FDP Celle weist Innenstadt-Vorstoß der Unabhängigen zurück: „Kapitulation statt Konzept“
Wer junge Menschen, Familien und ältere Menschen in die Altstadt locken will, aber Dauerparker mit über 1.000 Euro im Jahr abkassiert, hat kein Wohnkonzept – sondern einen Widerspruch, kritisiert FDP-Vorsitzender Björn Espe. Die FDP Celle lehnt den Antrag der Unabhängigen, die Celler Innenstadt zu einem „attraktiven Wohnstandort für alle Altersgruppen“ umzubauen, entschieden ab. „Die Unabhängigen wollen aus unserer Altstadt ein Wohnviertel wie jedes andere machen. Das ist kein mutiges Konzept, das ist Kapitulation vor dem Leerstand“, sagt der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP Celle, Björn Espe.
Die Innenstadt lebe von ihrer besonderen Funktion als Zentrum für Handel, Gastronomie, Kultur und Begegnung – nicht davon, vor allem zum Wohnen da zu sein wie jeder andere Stadtteil auch. „Wenn wir jede leerstehende Fläche vorschnell zu Wohnraum machen, geben wir die Innenstadt als das auf, was sie sein soll: das Herz unserer Stadt“, so Espe. Statt aufzugeben, müsse die Stadt mit voller Kraft gegen den Leerstand kämpfen – mit aktiver Vermarktung, mit der Ansiedlung von Handel und Gastronomie, mit mehr Aufenthaltsqualität und mit echter Verdichtung: Wohnraum in Obergeschossen, Innenhöfen und Baulücken, statt Ladenflächen im Erdgeschoss zu opfern. Gerade jetzt bemühen sich doch alle gemeinsam um die Wiederbelebung des Karstadt-Areals: „Wenn uns das gelingt, brauchen wir in der Innenstadt wieder jede Gewerbeeinheit, die wir bekommen können. Wer davon jetzt leichtfertig Flächen in Wohnungen umwandelt, verbaut sich diese Zukunft“, so Espe weiter.
Besonders scharf kritisiert die FDP die Zielgruppen-Logik der Unabhängigen. Diese wollen ausdrücklich „junge Menschen, Familien, ältere Menschen“ für die Innenstadt gewinnen – Gruppen, die nach Einschätzung von Espe besonders auf ein eigenes Auto angewiesen sind: Familien, die Kinder zum Sportverein bringen oder den Wocheneinkauf erledigen, junge Menschen, die zur Arbeit pendeln, ältere Menschen, die zum Facharzt, ins Krankenhaus oder zur Familie fahren müssen. „Ausgerechnet die Menschen, die am meisten auf ihr Auto angewiesen sind, sollen jetzt dorthin ziehen, wo Parkplätze knapp und teuer sind. Das ist schon für sich genommen naiv“, so Espe.
Vollends unglaubwürdig wird der Vorstoß laut Espe durch die eigene Bilanz der Unabhängigen: Mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Dr. Udo Hörstmann im Aufsichtsrat der Stadtwerke Celle habe die Fraktion in dieser Wahlperiode kräftig an der Preisschraube für Dauerparkplätze gedreht. Wer in der Altstadt wohnen und einen eigenen Stellplatz haben will, zahle dafür inzwischen mehr als 1.000 Euro im Jahr. „Wie soll das zusammenpassen? Erst lässt man über die Stadtwerke genau die Menschen abkassieren, die angeblich in die Innenstadt ziehen sollen – und dann verkauft man ein Wohnkonzept als große Vision für die Altstadt. Das ist Etikettenschwindel“, so Espe.
Die FDP Celle fordert die Unabhängigen auf, ihre eigene Parkpolitik bei den Stadtwerken zu erklären, bevor sie der Verwaltung neue Wohnkonzepte für die Innenstadt vorschlagen. „Erst den Menschen in der Altstadt das Parken madig machen und dann von ihnen verlangen, genau dort einzuziehen – das passt nicht zusammen. Die Altstadt braucht keine Umwidmung in ein x-beliebiges Wohnviertel, sondern eine Verwaltung, die Leerstand konsequent für Handel und Gewerbe aktiviert – und faire Dauerparker-Tarife für alle, die dort leben und arbeiten“, so Espe abschließend.
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