Donnerstag, 18. Juni 2026

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Ein Kännchen Wasser für das Mauerblümchen Kultur  

Aus der Celler Kulturszene ist niemand gekommen zum jüngsten Kulturausschuss, auch die Zahl der interessierten Bürger hält sich in Grenzen, obwohl die Tagesordnung einen Punkt ausweist, der besonders das ehrenamtliche künstlerische Engagement betrifft. Auf der Agenda steht der Beschluss einer Kulturförderrichtlinie. Es war Die Linke, die sich in Person von Stephan Ohl stark gemacht hat für die Erarbeitung eines solchen Regelwerks, das am 1. Juli 2026 in Kraft treten soll. Zuvor muss der Rat seine Zustimmung geben in seiner Sitzung am 17.6.

Bislang erfolgte die Vergabe von Fördermitteln auf Grundlage der „Allgemeinen Richtlinie der Stadt Celle über die Gewährung von Zuwendungen“. Das Budget wurde, ebenfalls auf Betreiben der Linken im Rat, auf 30.000 Euro jährlich erhöht. Erkennbar am Zuschnitt des Postens der Kulturdezernentin nach dem Ausscheiden von Amtsträgerin Susanne McDowell ist der Stellenwert der Kunst im Neuen Rathaus nicht allzu hoch – eher ein Mauerblümchen als eine Blume. Die Kultur und die Finanzen bilden ein Dezernat. Nicole Mrotzek ist die Kämmerin und Erste Stadträtin und als Dame der Finanzen an oberster Stelle auch für die Kultur zuständig. Unterstützt wird sie vom Fachdienst Kultur unter Leitung von Johannes Flau. Beide entwickelten nun also Kriterien und machen in der Ausschuss-Sitzung deutlich, dass sie darin durchaus einen Fortschritt sehen:

Förderfähig sind ausschließlich Projekte, also zeitlich begrenzte, in sich abgeschlossene Vorhaben. Ein Punkt, der Kritik hervorruft bei Mathias Pauls vom Team „Kunst & Bühne“: „Für eine Spielstätte, wie sie ‚Kunst & Bühne e.V.‘ betreibt, wäre eine strukturelle Förderung einer Projektförderung vorzuziehen. Unser Projekt ist ‚Kunst & Bühne‘, das heißt der Erhalt und die Weiterentwicklung dieser einzigartigen Kleinkunstbühne am Rande der Celler Altstadt. Um dieses Ziel zu verwirklichen und unser Engagement spürbar zu erleichtern, wäre eine regelmäßige und nicht projektgebundene Förderung wünschenswert.“ Grundsätzlich befürwortet es das gesamte Team jedoch sehr, dass es „in Celle nun eine Förderrichtlinie für ehrenamtliche kulturelle Arbeit geben soll. Wir sehen dies als einen Ausdruck der Wertschätzung den handelnden Personen gegenüber, die oft einen großen Teil ihrer Freizeit für ihr Engagement aufwenden.“

Auch der Vorsitzende des Bundes Bildender Künstler und Künstlerinnen Celle (BBK), Roman Thomas, verweist auf das ehrenamtliche Element. Er beschreibt in seiner Antwort an CP, wie sich die Celler Kunstszene abseits der Institutionen schwerpunktmäßig gestaltet: „Celle lebt von einer vielfältigen Kulturszene. Neben den etablierten Institutionen sind es vor allem die zahlreichen Vereine, Initiativen und freischaffende Künstler und Künstlerinnen, die mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen und Projekten immer wieder neue Impulse setzen. Ein großer Teil dieses kulturellen Lebens wird zudem von vielen engagierten Ehrenamtlichen getragen, die mit viel Zeit, Leidenschaft und persönlichem Einsatz Kultur in unserer Stadt überhaupt erst möglich machen. Wenn die neue Richtlinie dazu beiträgt, diese Aktivitäten zu erleichtern und zusätzliche Möglichkeiten für kulturelle Projekte zu eröffnen, ist das aus meiner Sicht ein sehr positiver Schritt.“

