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Gedenken an Peter Deutschmann in Eschede – Erinnerung, Musik und ein Appell gegen rechte Gewalt

27 Jahre nach dem Tod von Peter Deutschmann wurde am Montagabend, 10. August 2026, vor der Johanniskirche in Eschede an ihn und weitere Opfer rechter Gewalt erinnert. Die um 18 Uhr begonnene Gedenkveranstaltung war vom Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede (BgR) angemeldet worden. Redebeiträge, persönliches Erinnern und Musik verbanden sich zu einem Gedenken, das zugleich den Blick auf die gesellschaftliche Gegenwart richtete.

Sascha Alius vom Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede eröffnete die Veranstaltung, begrüßte die Anwesenden und führte in den Anlass des gemeinsamen Gedenkens ein. Anschließend leitete er zu den einzelnen Rednerinnen und Rednern über.

Im Mittelpunkt stand zunächst Peter Deutschmann. Henrietta Schwartz erinnerte an den Escheder, dessen Todestag sich zum 27. Mal jährte. Freunde hätten ihn als liebevollen, hilfsbereiten und musikbegeisterten Menschen beschrieben. Sein Lebensmotto habe „Peace, Love and Harmony“ gelautet.

Deutschmanns Tod sei jedoch kein zufälliges Gewaltverbrechen gewesen. Er habe Neonazis widersprochen und damit Zivilcourage bewiesen. Als er rechtsextreme Skinheads aufforderte, mit ihrem Skinhead-Gehabe aufzuhören, habe er sich einer Ideologie entgegengestellt, die Menschen nach Herkunft, Aussehen, Religion oder Lebensweise bewerte und ausgrenze.

In der Nacht vom 7. auf den 8. August 1999 wurde Peter Deutschmann von zwei Neonazis brutal misshandelt. Zwei Tage später, am 10. August 1999, erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Schwartz rückte in ihrer Rede deshalb nicht allein die Tat in den Mittelpunkt, sondern vor allem den Menschen hinter dem Namen Peter Deutschmann: sein Leben, seine Haltung und seinen Mut. Hinter jeder Zahl und jeder Statistik über rechtsextreme Gewalt stehe ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit Angehörigen und Freunden, mit Hoffnungen und Zukunftsplänen.

Die Erinnerung an Deutschmann verband Schwartz mit einem Auftrag für die Gegenwart. Sie verwies auf einen gesellschaftlichen Rechtsruck, lauter gewordene rechtsextreme Positionen und Anfeindungen gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, sexuellen Identität oder politischen Überzeugungen. Auch Menschen, die sich für Demokratie und Vielfalt engagierten, erlebten Einschüchterungen und Bedrohungen.

„Aus Worten können Taten werden. Aus Verachtung kann Gewalt werden. Aus Wegsehen kann Zustimmung werden“, hieß es in ihrem Redebeitrag. Demokratie sei nicht selbstverständlich, Menschenwürde müsse verteidigt werden und Zivilcourage könne unbequem sein – sei aber unverzichtbar.

Musik, die zu Peter Deutschmann gehörte

Zwischen den einzelnen Redebeiträgen spielte Musik eine besondere Rolle. Zu hören waren Stücke, die Peter Deutschmann selbst gerne gehört und zu Lebzeiten auch aufgelegt hatte. Damit war die Musik mehr als eine Begleitung oder Unterbrechung des gesprochenen Wortes.

Sie erinnerte an Deutschmann als Menschen und an seine Leidenschaft für Musik. Zwischen den Reden entstanden so Momente, in denen das persönliche Gedenken in den Vordergrund rückte. Auch nach den Redebeiträgen erklangen Stücke aus der Musik, die Deutschmann gemocht und selbst aufgelegt hatte.

Paul Kühn erinnerte an Christian Sonnemann

Dass Peter Deutschmann nicht das einzige Opfer rechter Gewalt war, verdeutlichte ein weiterer Redebeitrag. Paul Kühn erinnerte an Christian Sonnemann.

Sonnemann wurde am 8. Dezember 2017 im Alter von 37 Jahren im niedersächsischen Katlenburg-Lindau getötet. In dem Beitrag wurde auch sein persönlicher Lebensweg nachgezeichnet. Schwierige Familienverhältnisse hätten seine Kindheit geprägt. Bereits früh sei er mit Alkohol und Drogen in Kontakt gekommen. Später habe Sonnemann versucht, sich aus seiner Sucht zu lösen und sei nach Katlenburg-Lindau gezogen, um Abstand zu seinem bisherigen Umfeld zu gewinnen.

Doch auch dort geriet er in ein problematisches Umfeld. Das Haus, in dem Sonnemann wohnte, gehörte einem Mitglied der rechtsextremen Szene. Bewohner des Hauses wurden dem Umfeld des „Deutschen Hüterordens“ zugerechnet. Auch innerhalb der Wohngemeinschaft bestanden dem Redebeitrag zufolge Bezüge zum Rechtsextremismus.

Im Dezember 2017 kam es zu einer Auseinandersetzung mit einem seiner Mitbewohner, die für Sonnemann tödlich endete. Auf die Einzelheiten seines Todes wurde während des Gedenkens bewusst verzichtet. Die Umstände seien zu grausam, hieß es in dem Beitrag.

Erinnerung als Verantwortung

Dörte Klatt richtete den Blick in ihrem Redebeitrag stärker auf die grundsätzliche Bedeutung von Erinnerung, Verantwortung und Widerspruch. Dabei griff sie unter anderem die Geschichte von Matthias Brandt auf und erinnerte an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Im Zentrum stand die Frage, welche Verantwortung aus der Geschichte für das eigene Handeln erwächst. Gedenken sollte demnach nicht bei der Erinnerung an Vergangenes enden. Es sollte vielmehr dazu anregen, die eigene Haltung in der Gegenwart zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen.

Damit führte der Beitrag zurück zu einem Gedanken, der die gesamte Veranstaltung durchzog: Peter Deutschmann hatte widersprochen, als er mit Rechtsextremismus konfrontiert wurde. Er hatte nicht weggesehen. Genau diese Bereitschaft zum Widerspruch wurde 27 Jahre nach seinem Tod erneut als gesellschaftliche Aufgabe formuliert.

Die unterschiedlichen Redebeiträge machten zugleich deutlich, dass hinter den Namen der Opfer individuelle Lebensgeschichten stehen. Sie allein auf die Umstände ihres Todes zu reduzieren, würde ihnen nicht gerecht. Das Gedenken sollte deshalb ihre Namen bewahren und zugleich etwas von den Menschen und ihren Geschichten sichtbar machen.

Die Musik, die Peter Deutschmann einst selbst aufgelegt hatte, verlieh diesem Gedanken vor der Johanniskirche eine persönliche Ebene. Zwischen Worten über Gewalt, Verlust, Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortung erklangen Stücke, die zu seinem Leben gehört hatten.

Die vom Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede angemeldete Veranstaltung blieb damit nicht allein auf die Ereignisse des August 1999 gerichtet. Das Gedenken wurde zugleich zu einem Appell für die Gegenwart: Hass und Menschenverachtung zu widersprechen, Zivilcourage zu zeigen und nicht zu schweigen, wenn Menschen bedroht oder ausgegrenzt werden.

Peter Deutschmann konnte nicht zurückgeholt werden. Seine Geschichte, sein Mut und die mit ihm verbundenen Werte – Frieden, Menschlichkeit und Respekt – sollten jedoch auch 27 Jahre nach seinem Tod nicht vergessen werden.

Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse