Mittwoch, 22. Juli 2026

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 „Alter Wein in noch älteren Schläuchen“ – Kreisausschuss lehnt Antrag zur kurzfristigen Verbesserung der Rettungsdienst-Eintreffzeiten ab

Die Gruppe der Wählergemeinschaften des Landkreises Celle (WG), der ChristlichDemokratischen Wählergruppe e. V. (CDW) und DIE PARTEI im Celler Kreistag zeigt sich tief enttäuscht über die jüngste Entscheidung im Kreisausschuss. Der am 4. Mai 2026 eingebrachte Antrag, der eine „kurzfristige Verbesserung des p95-Wertes“ im Rettungsdienst anstrebte, wurde von den anderen Fraktionen abgelehnt.

Als Begründung für die Ablehnung wurde im Ausschuss auf die Ankündigung der Kreisverwaltung verwiesen, ein neues Gutachten in Auftrag geben zu wollen. Aus Sicht derAntragsteller greift dieses Argument jedoch viel zu kurz und verzögert notwendige Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung.

„Über zehn Jahre habe ich die rettungsdienstliche Entwicklung in Celle miterlebt, von einer Bedarfsplanerhöhung zur nächsten. Immer hieß die Lösung: mehr Fahrzeuge, mehr Personal, mehr Vorhaltestunden. Und gebracht hat es in Bezug auf die Eintreffzeiten gar nichts. Wer seit Jahren immer wieder dieselbe Maßnahme ergreift, sollte den Mut haben, ihre Wirksamkeit kritisch zu hinterfragen – statt sie einfach erneut aufzulegen“. so JOHANNES OPITZ, KREISTAGSABGEORDNETER (DIE PARTEI)

Verzögerungstaktik statt schnellem Handeln

Der Fraktionsgeschäftsführer Kai Peters kritisiert das Vertrösten auf künftige Gutachten scharf und veranschaulicht die aktuelle Situation mit einem drastischen Vergleich: „Das Haus brennt, aber anstatt die 112 anzurufen, wird sich zurückgelehnt und erstmal ein Gutachter beauftragt, um zu klären, ob das Haus auch wirklich brennt. Mitnichten haben wir die Notwendigkeit eines neuen Gutachtens durch unseren Antrag in Frage gestellt, auch wenn dies gerne so interpretiert wurde. Aber definitiv wirkt das Abwarten auf ein Gutachten erstmal verzögernd“, erklärt  KAI PETERS, FRAKTIONSGESCHÄFTSFÜHRER.

Die Gruppe betont, dass es primär um unbürokratische, kreative und vor allem sofortumsetzbare Lösungsansätze ging, um den p95-Wert – also die Quote, in der Rettungswagen innerhalb der gesetzlichen Hilfsfrist am Einsatzort eintreffen – spürbar zu verbessern. Entgegen den Unterstellungen der politischen Mitbewerber hätten diese Maßnahmen nicht zwingend unmittelbar Geld kosten müssen. „Man verlässt sich hier auf alten Wein in noch älteren Schläuchen, und das hilft den Bürgerinnen und Bürgern in den betroffenen Gemeinden kein Stück weiter“, so Peters weiter.

Kritik an mangelnder Handlungsbereitschaft

Aus Sicht der Gruppe WG/CDW/Die PARTEI offenbart das Abstimmungsverhalten im Kreisausschuss eine besorgniserregende Sorglosigkeit der anderen Parteien, die in der Sache nahe an Hilflosigkeit grenze. Der Fraktionsvorsitzende Ulrich Kaiser fordert ein klares politisches Mandat und aktives Eingreifen der gewählten Abgeordneten:

„Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht von den von ihnen gewählten Vertreter im Kreistag, dass diese Verantwortung übernehmen und bereit zu Handeln sind. Da nur auf eine Verwaltung zu vertrauen, die erkennbar ihren gesetzlichen Auftrag nicht erfüllen kann, ist schlicht und einfach zu wenig“, ergänzt ULRICH KAISER, FRAKTIONSVORSITZENDER (WG).

Kaiser verdeutlicht zudem, dass der Antrag keineswegs voreilige Beschlüsse forderte, sondern einen geordneten, transparenten Prozess in Gang setzen sollte: „Wer unseren Antrag aufmerksam gelesen hat, wird feststellen, dass am Ende die Verwaltung dem Kreistag eine Beschlussvorlage mit den Ideen, Auswirkungen und gegebenenfalls auch Kosten hätte vorlegen sollen. Dann hätte der Kreistag auf Basis der Erkenntnisse einer Arbeitsgruppe fundiert entscheiden können – auch negativ. Diesen Prozess im Vorfeld abzuwürgen, hat keinem genützt, sondern nur geschadet. Damit wurde eine echte Chance vertan.“

Ausblick: Die Fraktion WG/CDW/Die PARTEI kündigt an, in ihren Bemühungen um schnelle und wirksame Verbesserungen im Rettungsdienst nicht nachzulassen. Alle imKreistag vertretenen Kräfte bleiben weiterhin eingeladen, sich konstruktiv an der Lösungsfindung zu beteiligen.

PR/Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse