Kälte, die aus der Tiefe kommt

CELLE. Davon träumt jeder: Einsparung von Stromkosten von 80 – 95 %. Die Geothermie soll’s möglich machen. Mit einer innovativen Technologie, die sich das Grundwasser von 14 – 16 ° C zunutze macht, wird die Kälte in die zu kühlenden Räume und Anlagen geleitet und macht Klimaanlagen überflüssig. Und das System selbst benötigt nur einen Bruchteil an Strom für den Betrieb der Zirkulationspumpen. 

Jörg Krueger, Geschäftsführer der Firma DELTA plus Datensysteme, und Dirk Wietfeld, Geschäftsführer der Firma Celler Brunnenbau, stellten ihr System bei einer Pressekonferenz im Neuen Rathaus vor. Das System zielt zunächst auf die Kühlung von Serverschränken und Rechenzentren. Und das trifft exakt die Problemlage im Celler Rathaus. In diesem Jahr habe es im heißen Sommer zwei Notsituationen gegeben, erläuterte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende. Ein Ausfall der Dienstleistungen sei undenkbar. Da die Geoenergie eng mit der Stadt verbunden sei, wolle die Stadt als Metropolregion mit dem Vorzeigeobjekt federführend sein und auch damit nach außen werben. Um dauerhaft Geld zu sparen, sei die Stadt bereit, Überlegungen für Wärme und Kühlung in Geothermietechnologie für das gesamte Rathaus anzustellen. 

Unter das Motto: „Nicht nur Reden sondern Handeln“, stellte die Erste Stadträtin Susanne Schmitt das weitere Vorgehen. Mit den Fachfirmen sollte nun deutschlandweit für diese Technologie geworben werden. Ein erster Schritt für Celle sei nun, eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen, die etwa 10 bis 15.000 EURO kosten werde; dafür stünden jedoch zum Teil Clustermittel zur Förderung des Projekts zur Verfügung. Stadtbaurat Mathias Hardinghaus bezeichnete das Projekt als „verfolgenswert und ehrgeizig“. 

Dirk Wietfeld berichtete, er betreibe in der eigenen Firma eine Anlage des geothermischen Kühlsystems, die sich nach zwei Jahren bereits amortisiert habe. Konventionell müsse man von einer Amortisation in sechs bis sieben Jahren ausgehen. Jörg Krueger bezeichnete das System als „grünes Projekt“. So steige der Energiebedarf im IT-Bereich ständig; einerseits für die IT-Komponenten, aber auch für die Begleitkomponenten wie Licht und Kühlung. Man könne mit dem geothermischen Kühlsystem die Relation der Verbraucher-Komponenten Rechner zu Licht und Kühlung vom Faktor 2 auf 1,05 senken. Die Anlage laufe wartungsfrei und völlig geräuschlos, da es nur ein geringes Volumen zu kühlen gebe, nämlich direkt in den Serverschränken. 

Spezielle Erdsonden werden bis zu 120 Meter in das Erdreich eingebracht, um die von Jahreszeiten unabhängige Temperatur des Grundwassers von 14 – 16 ° nutzen zu können. Evtl. stoße man auch auf Temperaturen von 11 °. Das Wasser wird dabei weder abgepumpt noch in irgendeiner Weise verschmutzt; es dient lediglich als kühlende Umgebung für das einzubringende Rohrsystem, in dem eine Spezialflüssigkeit mit Zirkulationspumpen in Umlauf gebracht wird. Ansonsten handele es sich um ein geschlossenes System. An den Serverschränken werden Wärmetauschermodule installiert, über die die Kühlluft von vorn auf die Server zugeführt wird. Eine Gefahr für die IT-Geräte durch wasserführende Komponenten bestehe dadurch nicht. Auch nicht im Fall einer Leckage. Weder hohe Außentemperaturen noch Frost können dem System etwas anhaben. Im letzten Winter konnte der Nachweis mit der Pilotanlage erbracht werden. 

Mit diesen Vorkenntnissen wird nun eine Machbarkeitsstudie veranlasst, die etwa sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen wird. Erstes Projekt im Rathaus ist das Rechenzentrum, weiterhin wird ins Auge gefasst, das Rathaus mit zu klimatisieren. Die Realisierung für das Rechenzentrum soll bereits 2011 erfolgen. Die Bauzeit wird etwa acht Wochen dauern. Wo genau die Bohrungen hinkommen werden, müssen noch weitere Untersuchungen ergeben. Bislang gilt: im Umfeld des Rathauses. Derzeit geht man von vier bis sechs Bohrungen aus. Die Gesamtkosten sind mit 140.000 EURO (Machbarkeitsstudie und Realisierung) veranschlagt. Ob das Geld tatsächlich dafür ausgegeben wird, werden die Haushaltsberatungen ergeben. 

Redaktion
Celler Presse 

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