Samstag, 10. Oktober 2026

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Come Together Bergen: Ein Fest für Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde

Mit Musik, Gesprächen und deutlichen Bekenntnissen zu Demokratie und Menschenwürde ist am Samstag rund um die St.-Lamberti-Kirche in Bergen das „Come Together Bergen“ gefeiert worden. Das Wetter zeigte sich dabei zunächst wechselhaft: Zum Auftakt fielen noch einige Regentropfen, anschließend blieb es über weite Strecken trocken. Zahlreiche Akteure aus Kirche, Schule, Gedenkstättenarbeit und Zivilgesellschaft gestalteten gemeinsam ein Programm, das bis in den Abend hineinreichte.

„Wir feiern heute mit ganz unterschiedlichen Menschen, unterschiedlichen Institutionen, die hier zusammengekommen sind“, sagte Pastorin Anna Wißmann von der St.-Lamberti-Kirchengemeinde zur Eröffnung. Gerade diese Unterschiedlichkeit sei gewollt. Man müsse nicht in allen Fragen dasselbe denken, um gemeinsam etwas auf die Beine stellen zu können.

Unter dem Motto „Come Together Bergen“ sollten Menschen miteinander reden, einander zuhören und gemeinsam feiern. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, unterschiedliche Ansichten verschwinden zu lassen. „Wir wollen Unterschiede heute auch überhaupt nicht wegwischen“, betonte Wißmann. Vielmehr gelte es, diese sichtbar und hörbar zu machen und zu lernen, Unterschiede auszuhalten. Ihre Botschaft brachte sie in einem Satz auf den Punkt: „Vielfalt ist kein Fehler im System. Vielfalt ist das System.“

Mit Blick auf die fast 300 Jahre alte Kirche erinnerte die Pastorin zugleich daran, dass der Ort bereits glückliche wie auch schreckliche Zeiten erlebt habe. Sie griff das biblische Wort des Propheten Jeremia auf: „Suchet der Stadt Bestes, denn wenn es ihr wohlgeht, wird’s auch euch wohl ergehen.“

Was einer Gemeinschaft guttue, komme letztlich allen zugute, so Wißmann. Menschenwürde, Freiheit, Sicherheit durch Recht und Gesetz sowie das Recht, die eigene Meinung zu äußern, seien Grundlagen des Zusammenlebens. Ebenso wichtig sei die Bereitschaft, anderen zuzuhören. „Wir profitieren vor allem davon, wenn Menschen nicht übereinander reden, sondern miteinander.“

Bekenntnis zur Verantwortung für die Demokratie

Im Anschluss informierte Thomas Kruse-Strack vom SüdheideBUNDT über das Fest und die verschiedenen Angebote. Neben der St.-Lamberti-Kirchengemeinde und dem SüdheideBUNDT waren weitere Einrichtungen, Gruppen und Initiativen vertreten. Auch die Anne-Frank-Oberschule beteiligte sich: Schülerinnen und Schüler verkauften Kaffee und Kuchen, unter anderem zugunsten ihrer Abschlussfahrt.

Eine zentrale Rolle spielte das „Bekenntnis zur Verantwortung für die Demokratie hier in Bergen“. Nach Angaben von Kruse-Strack hatte der SüdheideBUNDT dieses gemeinsam mit der Partnerschaft für Demokratie bereits im Sommer initiiert. Beim Fest sollten möglichst viele weitere Unterstützer gewonnen werden.

Dazu hing am Glockenturm ein großformatiges Bekenntnis, auf dem sich die Besucher mit ihrer Unterschrift verewigen konnten. Das Plakat soll als Dokument des Festes erhalten bleiben.

Eine ernstere Auseinandersetzung mit den Gefahren für die Demokratie bot eine Ausstellung in der St.-Lamberti-Kirche. Dort wurde an Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 erinnert. Die Besucher waren ausdrücklich eingeladen, sich Zeit für die Ausstellung zu nehmen.

Katja Seybold mit persönlichem Blick auf Sachsen-Anhalt

Zu den Rednerinnen des Nachmittags gehörte Katja Seybold, Historikerin in der Abteilung Forschung und Dokumentation der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Bereits vor ihrem Auftritt erläuterte sie, dass sie in ihrer Rede ihre Arbeit als Historikerin mit ihrer persönlichen Herkunft verbinden wolle.

Seybold ist in Sachsen-Anhalt aufgewachsen, legte dort ihr Abitur ab und studierte dort. Mit Blick auf die bevorstehende Wahl wollte sie deshalb auch die politische Entwicklung in ihrer früheren Heimat und die Vorhaben der AfD thematisieren. Was sich dort politisch entwickele, könne ihrer Einschätzung nach früher oder später auch Auswirkungen auf Westdeutschland haben.

Darüber hinaus kündigte Seybold an, auf die Reaktion von Herrn Dannenberg auf eine Gegendemonstration in Eversen einzugehen. Sie warf ihm vor, in einem Video Fakten zu verdrehen und sich selbst als Opfer darzustellen. Besonders kritisierte sie eine von ihr wahrgenommene Gleichsetzung mit verfolgten Jüdinnen und Juden. „Das finde ich ein Unding und das werde ich hier thematisieren“, sagte Seybold.

„Bergen ist bunt“

Auch Axel Stahlmann stellte das Bekenntnis zur Demokratie in den Mittelpunkt seines Beitrags. Inhaltlich schlug er einen Bogen von der Verabschiedung des Grundgesetzes im Mai 1949 über dessen 75-jähriges Bestehen bis zu einem Bekenntnis zu Demokratie und Menschenwürde.

Dabei erinnerte Stahlmann auch an einen Schulgottesdienst, der in der St.-Lamberti-Kirche stattgefunden hatte. Dort war das Lied „Aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen“ gesungen worden. Genau darin sah er eine Verbindung zum Fest: aufstehen, aufeinander zugehen und voneinander lernen.

Seine Botschaft lautete: „Bergen ist bunt.“ Die verschiedenen Farben und damit die Vielfalt der Menschen sollten gefeiert werden. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, sich gegen eine bestimmte Partei zu positionieren. Im Mittelpunkt stehe vielmehr das gemeinsame Eintreten für Demokratie, Menschenwürde, Freiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit.

Die Beteiligung der Kirchengemeinde sei trotz der kurzfristigen Planung selbstverständlich gewesen. Auch der Kirchenvorstand habe unmittelbar seine Unterstützung signalisiert.

Musik und Begegnungen bis in den Abend

Politische und gesellschaftliche Beiträge wechselten sich während des Festes mit Musik ab. Auf dem Ablaufplan standen unter anderem Purple Monday aus Bergen, Hannah und HannesJo, Annastasia Novos, Coco Aikura sowie weitere musikalische Beiträge. Auch ein Redebeitrag von T. Neumann von der Anne-Frank-Oberschule war vorgesehen.

So verband „Come Together Bergen“ die ernsten Fragen nach dem Zustand und dem Schutz der Demokratie mit einem bewusst offenen und geselligen Fest. Informationsstände, Essen und Getränke, Musik und Gespräche boten Gelegenheit, miteinander in Kontakt zu kommen.

Das wechselhafte Wetter spielte dabei letztlich nur eine Nebenrolle. Entscheidend war die Botschaft, die sich durch die Beiträge des Tages zog: Unterschiedliche Meinungen und Hintergründe gehören zu einer demokratischen Gesellschaft. Sie müssen nicht zur Spaltung führen – solange Menschen bereit sind, miteinander statt übereinander zu reden.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler Presse