Rheinmetall baut ATACMS-Produktion in Unterlüß auf
Der Rheinmetall-Standort Unterlüß soll künftig eine zentrale Rolle bei der Produktion des taktischen Raketensystems ATACMS (Army Tactical Missile System) übernehmen. Wie Rheinmetall und der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin gestern mitteilten, haben beide Unternehmen im Rahmen des NATO Summit Defense Industry Forum eine Absichtserklärung zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens unterzeichnet. Ziel ist der Aufbau der ersten ATACMS-Produktion außerhalb der Vereinigten Staaten – am Standort Unterlüß.
Mit dem Vorhaben wollen beide Unternehmen nach eigenen Angaben die Produktionskapazitäten für Präzisionswaffen in Europa ausbauen und die Versorgung von NATO-Staaten sowie weiteren europäischen Partnern stärken. Das geplante Joint Venture steht unter dem Vorbehalt der Unterstützung durch die Regierungen Deutschlands und der USA.
Unterlüß gewinnt weiter an Bedeutung
Für den Rheinmetall-Standort im Landkreis Celle bedeutet die Entscheidung einen weiteren Ausbau seiner Rolle innerhalb der europäischen Verteidigungsindustrie.
Unterlüß zählt seit Jahren zu den wichtigsten Produktionsstandorten des Unternehmens. Rund 4.000 Beschäftigte arbeiten dort in den Bereichen Waffen- und Munitionsfertigung sowie Entwicklung, Produktion und Instandhaltung von Kettenfahrzeugen. Zudem befindet sich dort der größte privat betriebene Schießplatz Europas.
Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und der von der Bundesregierung ausgerufenen „Zeitenwende“ ist der Standort kontinuierlich gewachsen. Erst im vergangenen Jahr nahm Rheinmetall in Unterlüß das neue „Werk Niedersachsen“ zur Produktion von Artilleriemunition in Betrieb. Derzeit entsteht außerdem eine Fabrik für Raketenmotoren. Nach Unternehmensangaben soll dort bereits 2027 die Produktion von Raketenmotoren und Komponenten für Lenkflugkörper beginnen.
Mit der nun angekündigten Fertigung von ATACMS-Lenkflugkörpern kommt ein weiterer Produktionsbereich hinzu.
Erste Fertigung außerhalb der USA
Nach Angaben von Rheinmetall handelt es sich um die weltweit erste und bislang einzige Produktionsstätte für ATACMS außerhalb der Vereinigten Staaten.
ATACMS ist ein taktisches Präzisionswaffensystem mit hoher Reichweite, das von verschiedenen NATO-Staaten genutzt wird. Das System wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach in militärischen Einsätzen verwendet. Angesichts der steigenden Nachfrage soll die bisherige Produktionslinie im US-Bundesstaat Arkansas zunächst parallel weiterbetrieben werden, bis der Aufbau der europäischen Fertigung abgeschlossen ist.
Unternehmen sehen Ausbau der europäischen Verteidigungsindustrie
Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, bezeichnete den Aufbau der Produktion in Unterlüß als wichtigen Schritt für die industrielle Basis moderner Verteidigungssysteme in Europa.
Auch Jay Pitman, President von Lockheed Martin International, und Dennis Goege, Chief Executive Europe bei Lockheed Martin, betonten die Bedeutung der Zusammenarbeit. Ziel sei es, bewährte US-Technologie mit europäischen Produktionskapazitäten zu verbinden und die Versorgung der europäischen Streitkräfte zu stärken.
Friedensinitiative äußert Kritik
Kritik an der weiteren Ausweitung der Rüstungsproduktion kommt vom FriedensRatschlag Lüneburger Heide. Dessen Sprecher Hans-Dietrich Springhorn sieht den Ausbau der Produktionskapazitäten vor dem Hintergrund aktueller diplomatischer Bemühungen um eine Beendigung internationaler Konflikte kritisch.
Nach seiner Auffassung müsse der Schwerpunkt stärker auf Friedensbemühungen als auf einer weiteren Aufrüstung liegen. Als Vergleich führte Springhorn an, dass man streitende Kinder ebenfalls voneinander trenne, anstatt ihnen weitere Mittel für den Konflikt an die Hand zu geben. Zudem kritisierte er, dass sich die örtlichen Kirchengemeinden seiner Ansicht nach nicht deutlicher gegen die zunehmende militärische Aufrüstung positionieren.
Unterlüß bleibt Schwerpunkt der Investitionen
Mit dem geplanten Aufbau der ATACMS-Produktion setzt Rheinmetall den Ausbau des Standortes Unterlüß fort. Bereits in den vergangenen Jahren wurden dort neue Produktionskapazitäten geschaffen und zusätzliche Arbeitsplätze aufgebaut. Mit der nun angekündigten Kooperation mit Lockheed Martin soll Unterlüß künftig auch eine Schlüsselrolle bei der europäischen Fertigung des taktischen Raketensystems übernehmen.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse
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