Montag, 17. August 2026

✔ unabhängig ✔ überparteilich ❤ kostenfrei

Anzeige

Anzeige

Straßen fair teilen – Celle macht’s vor!

Die Tour de Verkehrswende führt 2026 durch Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen und Sachsen-Anhalt und damit durch drei Bundesländer, in denen im Herbst gewählt wird. Von Schwerin bis Dessau demonstrieren Menschen auf dem Fahrrad für eine gerechte Verkehrswende mit gleichberechtigter Infrastruktur, sicheren und schnellen Radwegen und einem barrierefreien öffentlichen Nahverkehr. Die sommerliche Protestfahrt unter dem Dach von Changing Cities e.V. findet zum sechsten Mal statt. Nach 2023 macht die Tour bereits zum zweiten Mal Station in Celle.

Die Tour startet am 07. August 2026 in Schwerin und führt mit zahlreichen Zwischenstopps und Aktionen – darunter Kundgebungen, Diskussions- und Musikveranstaltungen – bis nach Dessau, wo sie am 16. August 2026 endet. Auf dem Weg kommen Initiativen, Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger zusammen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Politik den Fokus zu stark auf den Autoverkehr gelegt und massiv investiert. Die individuelle Motorisierung hat trotz Klimakrise enorm zugenommen. Doch für die Zukunft muss die Mobilität zwischen Menschen, Dörfern und Städten mit Bus, Tram, Bahn oder zu Fuß stärker gefördert werden.

Diese Verbindungen müssen für alle:

  • Sicher sein – Kinder, ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen müssen sie gefahrlos nutzen können. Gute Verkehrsinfrastruktur kann schwere und tödliche Verletzungen verhindern und es mehr Menschen ermöglichen, zu Fuß oder mit dem Rad am Verkehr teilzunehmen.
  • Gesund sein – Körperlich aktive Mobilität, z. B. mit dem Fahrrad, fördert die Gesundheit und hilft beim Klimaschutz. Viele Menschen möchten sich mehr bewegen und so einen Beitrag leisten.
  • Gerecht sein – Jeder muss Zugang zu vielfältigen Mobilitätsangeboten haben. Der öffentliche Verkehr muss überall funktionieren und bezahlbar sein.

Celle macht’s vor!

Am Dienstag, den 11. August, erreicht die Tour de Verkehrswende aus Uelzen kommend Celle. „In Celle wollen wir aufzeigen, mit welchen kleinen Maßnahmen man beginnen kann Straßen fairer zu teilen,“ erläutert Andreas

Lechner, der seitens parCelle die Tourstation in Celle auch 2026 wieder unterstützt. „Als die Tour de Verkehrswende 2023 Station machte, war kurz zuvor eine Frau mitten im Hehlentor als Radfahrerin auf einem sogenannten Schutzstreifen getötet worden. Seitdem wurde viel im Hehlentor und in Celle verbessert. Und weitere Maßnahmen sollen zeitnah als großer Wurf für faires Teilen von Straßen folgen.“

Rückblick

In 2023 fuhren Busse und Autos an der Wittinger Straße sogar auf den Gehwegen. Ganze Straßenzüge wurden dominiert von scheinbar endlosen Schlangen parkender Autos. Verkehrsclubs fuhren Poolnudeltouren oder machten als „Celles lebendige Leitpfosten“ auf Dauerprobleme aufmerksam. Autos fuhren sich die Spiegel ab. Letztlich konnten viele Menschen überzeugt werden, dass etwas geändert werden muss. „Kleinste Schritte wurden ausprobiert, angepasst und behutsam umgesetzt. Damit wir uns in Celle daran gewöhnen können, die Straßen fairer miteinander zu teilen,“ erläutert Lechner. „Darunter sind sogar recht innovative Lösungen in Celle, wie zum Beispiel eine abknickende Fahrradstraße mit nachrangigem Kfz-Zufluss an der Ecke Wittinger Straße zur Pfennigbrücke. Die zügige Umfahrung des Stoppschildes auf dem Rad stadtauswärts auf Höhe der Dörnbergstraße ist noch ungewohnt. Und bald wird alles noch angenehmer und vor allem viel einfacher.“ Denn der Ortsrat

Hehlentor hat am 2.3.2022 – bereits mehr als ein Jahr vor dem tödlichen Unfall – vorgeschlagen, im südöstlichen Hehlentor die Verkehrsfläche fair miteinander zu teilen als große Fahrradzone mit „Anlieger-Kfz frei.“

