Stadt Celle sagt Danke: Empfang für erfolgreiche Special-Olympics-Sportler
Medaillen um den Hals, viele Erlebnisse im Gepäck und schon die nächsten sportlichen Ziele vor Augen: Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge hat erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler der Lebenshilfe Celle im Neuen Rathaus empfangen. Im Celle-Saal würdigte die Stadt ihre Leistungen bei den Special Olympics Nationalen Spielen Saarland 2026. Im Mittelpunkt stand dabei nicht eine lange Festrede, sondern das persönliche Gespräch mit den Athleten.






Nigge zeigte sich stolz auf die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler. Die Stadt habe die Wettbewerbe auch aus der Ferne aufmerksam verfolgt und die Ergebnisse im Ticker mitverfolgt. Mit dem Empfang wollte Celle vor allem eines: Danke sagen – für den sportlichen Einsatz und dafür, dass die Athleten ihre Heimatstadt bei den Nationalen Spielen erfolgreich vertreten haben.
Gleichzeitig wollte Nigge von den Sportlern selbst erfahren, was sie während der Spiele erlebt hatten. Sie berichteten von ihren Wettkämpfen, von besonderen Momenten, aber auch von Herausforderungen vor Ort. Dabei ging es auch um die Frage, wo die Stadt möglicherweise unterstützen kann.
Am Austausch nahmen neben Nigge auch Sebastian Stottmeier, Stadtrat für Soziales und Bildung, sowie Vedat Kadah aus dem Bereich Sport der Stadt Celle teil. Begleitet wurden die Athleten von ihren Trainern. Heike Gergl war für Tischtennis dabei, Caroline Luttermann und Daniel Schönherr für Fußball sowie Jörg Dompke für den Radsport. Kerstin Sauerwald-Weiß, die als Delegationsleitung vorgesehen war, hatte kurzfristig krankheitsbedingt abgesagt.
Gold, Silber, Bronze und starke Platzierungen
Die Bilanz der Lebenshilfe Celle bei den Nationalen Spielen konnte sich sehen lassen.
Im Tischtennis gewann Hans-Walter Glomm Gold. Detlef Steitzer holte Silber, Thomas Kahlo und Florian Zettelmeyer jeweils Bronze. Claudia Ebeling erreichte den vierten Platz.
Für die Fußballmannschaft waren Mark-Aurel Meier, Pascal Rust, John-Peter Kleingeist, Joel Martinan Dominguez, Sebastian Jurgschat, Miguel Keller, Marvin Meischke, Sophie Hamann und Hakan Altunkilinc dabei. Die Celler erreichten unter 35 Mannschaften aus der gesamten Bundesrepublik den siebten Platz. In ihrer Leistungsgruppe bedeutete das die Silbermedaille.
Im Radsport ging Marlene Timme für die Lebenshilfe Celle an den Start. Sie wurde Vierte über zwei Kilometer und Fünfte über fünf Kilometer. Aufgrund ihrer starken Vorlaufzeit wurde sie nach dem Wettkampfreglement in die höchste Startklasse der Männer eingestuft – und behauptete sich auch dort.
Doch Ergebnislisten erzählen nur einen Teil dessen, was die Sportler während solcher Spiele erleben. Die Celler Presse sprach im Vorfeld des Empfangs persönlich mit drei der Athleten. Marlene Timme, Hakan Altunkilinc und Hans-Walter Glomm erzählten dabei auf ihre ganz eigene Art von Erfolgen, Rückschlägen und besonderen Erlebnissen.
Im Gespräch mit der Celler Presse: Marlene Timme
Radfahrerin Marlene Timme hatte eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen. Im Gespräch mit der Celler Presse berichtete sie, dass sie beim Wettbewerb über einen Kilometer disqualifiziert worden sei, weil sie zu schnell gewesen sei.
„Habe ich auch noch nie gehabt, aber ja, das gab es scheinbar“, erzählte Timme.
Ihre Leistungen führten schließlich dazu, dass sie in der höchsten Leistungsklasse antrat. Dort gab es keine Frauen mehr als Konkurrentinnen.
„Dadurch bin ich in die höchste Leistungsstufe eingestuft worden. Und da gab es keine Frauen, also bin ich mit den Herren angetreten.“
Mit Platz vier über zwei Kilometer und Platz fünf über fünf Kilometer behauptete sie sich dort beachtlich. Vor allem der vierte Platz bedeutet Timme viel.
