Freitag, 11. September 2026

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„Die Schlossherrin“ – besonderer Spielzeitauftakt im Rahmen der 7. Jüdischen Kulturtage

Das Theaterstück „Die Schlossherrin“ von Lea Goldberg ist ein wichtiger israelischer Klassiker und das einzige Theaterstück der bedeutenden Schriftstellerin. Das Stück wurde von Gundula Schiffer aus dem hebräischen neu übersetzt, und von dem Ensemble der Rimon Productions unter der Regie von Britta Shulamit Jakobi in der Halle 19 in Celle aufgeführt.

Das Stück spielt im Jahr 1947 in einem Land in Europa. Zwei Reisende treffen während eines Unwetters auf ein abgelegenes Schloss mit einem wunderlichen „Schlosswächter“, und bitten um Herberge. Der „Schlosswächter“ gewährt den Beiden widerwillig Einlass, stellt dann aber zwei Schlafplätze zur Verfügung.

Michael, Bibliothekar und Dora, Fürsorgerin bei der Kinder- und Jugendalija, sind zwei Jahre nach der Shoah aus Erez Israel angereist, um geraubte Bücher aus jüdischem Besitz zu suchen und überlebende jüdische Kinder zu finden, um diese anschließend nach Israel zu bringen.

Im Laufe des Abends entwickelt sich ein aufschlussreiches Gespräch zwischen den Gästen und dem „Schlosswächter“. Es stellt sich heraus, dass der „Schlosswächter“ in Wirklichkeit der Graf und ehemalige Eigentümer des Schlosses ist. Das Schloss wurde nach der Enteignung durch die Siegermächte zum Museum umfunktioniert, dessen Wächter er nun war.

Während der Nazizeit ließ er zu, dass die ihm verhassten Nazis in seinem Schloss ihr Hauptquartier errichteten. Der Schlossherr hatte aber alle wichtigen Informationen genutzt, um die Widerstandskämpfer, die ebenfalls in der Nähe des Schlosses lagerten, mit diesen Informationen zu versorgen und die Nazis später an die Siegermächte auszuliefern.

Doch es gibt ein weiteres Geheimnis, das in dem Schloss verborgen ist. Durch Zufall kommt plötzlich ein junges Mädchen zum Vorschein, das völlig verängstigt ist, als sie die Fremden erblickt.

Das Mädchen stellt sich als Lena vor und erzählt, dass der Schlossherr sie auf der Flucht vor den Nazis aufgenommen und versteckt hat. Ihr Familie wurde deportiert und ermordet.

Als Michael und Dora ihr erklären, dass der Krieg nun schon seit zwei Jahren zu Ende ist und sie nicht mehr in Gefahr sei, will Lena das zunächst nicht glauben, der Schlossherr hatte ihr nichts davon erzählt. Sie fühlt sich plötzlich hin- und hergerissen.

Lena ist jetzt frei und könnte sich all ihre Sehnsüchte erfüllen – aber der Schlossherr hat ihr doch das Leben gerettet, sie kann ihn doch nicht einfach verlassen.

Das Kammerspiel „die Schlossherrin“ lässt den Zuschauern viel Raum, um sich in die Gedanken, Haltungen und Handlungen der Figuren einzufühlen, und sie zu interpretieren. Die Spannung in dem Stück wird durchgehend gehalten, lässt den Zuschauer mitfiebern und verblüfft mit Lenas entschlossener Entscheidung am Ende.

Das Bühnenbild schien sparsam, war aber mit einem raffinierten rätselhaften Kleiderschrank ausgestattet, der die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Am Ende dieses bewegenden Theaterabends, der mit viel Applaus endete, gab es noch ein sehr interessantes Publikumsgespräch und ein besonders herzliches Dankeschön des Ensembles von Rimon Productions an das Schlosstheater Celle und dem Stadtarchiv Celle.                                            Ohne diese Kooperation hätte dieser Abend nicht stattfinden können.

Weitere Infos und Termine: www.rimon-productions.de

RolleDarsteller/in
Michael SandHanno Dinger
SchlossherrThomas Krutmann
Dr. Dora RingelBritta Shulamit Jakobi
Lena BrabentYael Anspach
RegieBritta Shulamit Jakobi

Editha Urich
Redaktion Celler Presse
Fotos: Editha Urich