KRITIKPUNKTE DER CELLER KULTURSCHAFFENDEN

Unter förderfähige Inhalte heißt es in dem Papier: Beitrag zur Attraktivität und Lebensqualität der Stadt Celle; Bewahrung und zeitgemäße Vermittlung kultureller Traditionen; Stärkung der Identifikation mit der Stadt Celle; positive Außenwirkung und Profilbildung der Stadt; Impulse für kulturelle Bildung und Austausch; Ergänzung oder Weiterentwicklung des bestehenden Kulturangebotes. Der 2. Vorsitzende des „ateliers 22 e.V.“ Eric (EHW) Schaper schreibt auf CP-Anfrage hierzu: „Die Listung stellt sehr stark ab auf die Stadt Celle als Institution und damit auf das gewünschte positive Bild der laufenden Verwaltung. Eine gewisse Eigenständigkeit der Kunst- und Kulturakteure in der Stadt sollte gewahrt bleiben, was letztlich dann auch zum Wohle aller die Kunst und Kultur in Celle wahrnehmenden Leute beitragen würde, und auf dem Wege dann auch der Stadt Celle zugutekäme.“ Weitere lokale Akteure üben Kritik an den „förderfähigen Inhalten“: „Hier sind die Kriterien aus unserer Sicht zu sehr auf Außenwirkung/touristische Effekte bedacht. Es fehlen Aspekte von kultureller Entwicklung und partizipativer Beteiligung.“ Der Vorschlag, den Punkt der Weiterentwicklung der Celler Kulturszene, insbesondere durch die Förderung von jungen Künstlerinnen und Künstlern sowie innovativen künstlerisch anspruchsvollen Kulturformaten, aufzunehmen, wurde abgelehnt. Ebenso erging es der Idee der Linken, ein kleines unabhängiges, nicht-städtisches Gremium als Beirat zu installieren. Die Begründung: „Der hierfür erforderliche personelle und organisatorische Aufwand steht in keinem angemessenen Verhältnis zu den vergleichsweise geringen Fördermitteln“, wollte Susi Schult (SPD) nicht akzeptieren. „Ich habe Bedenken“, wandte sie ein.

SORGE UM DIE FREIHEIT DER KUNST

Ihre Sorge und die anderer Ausschussmitglieder, darunter Joachim Falkenhagen (FDP), gilt der Freiheit der Kunst. Nicole Mrotzek argumentierte: „Ich sehe den Bedarf nicht. Wir schließen nur das aus, was den Kriterien nicht entspricht“. Zudem bietet der Fachdienst Kultur an, dass ein- oder auch zweimal im Jahr im nicht-öffentlichen Teil des Kulturausschusses die Fördermittelvergaben dargelegt werden. Falkenhagen plädierte nicht für einen Beirat, sondern stört sich an der Formulierung: „Förderfähig sind künstlerische und kulturelle Aktivitäten, die inhaltlich überzeugen, öffentlich zugänglich sind und mit den kulturpolitischen Zielsetzungen der Stadt Celle übereinstimmen.“ „Was sind die kulturpolitischen Ziele der Stadt Celle? Der Begriff ‚kulturpolitisch‘ ist dehnbar“, wandte er ein, stimmte als einziger gegen die Kulturförderrichtlinie und stellte nun mit seiner Fraktion den Antrag, den Punkt von der Tagesordnung der kommenden Ratssitzung zu nehmen: „Der Entwurf wäre in der Lage, die Freiheit der Kunst dramatisch einzuschränken.“ Falkenhagen fordert eine Überarbeitung. Ob dem stattgegeben wird, bleibt abzuwarten.

Die Linke hatte nicht nur eine Kulturförderrichtlinie, sondern auch einen Runden Tisch Kultur angeregt. Auf Nachfrage heißt es jedoch von Pressesprecherin Myriam Meißner: „Ein Runder Tisch ist es nicht.“ Vielmehr plane Nicole Mrotzek, alle Kulturschaffenden regelmäßig wiederkehrend einzuladen zu einem zwanglosen unbürokratischen Treffen mit der Zielsetzung eines gemeinsamen Austausches und der Vernetzung untereinander.

Ein weiterer richtiger Schritt zum Gedeihen des Mauerblümchens Kultur im Neuen Rathaus.

Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Foto: Anke Schlicht

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