„Auf den vierten bin ich richtig stolz.“
Beim anderen Rennen lief dagegen nicht alles nach Wunsch. „Bei dem fünften habe ich ein bisschen die Kurven nicht gut eingeschätzt und bin ein bisschen ins Rutschen gekommen“, berichtete sie.
Sport macht Timme schon lange. Auf die Frage, seit wann genau, musste sie selbst erst überlegen. Eigentlich, so vermittelte sie, schon seit sie denken könne. Seit mehreren Jahren nimmt sie zudem an größeren Wettbewerben teil und war bereits bei Nationalen Spielen, Landesspielen und internationalen Wettbewerben dabei.
Auch an ihre ersten Nationalen Spiele erinnert sie sich: Silber und zweimal Gold habe sie damals geholt.
Ihr persönliches Erfolgsrezept formulierte sie ganz einfach: „Ich gebe immer mein Bestes.“
Dass die Konkurrenz inzwischen eine andere geworden ist, sieht Timme durchaus mit Stolz: „Jetzt bin ich halt für die Frauen ein bisschen zu stark.“
Im Gespräch mit der Celler Presse: Kapitän Hakan Altunkilinc
Auch Hakan Altunkilinc, Kapitän der Fußballmannschaft der Lebenshilfe Celle, sprach mit der Celler Presse über die Spiele.
Seine erste Bilanz fiel unkompliziert aus: Es sei gut gewesen, sagte er. Über die Silbermedaille habe sich die Mannschaft gefreut.
Für Altunkilinc selbst verliefen die Spiele allerdings nicht ohne Rückschlag. Eine Prellung an der Rippe setzte ihn außer Gefecht.
Auf die Frage, ob für die Mannschaft noch mehr möglich gewesen wäre, musste er nicht lange überlegen. „Ja, wenn ich mitgespielt hätte“, sagte Altunkilinc. Wegen der Rippenprellung habe er nicht mehr spielen können. Aus seiner Sicht wäre sogar der erste Platz möglich gewesen.
Altunkilinc ist ein erfahrener Fußballer. Seit knapp 30 Jahren spielt er nach eigener Aussage bereits. Auch bei großen Wettbewerben ist er seit Jahren dabei und erinnerte sich im Gespräch unter anderem an München, Bremen, Hannover und Düsseldorf.
Früher spielte er zudem beim SV Dicle Celle, inzwischen konzentriert er sich nach eigener Aussage auf den Fußball bei der Lebenshilfe.
Besonders positiv erinnerte sich der Kapitän an die Stimmung innerhalb der Mannschaft und der Celler Delegation. Die Sportler verbrachten auch abseits ihrer eigenen Wettbewerbe Zeit miteinander. Die Fußballer schauten gemeinsam mit anderen Teilnehmern Fußball, oder man traf sich bei den anderen auf dem Zimmer.
„Das war super“, sagte Altunkilinc über den Zusammenhalt.
Ein Erlebnis blieb ihm besonders in Erinnerung: Kinder kamen auf die Celler Fußballer zu und wollten Autogramme haben. „Das war schon sehr gut“, erzählte er.
Gleichzeitig würde er sich wünschen, dass die Wettbewerbe noch mehr Zuschauer erreichen. Bei früheren Veranstaltungen, etwa in Hannover, habe er erlebt, wie die Unterstützung von den Rängen die Mannschaft zusätzlich motivierte.
Ob er sich angesichts der Autogrammwünsche inzwischen wie ein kleiner Star fühle?
„Nee, ich nicht. Ein Star bin ich nicht“, antwortete Altunkilinc. Um dann doch mit gesundem Selbstbewusstsein hinzuzufügen: „Aber ich bin ja schon ein guter Spieler.“
Und trotz der Silbermedaille ist bei den Fußballern noch ein Wunsch offen. Aus den Reihen der Mannschaft hieß es beim Empfang: „Wir warten nur noch auf eine Goldmedaille.“
Die Aussage soll dabei bewusst keinem einzelnen Spieler zugeschrieben werden. Sie steht vielmehr für den Ehrgeiz der Mannschaft.
Im Gespräch mit der Celler Presse: Hans-Walter Glomm
Für Hans-Walter Glomm war der Wettbewerb im Saarland etwas Besonderes. Der Tischtennisspieler wusste, dass es für ihn der letzte große Wettbewerb dieser Art sein würde. Er geht in Rente.
