Samstag, 10. Oktober 2026

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Kommunalwahl 2026: Flader und Nigge wiedergewählt – vier Stichwahlen im Landkreis

Die beiden wichtigsten Personalentscheidungen des Kommunalwahlabends im Landkreis Celle sind gefallen: Axel Flader (CDU) bleibt Landrat, Dr. Jörg Nigge (CDU) Oberbürgermeister der Stadt Celle. Während bei den Direktwahlen am späten Abend vielerorts bereits Klarheit herrschte, dauerte die Auszählung für Kreistag, Stadtrat und die weiteren kommunalen Vertretungen noch an. Bei den Wahlveranstaltungen der Parteien mischten sich deshalb am Sonntagabend Jubel, Anspannung und vorsichtige erste Bewertungen.

Bei der Landratswahl setzte sich Amtsinhaber Axel Flader mit 55,8 Prozent durch. Er erhielt 51.292 Stimmen. Grünen-Kandidat Olaf Schauer kam auf 22,3 Prozent, der Einzelbewerber Thomas Wamser auf 21,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,2 Prozent.

Bei der CDU wurde Flader bereits gratuliert, als noch nicht sämtliche Ergebnisse vorlagen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Jörn Schepelmann sah angesichts der ausgezählten Wahlbezirke einen eindeutigen Trend. Wenig später bestätigte sich die Einschätzung.

Flader dankte seiner Familie und seinen Unterstützern und blickte bereits auf die kommenden Jahre. Er freue sich, „in den nächsten acht Jahren hier die Geschicke des Landkreises weiter zu gestalten“. Dabei wolle er weiterhin Menschen zusammenführen. Seine Botschaft für die kommende Amtszeit fiel knapp aus: „Wir krempeln uns die Ärmel hoch und machen weiter.“

Deutlich zurückhaltender gab sich zunächst Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge. Obwohl seine Führung schon klar erkennbar war und in seinem Umfeld bereits von einer Wiederwahl gesprochen wurde, wollte Nigge den Wahlausgang noch nicht vorwegnehmen. „Sieht gut aus bisher“, sagte er, wolle aber das Endergebnis abwarten.

Kurz nach 22 Uhr war auch diese Zurückhaltung überholt: Nach Auszählung aller 97 Gebiete kam Nigge auf 65,3 Prozent und 21.083 Stimmen. Seine Herausforderin Karin Abenhausen erreichte 34,7 Prozent und 11.209 Stimmen. Die Wahlbeteiligung in der Stadt Celle betrug 62,1 Prozent.

Klare Entscheidungen – und vier Stichwahlen

Auch in mehreren Städten, Gemeinden und Samtgemeinden des Landkreises wurden am Sonntag die Verwaltungsspitzen gewählt.

In Bergen setzte sich Claudia Dettmar-Müller mit 69,2 Prozent gegen Kees Bouma (AfD, 19,1 Prozent) und Christina Zöllner (11,7 Prozent) durch. In Hambühren gewann Einzelbewerber Carsten Kranz mit 68,0 Prozent gegen Andreas Falk von der WG NUFO Hambühren mit 32,0 Prozent.

Deutlich fiel die Entscheidung auch in Südheide aus: Katharina Ebeling (CDU) erreichte 71,2 Prozent, Frank Huchler (WAS) 28,8 Prozent. In der Samtgemeinde Wathlingen setzte sich Claudia Sommer (UWG) mit 73,4 Prozent gegen Axel Kernbach (SPD) mit 26,6 Prozent durch.

In Flotwedel stand mit Miriam Schmidtke (CDU) nur eine Bewerberin zur Wahl. 68,1 Prozent der gültigen Stimmen entfielen auf „Ja“, 31,9 Prozent auf „Nein“. Auffällig war dort eine Wahlbeteiligung von 74,7 Prozent.

Nicht überall fiel die Entscheidung bereits am Sonntag. In vier Kommunen kommt es zu Stichwahlen. In Faßberg treten Kerstin Speder, die im ersten Wahlgang 44,0 Prozent erreichte, und Florian Hemme (CDU, 29,1 Prozent) erneut gegeneinander an. In Wietze geht Amtsinhaber Wolfgang Klußmann (CDU) mit 44,1 Prozent gegen Alexander Frank mit 40,1 Prozent in die Stichwahl.

In Winsen (Aller) stehen sich Burkhard Hoppenstedt (CDU, 46,5 Prozent) und Olav Mangels (SPD, 38,1 Prozent) erneut gegenüber. In der Samtgemeinde Lachendorf erreichte Christian Gutsche 39,2 Prozent, Volker Darkow 32,1 Prozent. Auch dort fällt die Entscheidung erst im zweiten Wahlgang.

Abenhausen: „Brücken bauen statt Gräben zu schaufeln“

Während Nigge seine Wiederwahl feiern kann, zog Karin Abenhausen aus ihrem Abschneiden einen politischen Schluss. Schon während der laufenden Auszählung verwies sie darauf, dass ungefähr jede dritte Stimme auf sie entfalle. Das vorläufige Ergebnis von 34,7 Prozent bestätigte diese Einschätzung.

Für Abenhausen war vor allem wichtig, dass die Cellerinnen und Celler bei der Oberbürgermeisterwahl tatsächlich eine Auswahl hatten. Das Ergebnis sei zugleich ein Signal eines erheblichen Teils der Wählerschaft, der sich eine andere Stadtpolitik wünsche.

