Nach gut zwei Jahren: Breite Straße wieder für den Verkehr freigegeben
Nach rund zwei Jahren und vier Monaten Bauzeit ist die Breite Straße heute wieder für den Verkehr freigegeben worden. Mit der umfassenden Sanierung ist die rund 440 Meter lange Straße nicht nur technisch erneuert, sondern auch klimaresilienter, barrierefreier und attraktiver gestaltet worden. Restarbeiten, insbesondere bei den Grünanlagen und der Bepflanzung, werden noch bis Oktober abgeschlossen.




„Es kann sicher kaum jemand sagen, dass es hier nicht schön geworden ist“, sagte Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge bei der Verkehrsfreigabe. „Die Breite Straße war dringend sanierungsbedürftig – sowohl oberirdisch als auch bei der unterirdischen Infrastruktur. Jetzt haben wir beides modernisiert und gleichzeitig mit dem Schwammstadtprinzip Vorsorge für lange Trockenperioden und extreme Niederschläge getroffen.“
Auch der historische Charakter der Straße wurde berücksichtigt. Der denkmalgeschützte Alleecharakter mit Fahrdamm und breiten Seitenbereichen wurde wieder aufgenommen und mit hochwertigen Materialien neu interpretiert. Zehn bestehende Bäume konnten erhalten werden. 57 gefällte Bäume werden durch Neupflanzungen ersetzt; 31 davon sind bereits gesetzt, die übrigen folgen in der Herbstpflanzperiode. Zusätzlich gibt es Ausgleichspflanzungen in der Bultstraße und der Spörckenstraße.
Mehr Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit
Grundlage der Planung war unter anderem eine öffentliche Beteiligung mit verschiedenen Ausbauvarianten. Die mehrheitlich favorisierte Variante wurde umgesetzt. Dabei wurden auch die Interessen der Anliegerinnen und Anlieger sowie der ansässigen Geschäfte und Gastronomiebetriebe berücksichtigt.
„Wir haben eine Straße mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen, die gleichzeitig Durchgangsstraße bleibt“, so Nigge. „Mehr Grün, Freiflächen, Sitzmöglichkeiten und Fahrradbügel, dazu Barrierefreiheit und nahezu genauso viele Parkplätze wie zuvor – all das macht die Breite Straße zu einem deutlich attraktiveren Stadtraum.“
Rund 74 Parkplätze stehen künftig zur Verfügung, zuvor waren es etwa 80. Ergänzt wird der Straßenraum durch 20 Fahrradbügel und drei neue Bänke; eine weitere Bank wird gespendet. Insgesamt wurden rund 3.100 Quadratmeter der Seitenräume mit Klinkerpflaster gestaltet. Die Fahrbahn wurde auf einer Länge von rund 1.800 Quadratmetern erneuert und ist 5,50 Meter breit. Für eine barrierefreie Nutzung sorgen unter anderem Querungshilfen sowie Rippen- und Noppenplatten an der Bahnhofstraße und an der Jägerstraße.
„Städtebauförderung, Straßenbau und Denkmalschutz mussten bei diesem Projekt zusammengebracht werden“, erläuterte Stadtbaurätin Elena Kuhls. „Dabei ging es nicht darum, Fördermittel lediglich zu verbauen. Ziel war es, die Qualität des Quartiers zu verbessern und einen Stadtraum zu schaffen, in dem Menschen sich gerne aufhalten. Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen.“
Schwammstadtprinzip macht die Straße klimaresilient
Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung liegt unter der Oberfläche. Das Regenwasser wird gezielt in die Grün- und Baumstandorte geführt und dort gespeichert. Die neuen Baumrigolen können Wasser aufnehmen und es den Bäumen in Trockenphasen wieder zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wird das Kanalnetz entlastet und das Risiko von Überflutungen bei Starkregen reduziert.
„Wir mussten die Straße so bauen, dass sie mit Starkregen, Hitze und den Folgen des Klimawandels umgehen kann“, erklärte Ulf Pohlmann, Fachbereichsleiter Verkehr und Technische Dienste. „Das Zusammenspiel aus Regenwassermanagement, Grünflächen und speziell ausgebildeten Baumstandorten ist dabei ein zentraler Baustein.“
Insgesamt wurden rund 480 Meter Regenwasserkanal sowie etwa 400 Meter Regenwasseranschlussleitungen erneuert. Neue Straßenabläufe und Entwässerungsrinnen führen Niederschlagswasser gezielt ab. Die Baumstandorte verfügen über Speichermöglichkeiten und Bewässerungssysteme, sodass die Bäume auch während längerer Trockenperioden besser mit Wasser versorgt werden können.
Auch die übrige technische Infrastruktur wurde umfassend erneuert. Dazu gehören rund 350 Meter Schmutzwasseranschlussleitungen sowie 21 neue Straßenbeleuchtungsmasten. Die technischen und gestalterischen Maßnahmen greifen dabei ineinander und tragen zu einer langlebigen und klimaangepassten Straße bei.
Historische Straße neu interpretiert
Die Breite Straße entstand Ende des 17. Jahrhunderts im Zuge der Entwicklung der Westerceller Vorstadt. Ihre Ausgestaltung als geschmückte Allee geht auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Bei der Neugestaltung wurde diese historische Grundkonzeption mit Fahrdamm, Allee und breiten Fußwegen wieder aufgenommen und zugleich an heutige Anforderungen angepasst.