„Aktuell versuchen wir in Celle weiterhin, zu schmale Schutzstreifen neben unzureichend breiten Fahrbahnen parallel anzuordnen. Im Bestand passt das einfach nicht, weshalb oft Schutzstreifen für den Rückweg fehlen. Legal im Auto oder Lieferwagen anzuhalten ist dort kaum möglich“ erklärt Lechner. „Würden wir eine ausreichend breite Fahrbahn fair miteinander teilen, bliebe sogar etwas Raum für Be-/Entladezonen für Handel, Handwerk und Fahrtdienste. Alle könnten bis zu 30 km/h fahren. Meine Frau darf neben mir Rad fahren, so wie ich neben ihr im Auto sitzen darf. Und wenn es vor uns zu langsam voran geht, dann dürfen wir überholen, wenn wir die Gegenfahrbahn dafür nutzen können. Sonst müssen wir hinterherfahren. Ab jeder Haustür gäbe es einen sicheren Weg zur Schule oder zur Arbeit. Hunderte, wenn nicht tausende Schilder können demontiert werden. Und nachts könnten wir alle besser schlafen.“

Gemeinsam einfach machen. Straßen fair teilen. Konflikte durch neue Ideen vermeiden!

Gegen 16:15 Uhr fährt der Radtross über den neuen Berkfeldweg nach Celle ein. Es gibt einen ersten Austausch am Berkefeldweg 7 mit einer kurzen Begrüßung unter Verkehrsaktivistinnen und -aktivisten. Ab 17:00 Uhr bewegt sich der Radtross über die Wittinger Straße und folgt wahrscheinlich der Hauptroute des Celler Radnetzwerks zum Torplatz. Nach Neumarkt und Hehlentorstraße gibt es eine Runde um den inneren Ring. Dabei wird aufgrund von großen Sicherheitsbedenken am Südwall nicht gegen die Autoeinbahnstraße geradelt. 

Auf dem Brandplatz begrüßt um 17:30 Uhr die stv. Landrätin und Präsidentin der Deutschen Verkehrswacht, Kirsten Lühmann. Um 18:15 zeigen die Celler Kammerlichtspiele den Film „Cycling Cities“ als Einstimmung zum Themenabend. Eintritt ist frei – mit optionalen Spenden für den Bau von KLiCE KLEIN KlimaCellen. Ab 20 Uhr erfolgt der informelle Austausch in umliegender Celler Gastro zu Musik vom Gitarrenrad und bei einem bunten Treiben auf dem Brandplatz.

Am nächsten Morgen bricht um 10 Uhr die Tour nahe der Triftanlagen in Richtung Hannover auf. Das wird ein extrem spannender letzter Ferientag! Vor allem für die noch sehr junge parCelle-Initiative, denn sie nimmt die vier Prototypen der KLiCE KLEIN KlimaCelle mit auf die Reise. An der Premium-Veloroute an der Langen Laube in Hannover werden sie zwischen 16 und 17 Uhr erstmals im öffentlichen Raum aufgestellt. Bis dato war dies in Celle leider nicht zulässig. In Hannover geht die Politik und Mobilitätsexpert:innen auf KLiCE KLEIN mit der  Öffentlichkeit zum Thema „Straßen fair teilen“ in den Dialog. Darüber freuen parCelle und Changing Cities ganz besonders, denn es macht Mut für mehr und wandelt Frustration um in ein Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Zumal KLiCE KLEIN auch an dem anschließenden Wochenende auf dem Maker Faire Hannover vorgestellt wird. „Dort zeigen wir innovationsfreudigen Großstädtern, was heute mit der KlimaCelle auf dem Land schon so alles geht. Oder sagen wir treffender, was gehen könnte, wenn wir gemeinsam einfach machen“ frotzelt Lechner.

Alle, die zur Tour de Verkehrswende dazu stoßen wollen, sind herzlich eingeladen – sei es zur Aktion, zum Kinobesuch, sei es zur Mitfahrt für einige Stunden, einige Tage oder die ganze Tour. 

Am 11. August gibt es Zustiegspunkte in Suderburg, Unterlüß und Eschede. 
Am 12. August kann in Otze, Burgdorf und am Weidetorkreisel in Hannover zugestiegen werden.

Anmeldung und weitere Informationen zu Organisation und Programm: changingcities.org/tdv26

Lokaler Kontakt in Celle: leitpfosten@parcelle.de 

 Über parCelle

„parCelle – gemeinsam einfach machen“ ist eine Initiative in Celle für mehr Teilhabe und Partizipation. Es gibt vier Projektverantwortliche, Andreas Herkenrath, Andreas Lechner, Regina Nagel & Stephanie Springer, die den Projektvertrag mit Changing Cities gezeichnet haben. Changing Cities e.V. ist der Verein, dem die Initiative angehört. Satzung und Impressum sowie weitere Informationen sind auf www.changingcities.org hinterlegt

PR