Und ausgerechnet zum Abschluss gelang ihm noch einmal der ganz große Erfolg: Gold.
„Das war der krönende Abschluss“, sagte Glomm im Gespräch mit der Celler Presse.
Vorhersehbar sei der Sieg keineswegs gewesen. Umso größer war die Freude.
Glomm blickt auf eine lange und erfolgreiche Zeit im Tischtennissport zurück. Ein Höhepunkt liegt bereits 15 Jahre zurück: 2011 nahm er an den Special Olympics World Games in Athen teil.
„Da hab ich zwei Goldmedaillen geholt“, erinnerte er sich. Dabei habe er auch gegen zwei chinesische Gegner gewonnen.
An Ehrgeiz mangelt es Glomm bis heute nicht. Mehrere Stunden Training gehören für ihn dazu. Er berichtete davon, freitags durchaus sechs oder sieben Stunden zu trainieren.
Dass er nun in Rente geht und nicht mehr zu diesen großen Wettbewerben fährt, bedeutet allerdings keineswegs, dass er den Tischtennisschläger aus der Hand legt.
Auf die Frage, ob es sportlich nun etwas ruhiger werde, reagierte Glomm sofort:
„Nee, nee, jetzt geht das erst richtig los.“
Er will also weiterspielen und weiter trainieren. Dabei geht es ihm nicht allein um Siege. Auch die Gemeinschaft gehört für ihn zum Sport: trainieren, anschließend zusammensitzen, etwas trinken und gemeinsam Zeit verbringen.
Medaillen und Pokale haben sich bei Glomm über die Jahre ohnehin reichlich angesammelt. Und selbst kurz vor dem Ende seiner großen Wettkampfzeit gelang ihm noch eine Premiere: Bei einem Abschlussturnier, bei dem er nach eigener Aussage zuvor noch nie ein Spiel gewonnen hatte, holte er diesmal den ersten Platz.
Mit dem Gold bei den Nationalen Spielen kam nun ein weiterer besonderer Erfolg hinzu.
Zuhören statt langer Festreden
Die drei Gespräche zeigen, was auch den Empfang im Neuen Rathaus bestimmte: Hinter Medaillen und Platzierungen stehen ganz unterschiedliche Menschen und Erlebnisse.
Nigge wollte deshalb nicht nur Ergebnisse würdigen. Er hörte den Athleten zu, als sie von ihren Erfahrungen berichteten – von schwierigen Rennsituationen, einer Verletzung, überraschenden Erfolgen, Autogrammwünschen und der Gemeinschaft innerhalb der Delegation.
Die Special Olympics Nationalen Spiele Saarland 2026 fanden vom 15. bis 20. Juni statt. Mehr als 4.000 Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung gingen in mehr als 20 Sportarten an den Start.
Für die Lebenshilfe Celle endeten die Spiele mit Gold, Silber und Bronze sowie weiteren starken Platzierungen.
Der Traum von Chile
Und während beim Empfang noch über das Saarland gesprochen wurde, richtet sich der Blick bei einigen Celler Athleten bereits auf die nächste große sportliche Herausforderung.
Florian Zettelmeyer aus dem Tischtennisteam sowie zwei Spieler des Fußballteams haben sich um eine Nominierung für die Special Olympics World Games 2027 in Chile beworben. Eine Entscheidung steht noch aus.
Für sie könnte damit auf die erfolgreichen Nationalen Spiele der Sprung auf die internationale Bühne folgen.
Zum Abschluss des Empfangs gab es zunächst eine kleine Anerkennung aus Celle. Die Sportlerinnen und Sportler erhielten von der Stadt jeweils einen Stadt-Celle-Turnbeutel und eine Trinkflasche.
Vor allem aber war die Einladung selbst als Zeichen der Wertschätzung gedacht. Nigge machte deutlich, dass die Stadt stolz auf die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler der Lebenshilfe Celle ist und ihnen Danke sagen möchte.
Und so ging es an diesem Nachmittag im Rathaus zwar auch um Gold, Silber und Bronze. Noch mehr ging es aber um die Menschen, die diese Erfolge erreicht haben – und um ihre Geschichten.
Redaktion
Celler Presse
Foto: Celler Presse
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