard Lutz, Eschedes Bürgermeister Heinrich Lange sowie zahlreiche Angehörige und Wegbegleiter der vergangenen Jahrzehnte.

Unter den Teilnehmern waren Angehörige der Opfer, Mitglieder der Selbsthilfe Eschede, Vertreter der Deutschen Bahn, kommunale Repräsentanten sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Die Gedenkstätte mit den Namen der Verstorbenen bildete erneut den Mittelpunkt der Erinnerungsfeier.

Erinnerung an einen Tag, der bis heute nachwirkt

Heinrich Löwen, Sprecher der Selbsthilfe Eschede, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass die Ereignisse des 3. Juni 1998 bis heute Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen haben.

„Zu dieser Stunde war die Welt noch eine andere“, sagte Löwen mit Blick auf die Sekunden, in denen 101 Menschen ihr Leben verloren und Familien auseinandergerissen wurden. Viele Angehörige, Überlebende, Helfer und Anwohner trügen die Erinnerungen bis heute mit sich. Das Chaos und die Trümmer am Unglücksort seien für viele unvergessen.

Besonders bewegend sei für ihn der Gedanke an Familien, deren Angehörige inzwischen selbst verstorben seien und die niemanden mehr hätten, der öffentlich an sie erinnert. Umso wichtiger sei die Gedenkstätte, an der die Namen der Opfer dauerhaft sichtbar blieben.

Löwen sprach auch über die schwierige Aufarbeitung nach dem Unglück. Viele Angehörige hätten sich lange allein gelassen gefühlt. Erst Jahre später sei eine Annäherung zwischen der Selbsthilfe Eschede und der Deutschen Bahn gelungen.

Dabei erinnerte er an den damaligen Bahnchef Rüdiger Grube, der zum 15. Jahrestag im Jahr 2013 um Entschuldigung gebeten hatte. Dieser Schritt habe dazu beigetragen, das Verhältnis zwischen Bahn und Hinterbliebenen zu verbessern. Auch der spätere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Dr. Richard Lutz, habe diesen Weg fortgesetzt.

Löwen begrüßte ausdrücklich die Anwesenheit von Evelyn Palla, die sich in ihrem ersten Amtsjahr als DB-Vorständin am Gedenken beteiligte. Ihre Teilnahme sei ein wichtiges Signal dafür, dass die heutige Deutsche Bahn Verantwortung für die Erinnerungskultur übernehme.

Zugleich betonte er, dass Eschede eine dauerhafte Mahnung bleibe. Menschenleben müssten immer im Mittelpunkt stehen. Sein Mitgefühl gelte darüber hinaus allen Menschen, die andernorts durch Unglücke und Katastrophen Angehörige verloren hätten.

Schweigeminute erinnert an den Zeitpunkt der Katastrophe

Im Anschluss an die Ansprache von Heinrich Löwen erinnerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Schweigeminute an die Opfer des ICE-Unglücks. Dabei wurde auch auf den Zeitpunkt der Katastrophe verwiesen: Am 3. Juni 1998 entgleiste der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ um 10.58 Uhr in Eschede. Angehörige, Überlebende, Helfer und Vertreter der Deutschen Bahn gedachten der 101 Todesopfer sowie der vielen Verletzten. Die stille Erinnerung am Mahnmal bildete einen zentralen Moment der Gedenkveranstaltung.

„Eine Zeit vor und eine Zeit nach Eschede“

Auch Angelique Koch, Zugchefin der Deutschen Bahn, sprach zu den Teilnehmern. Sie berichtete von ihren persönlichen Erinnerungen an den Tag des Unglücks. Damals habe sie Kollegen getroffen und verabschiedet, bevor sie selbst mit einem anderen Zug weitergereist sei.

Der 3. Juni 1998 sei für viele Eisenbahner bis heute ein prägendes Datum geblieben. „Für uns gibt es eine Zeit vor und eine Zeit nach dem Unglück“, sagte Koch.

Das Ereignis habe gezeigt, dass die Sicherheit im Bahnbetrieb nicht so selbstverständlich gewesen sei, wie viele damals glaubten. Das Unglück hätte niemals geschehen dürfen. Gleichzeitig habe es zahlreiche Veränderungen und Verbesserungen bei den Sicherheitsstandards im Bahnverkehr angestoßen.

Der Gedenkort in Eschede sei für viele Bahnmitarbeiter ein Ort der Demut und des gemeinsamen Erinnerns geworden.

Gebet und stille Begegnungen

Pastorin Franziska Baden gestaltete einen Teil des Gedenkens mit einem Gebet. Im Mittelpunkt standen dabei die Opfer, ihre Familien sowie die Menschen, die bis heute mit den Folgen des Unglücks leben.

Zu den Teilnehmern gehörten außerdem Eschedes Bürgermeister Heinrich Lange, Ombudsmann Prof. em. Dr. Udo Steiner, Annette Angermann, die bei dem Unglück ihren Bruder verlor, sowie Flammbeck als Bevollmächtigter für den norddeutschen Bahn-Bereich. Viele weitere Angehörige, Helfer und Wegbegleiter der vergangenen Jahrzehnte nahmen ebenfalls an der Veranstaltung teil.

Richard Lutz bleibt dem Gedenken verbunden

Besondere Aufmerksamkeit erhielt erneut der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Dr. Richard Lutz. Über viele Jahre hinweg hat er die Gedenkveranstaltungen begleitet, Gespräche mit Angehörigen geführt und die Entwicklung der Erinnerungskultur in Eschede unterstützt.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt nahm er wieder an der Veranstaltung teil. Am Rande des Gedenkens erklärte Lutz, die Menschen seien ihm ans Herz gewachsen. Seine Anwesenheit sei nicht an eine Funktion gebunden. Die Erinnerung an das Unglück verstehe er zugleich als Auftrag für die Zukunft. Der Termin am 3. Juni habe deshalb weiterhin einen festen Platz in seinem Kalender.

Austausch im Deutschen Haus

Im Anschluss an die Gedenkfeier kamen Angehörige, Mitglieder der Selbsthilfe Eschede sowie Vertreter der Deutschen Bahn im Deutschen Haus zusammen. Dort bestand Gelegenheit für persönliche Gespräche und Begegnungen.

28 Jahre nach der Katastrophe bleibt der 3. Juni in Eschede ein Tag des Erinnerns. Für viele Beteiligte ist er zugleich ein Zeichen dafür, dass Trauer, Verantwortung und Dialog auch Jahrzehnte nach dem Unglück ihren Platz behalten.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse

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