Celler Pipenbrunnen: Was hinter der aufwendigen Sanierung steckt
Seit einigen Wochen sprudeln die historischen Brunnen in der Celler Innenstadt wieder. Was Passanten heute als selbstverständlichen Teil des Stadtbildes wahrnehmen, war für die Verwaltung allerdings mit jahrelanger Planung verbunden. Alte Leitungen durch private Keller, marode Pumpen und Elektrik, Denkmalschutz bis tief unter die Straßenoberfläche und die Suche nach geeigneten Fachplanern machten die Wiederbelebung zu einem komplexen Projekt. Ulf Pohlmann, Fachbereichsleiter Verkehr und Technische Dienste der Stadt Celle, erklärte unserer Redaktion gemeinsam mit Mitarbeitern der Stadtentwässerung am Pipenbrunnen in der Poststraße, welcher Aufwand hinter der Sanierung steckt und warum bis zur Wiederinbetriebnahme so viele unterschiedliche Stellen eingebunden werden mussten.








Seit 2018 waren die historischen Brunnen außer Betrieb. Die vorhandene Technik war in die Jahre gekommen, Leitungswege mussten überprüft und die Elektrik erneuert werden. Zunächst konzentrierte sich die Stadt jedoch auf andere Vorhaben in der Innenstadt. Begrünung, Umgestaltungen und die weitere Entwicklung des öffentlichen Raums standen im Vordergrund.
Vor rund drei Jahren nahm die Verwaltung die Wiederinbetriebnahme der Brunnen nach Angaben Pohlmanns dann gezielt in Angriff. Was zunächst nach einer überschaubaren technischen Sanierung aussah, entwickelte sich zu einem Projekt mit zahlreichen Abhängigkeiten.
Alte Leitungen führten teilweise durch private Keller
Eine Schwierigkeit lag in der historischen Infrastruktur. Pumpen und Leitungen befanden sich nicht zwangsläufig unmittelbar an den jeweiligen Brunnen. Teile der alten Versorgung verliefen teilweise über angrenzende private Keller. Für eine zeitgemäße und dauerhaft wartbare Lösung mussten deshalb neue Wege gefunden werden.
Einfach einen neuen Technikschacht neben einen Brunnen zu setzen, war ebenfalls nicht ohne Weiteres möglich. Nicht nur die Brunnen selbst stehen im historischen Umfeld unter besonderem Schutz. Auch der Untergrund der Celler Altstadt ist als Bodendenkmal von Bedeutung.
Tiefbauarbeiten müssen deshalb entsprechend abgestimmt und begleitet werden. Sollten bei Arbeiten im Boden beispielsweise historische Feuerstellen oder andere archäologisch relevante Spuren zum Vorschein kommen, müssen diese fachgerecht beurteilt werden.
Pohlmann beschrieb das Verfahren deshalb als sinnvoll, zugleich aber ausgesprochen komplex. Für die Stadt habe zunächst geklärt werden müssen, welche Behörden und Fachstellen überhaupt beteiligt werden müssen.
Zahlreiche Stellen mussten an einen Tisch
Das betraf nicht nur den Pipenbrunnen in der Poststraße. Die Überlegungen umfassten auch den Brunnen am Großen Plan sowie den historischen Brunnen am Markt, der wieder an seinen früheren Standort zurückgebracht wurde. Dieser hatte ursprünglich schon im Bereich Markt/Kanzleistraße gestanden und war 1935 auf den Brandplatz versetzt worden.
Bei der Suche nach Lösungen zog die Stadt nach Angaben Pohlmanns zahlreiche Stellen hinzu. Beratend seien unter anderem der Deutsche Städtetag, das zuständige Ministerium, Denkmalschutz und weitere Fachakteure einbezogen worden.
Hinzu kam eine ganz praktische Schwierigkeit: Geeignete Planungsbüros mit Erfahrungen bei Infrastruktur, Wassertechnik und Arbeiten im denkmalgeschützten Bestand sind stark ausgelastet. Ein im Vergleich zu großen Infrastrukturmaßnahmen relativ kleines Brunnenprojekt landet dort nicht automatisch ganz oben auf der Prioritätenliste.
Auch bei der späteren Umsetzung waren zahlreiche Gewerke und Stellen beteiligt. Reinigung und Beschichtung des Wasserbeckens, Bepflanzung, Metallbau- und Steinmetzarbeiten sowie die neue technische Infrastruktur mussten aufeinander abgestimmt werden. Stadtwerke, Gesundheitsamt, Stadtentwässerung und Denkmalschutz gehörten ebenfalls zu den Beteiligten. Verzögerungen entstanden zudem durch die teilweise schwierige Materialbeschaffung.