„Ich freue mich sehr, dass dieses Projekt nun fertiggestellt ist“, sagte Oberbürgermeister Nigge. „Mein besonderer Dank gilt allen, die an Planung und Umsetzung beteiligt waren – und ebenso den Anwohnerinnen und Anwohnern, die die Belastungen der langen Bauzeit getragen haben. Das Ergebnis zeigt, dass sich die Mühe gelohnt hat. Diesen Weg wollen wir auch bei den nächsten Projekten weitergehen.“
Der Ausbau der Breiten Straße wurde 2019 als erste große Maßnahme in die Städtebauförderung aufgenommen. Der Planungsbeginn erfolgte 2021, der Baubeginn im Juni 2024. Die Gesamtkosten für Bau- und Nebenkosten belaufen sich auf rund 6,9 Millionen Euro, davon sind etwa 5,5 Millionen Euro förderfähig.
Mit der Verkehrsfreigabe ist die Breite Straße nun wieder vollständig für den motorisierten Verkehr nutzbar. Die noch ausstehenden Pflanz- und Grünarbeiten werden in den kommenden Wochen abgeschlossen. Zusätzlich sollen rund 10.000 Blumenzwiebeln für eine weitere Aufwertung der Grünflächen sorgen.
Und dann noch: Aufatmen bei der Geschäftswelt in der Straße. Wilhelm Pippel von der gleichnamigen Bäckerei zeigte sich erleichtert. In den vergangenen zwei Jahren mussten erhebliche Umsatzeinbußen hingenommen werden. Er hoffe, dass jetzt wieder ausgleichen zu können. Vor seinem Geschäft ist nun auch Stellfläche für Tische und Stühle geschaffen worden, um bei schönem Wetter auch im Freien Kaffeegäste begrüßen zu können. Was lag näher, das heute gleich in die Tat umzusetzen, zumal die Straßenfreigabe direkt vor seinem Geschäft stattfand und sich auch eine große Anzahl von Interessierten eingefunden hatte, um das langersehnte Ereignis der Eröffnung zu erleben.
Zusammenfassung des Projekts:
| Bauzeit | 2 Jahre und 4 Monate mit Restarbeiten (einschließlich Oktober 2026) |
| Kosten | Gesamtkosten Baukosten + Nebenkosten (Planung, Gutachten, Vermessung, Ausgleichsmaßnahmen, etc…) belaufen sich auf rund 6,9 Mio. €, davon sind ca. 5,5 Mio. € förderfähig. |
| 2019 | Aufnahme in die Städtebauförderung – erste große Maßnahme Breite Straße |
| 2020 | Baumgutachten |
| 2021 | Planungsbeginn Breite Straße Öffentliche Infoveranstaltung + Online Umfrage (wegen Corona) |
| 2022 | Vorstellung im Rat Absprache mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege Die Breite Straße entstand Ende des 17. Jahrhunderts mit der Entwicklung der Westerceller Vorstadt.Die Ausgestaltung als geschmückte Straße mit Allee geht auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Die Grundkonzeption der Straße mit Fahrdamm, Allee und breiten Fußwegen wurde wieder aufgenommen, mit hochwertigen Materialien und unter Berücksichtigung des historischen Umfelds. |
| Juni 2024 | Baubeginn & Sperrung „Erster Bauabschnitt – Bahnhofstr. bis Einmündung Schackstraße“. |
| Ca. 440 m | Ausbaulänge – aufgeteilt in 3 Bauabschnitte |
| Ca. 1.800 m² | Fahrbahnerneuerung – Fahrbahnbreite 5,50 m |
| Ca. 3.100 m² | KlinkerpflasterGestaltung der Seitenräume |
| Ca. 74 | Parkplätze sind geschaffen worden – ca. 80 Parkplätze vorher |
| Ca. 480 m | Erneuerung Regenwasserkanal + 400 m Regenwasseranschlussleitungen |
| Ca. 350 m | Schmutzwasseranschlussleitungen |
| Straßen-entwässerung | Neue Straßenabläufe + Entwässerungsrinnen in den Gehwegen verbaut |
| Straßen-beleuchtung | 21 neue Straßenbeleuchtungsmasten |
| barrierefreie Gestaltung | Querungshilfen sowie Rippen- und Noppenplatten im Bereich der Lichtsignalanlage Bahnhofstraße und an der Jägerstraße. |
| Bänke | 3 Bänke + 1 = wird von Herrn Reinstorf gespendet |
| Fahrradbügel | 20 Stück auf die Länge der Straße verteilt |
| Bäume (67 in der Straße) | 10 Alt-Bäume konnten erhalten bleiben + 57 Neupflanzungen (Tilia intermedia = Holländische-Linde) – bereits 31 gepflanzt, der Rest wird in der Herbstpflanzperiode eingesetzt (57 wurden gefällt – 1:1 ersetzt). Zusätzliche Ausgleichspflanzungen in der Bultstraße + Spörckenstraße. |
| Grünfläche | Es werden noch 10.000 Blumenzwiebeln angeschafft, die von Februar bis Mai blühen. |
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler Presse
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