Gedo ist tot

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CELLE. Mit dem Beschluss, einen Verfahrenswechsel einzuleiten, wollte die Stadt das Zepter selbst in die Hand nehmen. Bei dem Wechsel von einer Angebotsplanung zu einem vorhabenbezogenen B-Plan wollte die Stadt eigene Zielvorstellungen sicherstellen. Hätte sich der Investor darauf eingelassen, hätte er einen entsprechenden Antrag innerhalb der nächsten vier Monate stellen müssen. So wurde es vom Rat beschlossen. Und genau das wollte der Investor nicht. 

Nach jahrelangem Ringen um/gegen und für Gedo bahnt sich eine neue Planungsära an. Der Rat ist einer Entscheidung des Verwaltungsausschusses gefolgt als logische Folge der offenen Fragen zu dem Center. Selbst die CDU konnte sich letztlich den Tatsachen nicht verschließen, zumal Fragen zur Verkaufsflächenstruktur, die Öffnung der Heeringgasse und die Sicherung der Ergebnisse des Architektenwettbewerbs strittig waren. Aber auch die lange avisierten Ankermieter konnte der Investor nicht benennen: Elektronikfachmarkt, junge Mode und Lebensmittelvollversorger. Aus diesem Grund wurde vom Rat der Verfahrenswechsel favorisiert, der dem Investor unter geänderten Bedingungen die Weiterverfolgung des Projekts ermöglicht hätte. Aber nur einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan können die städtebaulichen Vorstellungen der Stadt dauerhaft gesichert werden. Das war ein Kernpunkt im Hinblick auf eine zu erwartende Rechtsnachfolge des Investors, der bereits eine Verkaufsabsicht hat durchblicken lassen. Im Endeffekt hat sich Gedo auch selbst durch nicht eingehaltene Zusagen ins Abseits gestellt. Die Centergegener der Initiative Pro Altstadt verfolgten die nun alles entscheidende Ratssitzung mit großer Aufmerksamkeit und letztlich mit Genugtuung. Ob die Aktivitäten der Initiative zu der Entscheidung mit „Todesfolge“ beigetragen haben, ist eher unwahrscheinlich. 

In der Ratssitzung haderte die FDP mit der Verfahrensweise. Joachim Falkenhagen: „Dass der neue Weg wahrscheinlich der richtige ist, akzeptieren wir auch und wir werden diesen Beschlussvorschlag mittragen. Aber es gibt gewisse Zumutbarkeitsgrenzen, was den Investor betrifft. Aus unserer Sicht hätte sich die Verwaltung zu Beginn die Frage nach dem Verfahren stellen sollen und nicht erst heute. Man hätte heute Ergebnisse haben können, wenn man Fachleute von außen gefragt hätte, aber das ist hier schlecht gelaufen.“ 

Damit handelte er sich die Kritik von Georgia Langhans (Grüne) ein, die auf „gravierende Fehler“ im B-Plan und auf Briefe des Investors verwies, in denen er durchblicken ließ, dass er sich auf einen neuen Plan nicht einlassen werde. „Was Sie hier machen, ist nur eine elegante Lösung, aus dem Vorhaben auszusteigen. Warum wollen wir das Verfahren künstlich verlängern und damit andere Investoren noch länger hinhalten? Wir werden dem neuen Verfahrenswechsel nicht zustimmen. Die Zeit können wir anders besser verwenden. Jürgen Rentsch (SPD) wetterte: „Es war eine Frechheit, uns ein gescheitertes Kaufhaus als Ankermieter zu präsentieren. Wie soll man da dem Investor vertrauen, auch wenn er das immer wieder betont? Was nützt ein guter Vertrag mit Gedo, wenn er nach dem Bau gar nicht mehr der Betreiber ist?“ 

Nach lebhafter Diskussion, an der sich alle Fraktionen beteiligten, wurde ein Beschluss zum Verfahrenswechsel gefasst, auf den der Investor spontan reagierte. Damit ist das Thema Gedo am Ende. Aber nicht das Thema Altstadtgalerie, in welcher Konstellation auch immer. Wie sagte doch Georgia Langhans: „Andere Investoren warten darauf, dass eine Entscheidung fällt.“ Ein Aus für Gedo sei die Zeit, um in andere Planungen einzutreten. 

Joachim Falkenhagen

FDP: Altstadtgalerie ist gestorben
Mit unserem in der Ratssitzung vom 04.11.2010 gestellten Ergänzungsantrag
„Der Rat erklärt seine grundsätzliche Bereitschaft einen Vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu verabschieden, der den Zielvorstellungen und Bedingungen der Grundsatzerklärung des Rates der Stadt Celle zur Errichtung der Altstadtgalerie vom 12.02.2009 entspricht.“ 

wollten wir für Bürger, Verwaltung und Investor Vertrauen schaffen. Wer investiert schon, wenn er nicht von der Realisierung eines Vorhabens ausgehen kann! Dies haben SPD und Wählergemeinschaft abgelehnt und damit deutlich gemacht, dass sie das Investitionsvorhaben „Altstadtgalerie“ verhindern wollen. Damit wird das „Oberzentrum Celle“ wieder einmal nicht mit Leben ausgefüllt. Junge und junggebliebene Verbraucher werden enttäuscht, weil Celle in alten Strukturen verharren muss. Die Anziehungskraft der Stadt Celle wird nicht gestärkt, sondern im Verhältnis zu anderen Städten geschwächt.
Die Altstadtgalerie ist am Donnerstag gestorben. Zurück bleibt eine städtebauliche Brache mitten in der Innenstadt, Gutachten, die im Keller verschwinden und ein verheerender Ruf der Stadt bei Investoren. Wer wird hier noch investieren, wenn Investoren so behandelt werden?
Die FDP wird sich auch ohne eine Centerlösung weiterhin für die Entwicklung der Altstadt engagieren.

Bernd Zobel

Ein guter Tag für Celle: Das Kapitel Gedo- Altstadtgalerie ist zugeklappt. Dieses Projekt hatte sich aufgrund zahlreicher Mängel und offener Frage selbst ins abseits gestellt. Das Versprechen, bis Ende September ein Mieterkonzept vorzulegen, wurde nicht eingehalten, das Verkehrsgutachten war dilettantisch und die geplante Fassade hätte nach Ansicht des Landesamtes für Denkmalpflege massiv in das Stadtbild eingegriffen. Der Vorwurf von Gedo und der FDP, es sei „kein Verlass auf Politik und Verwaltung“ entbehrt daher jeglicher Grundlage. Die Aussage von Gedo von den „weiteren Investoren, die Millionenbeträge in Celle investieren wollten“, verwundert, hierbei dürfte es sich wohl mehr um „heiße Luft“ des Investors und des möglichen Betreibers handeln, denn Namen wurden nie genannt. Diese Entscheidung wird entgegen der Ankündigung von Gedo und der FDP keine negativen Folgen für Celle haben, wenn alle Akteure, nämlich der Einzelhandel, die Verwaltung und die Politik, die Situation als Chance begreifen, notwendige Innenstadtprojekte wie die Ansiedlung von Unterhaltungselektronik, Lebensmittel, junge Mode und Sportartikel voranzutreiben. Auf Worte müssen jetzt weitere Taten folgen. Danken wollen wir allen Gruppen und Akteuren der Celler Innenstadt, die zu dieser Entscheidung beigetragen haben.

Redaktion
Celler Presse 





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