Neue Technik unter der Poststraße
Heute ist von diesem Aufwand für Passanten nur wenig zu sehen. Unter der Oberfläche befindet sich ein neuer Schacht mit Pumpen und moderner Elektrik. Die Anlage in der Poststraße ist technisch mit dem Wassertisch auf dem Robert-Meyer-Platz verbunden.
Dabei gelten unterschiedliche Betriebszeiten: Der Pipenbrunnen in der Poststraße sprudelt täglich von 8.30 bis 20 Uhr, der Wassertisch auf dem Robert-Meyer-Platz von 10 bis 20 Uhr.
Um Betrieb und Erhalt kümmern sich mehrere Bereiche der Stadt. Dazu gehören die Stadtentwässerung, der Grünbetrieb und die Straßenreinigung.
Auch am historischen Brunnen selbst musste gearbeitet werden. Nach Angaben Pohlmanns besteht die Säule aus einer Sandsteinverkleidung mit einem Betonkern. Dieser Kern wurde mit einer mineralischen Abdichtung auf Silikatbasis behandelt, damit das Wasser innerhalb der vorgesehenen Bereiche bleibt.
Bei der sichtbaren Oberfläche galt dagegen Zurückhaltung. Die vorhandene Patina befindet sich nach Einschätzung der Beteiligten noch in einem Zustand, der eine grundlegende Aufarbeitung nicht erforderlich machte. Auch aus Sicht des Denkmalschutzes sollte das gewachsene Erscheinungsbild erhalten bleiben.
Anders war die Situation beim Brunnen am Markt. Dort war die Oberfläche bereits stärker angegriffen und musste entsprechend aufgearbeitet werden. Deshalb wirkt dieser Brunnen heute sichtbar frischer als sein Pendant in der Poststraße.
Historische Wasserversorgung prägte die Altstadt
Die Geschichte der Celler Pipenposten reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Ihre Ursprünge liegen in der historischen Wasserversorgung der Stadt. 1530 ließ Herzog Ernst der Bekenner eine Wasserkunst errichten, über die Wasser durch hölzerne Leitungen in die Innenstadt transportiert wurde.
Der Name der Pipenposten beziehungsweise Piepenposten erinnert an diese Technik. Das Wasser wurde durch ausgehöhlte Baumstämme geleitet, die als „Pipen“ bezeichnet wurden. An zentralen Stellen konnte es an den sogenannten Posten entnommen werden.
Bevor Celle um 1900 eine zentrale Wasserversorgung erhielt, erfüllten solche Anlagen praktische Aufgaben. Wasser wurde für Menschen und Tiere benötigt, für die Reinigung auf den Märkten und nicht zuletzt zur Brandbekämpfung.
Die Brunnen veränderten im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ihr Erscheinungsbild. Zu den heute charakteristischen Elementen gehören auch die welfischen Löwenwappen. Sie wurden 1914 von Oberstleutnant Curt von Adelebsen gestiftet.
Brunnenwasser ist kein Trinkwasser!
Mit der Rückkehr des Wassers verbindet Pohlmann allerdings auch einen Hinweis an Passanten. Das Wasser aus dem Pipenbrunnen ist kein Trinkwasser.
Das Wasser befindet sich in einem Kreislauf und wird gefiltert und gereinigt. Dennoch können beispielsweise Tauben im Becken oder hineingeworfener Müll die Wasserqualität beeinflussen und zugleich die Pumpentechnik belasten.
Wer sich insbesondere an heißen Tagen mit Trinkwasser versorgen möchte, sollte deshalb die eigens aufgestellten Trinkwasserspender der Stadtwerke nutzen.
Weitere Wasseranlagen sollen folgen
Mit dem Pipenbrunnen und den bereits angegangenen Anlagen ist die Arbeit für die Stadt noch nicht beendet. Weitere Brunnen in der Innenstadt stehen auf der Liste.
Nach Angaben Pohlmanns hat die Verwaltung unter anderem die Anlagen Am Heiligen Kreuz sowie in der Verlängerung des Großen Plans auf Höhe Rossmann im Blick. Auch dort soll geprüft werden, wie die historischen beziehungsweise stadtbildprägenden Wasserelemente dauerhaft betrieben werden können.
Nach der langen Stillstandszeit seit 2018 zeigt der Pipenbrunnen in der Poststraße damit zugleich, warum die Wiederinbetriebnahme weiterer Anlagen Zeit benötigt. Was oberirdisch wie ein vergleichsweise kleines Wasserspiel erscheint, verbindet unter der Erde moderne Technik mit jahrhundertealter Stadtgeschichte – und erfordert entsprechend viele Abstimmungen, bevor das Wasser wieder fließen kann.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse
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