Für die kommenden Jahre forderte sie eine andere Form der politischen Zusammenarbeit: Man müsse „aufeinander zugehen, Brücken bauen statt Gräben zu schaufeln“. Natürlich trete niemand zu einer Wahl an, um zu verlieren. Das Abschneiden wertete sie dennoch auch deshalb als Erfolg, weil sie als politische Seiteneinsteigerin gegen einen etablierten Amtsinhaber angetreten war.

Schauer sieht Auftrag für die Grünen

Auch Olaf Schauer, der bei der Landratswahl 22,3 Prozent erreichte, zeigte sich trotz Fladers Wiederwahl nicht enttäuscht. „Ich sehe das Ergebnis als starkes Ergebnis für unsere Themen“, sagte der Grünen-Kandidat.

Er verwies darauf, dass die beiden Herausforderer Fladers zusammen mehr als 40 Prozent der Stimmen erreicht hätten. Für ihn zeige dies, dass es im Landkreis unterschiedliche politische Vorstellungen gebe, die sich auch künftig in der politischen Arbeit wiederfinden müssten.

Mit Blick auf die ersten Zahlen der Kreistagswahl mahnte Schauer allerdings zur Vorsicht. Sollten sich Verschiebungen zugunsten der AfD im endgültigen Ergebnis bestätigen, müsse dies die demokratischen Parteien beschäftigen. Schauer warb dafür, Sachpolitik stärker in den Mittelpunkt zu stellen und bei kommunalen Fragen lösungsorientiert zusammenzuarbeiten.

Zwischen Jubel und langem Warten

Denn während bei den Direktwahlen nach und nach Gewissheit herrschte, war der Wahlabend für die Parteien damit längst nicht beendet. Die Auszählung von Kreistag, Stadtrat, Gemeinde- und Samtgemeinderäten sowie Ortsräten zog sich bis in den späten Abend.

Bei der AfD war die Erwartung bereits kurz nach Schließung der Wahllokale groß. Carsten Lapusch hatte nach einem aus seiner Sicht intensiven sechswöchigen Wahlkampf ein deutlich besseres Abschneiden als 2021 als Ziel ausgegeben. Damals hatte die Partei im Celler Stadtrat 7,8 Prozent erreicht. „Alles, was 15 plus ist, wird uns zufrieden machen“, sagte er zu Beginn des Abends.

Lapusch zeigte sich dabei zuversichtlich, ohne die Erwartungen mit Ergebnissen der AfD in ostdeutschen Bundesländern gleichzusetzen. Celle sei damit nicht vergleichbar. Die ersten Zwischenstände am späteren Abend deuteten allerdings darauf hin, dass die AfD tatsächlich deutlich zulegen könnte. Ein endgültiges Ergebnis lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Bei der Wählergemeinschaft Celle herrschte am Abend eine erwartungsvolle Stimmung. Kai Peters sprach nach einem langen und intensiven Wahlkampf von „freudiger Spannung“ und gespannter Erwartung auf die Ergebnisse. Für die WG sei die Wahlbeteiligung zugleich eine Bestätigung dafür, dass sich der Einsatz der vergangenen Monate gelohnt habe. Peters stellte dabei den Anspruch der Wählergemeinschaft heraus, „Sachpolitik statt Parteipolitik“ zu betreiben.

Torsten Schoeps richtete den Blick zugleich auf den demokratischen Wettbewerb insgesamt. Entscheidend sei, dass die Bürger bei den Direktwahlen tatsächlich zwischen unterschiedlichen Bewerbern wählen konnten. Auch die Ergebnisse von Flader und Nigge seien zu respektieren. Peters brachte es auf eine einfache Formel: „Der Wähler hat gesprochen und der Wähler ist nun mal unser Meister.“

Linke hofft auf Fraktionsstärke

Zurückhaltend zeigte sich am Abend zunächst Die Linke. Kreisvorsitzende Behiye Uca und ihre Stellvertreterin Leni Greiner verwiesen darauf, dass zu diesem Zeitpunkt noch zu wenige Ergebnisse vorlagen, um das Abschneiden abschließend zu bewerten.

Uca hoffte insbesondere darauf, dass Die Linke Fraktionsstärke erreicht und künftig mehr junge Menschen in den kommunalen Vertretungen sitzen. Die Partei habe bewusst zahlreiche jüngere Kandidatinnen und Kandidaten aufgestellt. Als zentrales politisches Thema sieht sie weiterhin die soziale Frage.

Mit Blick auf mögliche veränderte Mehrheitsverhältnisse betonte Uca zudem die Verantwortung der demokratischen Parteien zur Zusammenarbeit. Erst wenn die Ergebnisse vollständig vorlägen, könne seriös bewertet werden, welche politischen Konstellationen sich daraus für Stadt und Landkreis ergeben.

Genau darin lag am späten Sonntagabend der Unterschied zwischen den beiden Teilen dieser Kommunalwahl: Bei vielen Direktwahlen waren die Entscheidungen bereits gefallen. Bei der politischen Zusammensetzung der Räte war das letzte Wort dagegen noch lange nicht gesprochen.

Stand: 13. September 2026, kurz nach 22 Uhr. Bei den Direktwahlen handelt es sich um die am Wahlabend veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse beziehungsweise vollständigen Auszählungsstände. Die Auszählung der Vertretungswahlen dauerte zum Berichtszeitpunkt teilweise noch an.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler Presse

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