Kritik an Plänen zur Sanierung der Zugbrückenstraße
Vorfahren, Parkscheibe rauslegen, wenige Schritte gehen und rein in die Geschäfte, die die Klein Hehlener ihr „Einkaufszentrum“ nennen. Es befindet sich an der Zugbrückenstraße, die ab Frühjahr 2027 grundlegend saniert werden soll. Darauf haben die Celler lange gewartet, denn die 900 Meter lange Verkehrsachse ist in einem sehr schlechten Zustand, stellenweise existiert noch historisches Kopfsteinpflaster. Aber in die Freude hat sich in Klein Hehlen Sorge gemischt trotz einer nach Angaben der Stadtverwaltung so intensiven Bürgerbeteiligung, wie man sie zuvor noch bei keiner Maßnahme ähnlicher Art durchgeführt hat.


Wird die Einkaufsmeile so attraktiv, weil optimal mit dem Pkw zugänglich, bleiben? Bietet das Sanierungskonzept der Firma „Heidt+Peters Ingenieure“ ausreichend Sicherheit für die Radfahrenden, besonders die Schüler und älteren Menschen? Wird es entlang des „Einkaufszentrums“, das aus etlichen kleinen Läden besteht, einen Quartiersplatz für die angestrebte höhere Aufenthaltsqualität geben? Wenn ja, wie wird er aussehen? Die vom Neuen Rathaus im Zuge der Vorstellung des Projektes in der jüngsten Umweltausschuss-Sitzung genannten Gespräche mit den Gewerbetreibenden sind noch nicht abgeschlossen. Das Baudezernat möchte die gesamte Fläche bis zu den Gebäudegrenzen für die Gestaltung einer Quartiersmitte nutzen, d.h. die Eigentümer müssten ihre privaten Vorflächen zur Verfügung stellen. Stadtbaurätin Elena Kuhls betont in der Sitzung: „Um diese Gestaltung umzusetzen, müssten alle mitmachen.“
Sorge, Chancen zu verpassen
Heidt+Peters hat die Sanierung des Gebietes in vier Abschnitte mit unterschiedlichen Charaktermerkmalen unterteilt, im Abschnitt C (Einkaufszentrum bis Haydnstraße) weist der Entwurf eine graue Schraffierung aus, noch nicht definiert. Dass diese Frage zur Quartiersmitte bis jetzt nicht geklärt ist, ist für Klein Hehlens Ortsbürgermeisterin Karin Abenhausen einer der Kritikpunkte am vorgestellten Konzept. „Optisch und gestalterisch muss der Platzcharakter herausgestellt werden“, sagt sie in der Bürgeranhörung und erhält Applaus. Sie treibt wie viele andere Anwohner, Ortsratsmitglieder und Klein Hehlener die Sorge um, dass Chancen verpasst werden. „Was jetzt nicht umgesetzt wird, wird in den nächsten 50 Jahren nicht umgesetzt“, sagt Ortsratsmitglied Christian Ceyp. „Die Zugbrückenstraße ist unser Herzstück, da geht alles drüber“, berichtet die Klein Hehlenerin Claudia Fornaschon.
Insgesamt wird die Zugbrückenstraße zu einer Tempo-30-Zone, für die Einkaufsmeile im Abschnitt C sehen die Planer eine verkehrsberuhigte Zone mit maximal 7 km/h auf einer gepflasterten Oberfläche vor. Die Fahrbahnbreite wird auf 5-6 Meter reduziert. Alle Parkplätze direkt vor dem „Einkaufszentrum“ fallen weg. Stattdessen entstehen auf der gegenüberliegenden Seite Parkbuchten und ein Fußweg. „In unserem Stadtteil gibt es viele ältere Menschen, diese schätzen das direkte Vorfahren“, sagt Fornaschon. Generell sei die Ecke auch überörtlich attraktiv, um mal eben schnell anzuhalten, sich ein belegtes Brötchen für die Frühstückspause zu holen oder mittags einen Döner zu essen. „Wir befürchten, dass sich dieses Einkaufsverhalten ändern wird und eine Abwanderung stattfindet“, erläutert Christian Ceyp.
Viele Parkmöglichkeiten entfallen
Rund die Hälfte der insgesamt etwa 180 Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum, verteilt über den gesamten Straßenzug, würden nach Zählungen von Betroffenen nach der Sanierung entfallen. Dirk Rother von Heidt+Peters betont in seiner Präsentation, dass es den modernen Vorgaben entspreche, sich nicht mehr in erster Linie am motorisierten Verkehr zu orientieren. Derzeit wird auf beiden Seiten geparkt, die Straße ist ausreichend breit, aufgrund der durchgängigen Reduzierung der Fahrbahnbreite wäre dies nicht mehr möglich. Die Befürchtung, es könnte fortan hoher Parkdruck entstehen, wird in der Anhörung der Zuschauer im Anschluss an die Präsentation zum Ausdruck gebracht. Klein Hehlener, die nicht an der Zugbrückenstraße wohnen, geben zu bedenken, dass sich das Parken verlagern könnte in ihre Wohngebiete. Parken in verkehrsberuhigten Bereichen ist außerhalb gekennzeichneter Flächen verboten, Fußgänger dürfen die gesamte Straße nutzen, es gilt rechts vor links.
Und was ist mit den Radfahrenden? „In einer Tempo-30-Zone ist es automatisch so, dass der Fahrradverkehr auf der Straße geführt wird“, erläutert der Fachdienstleiter Verkehr Jörg Frohnert und ergänzt, dass für Fahrradwege auch kein Platz wäre. Ein Hauptkritikpunkt für viele Klein Hehlener, Claudia Fornaschon argumentiert: „Wir haben hier Schülerverkehre und viele ältere Leute fahren Rad, die sollen sicher von A nach B kommen, die Sicherheit kommt uns in diesem Punkt zu kurz“.
Und noch ein Planungsdetail stößt nicht auf Gegenliebe: Der Fußweg entlang des Kollerschen Waldes soll entfallen zugunsten einer Versickerungsmulde. Der Ortsrat fordert in seinem Acht-Punkte-Papier: „Es sollen beidseitig auf der gesamten Straßenlänge durchgängige Geh- und abgesetzte Radwege vorgesehen werden.“
Viel Stoff für Diskussionen in der nächsten Ortsratssitzung am 24. Juni um 19 Uhr im Heidekönig am Bremer Weg.
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht
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