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CELLE. Der Disput zwischen der Stadt Celle und den CDU-Landtagsabgeordeten Thomas Adasch und Karl-Heinrich Langspecht geht in die nächste Runde. Im Schlagabtausch hatte zuletzt die SPD-Fraktion im Stadtrat den beiden Abgeordneten „blinden Gehorsam gegen die Stadt“ und „Interessenvertretung der Bahn“ vorgeworfen. Noch im Jahre 2008 hatten sie, so lautet ein weiterer Vorwurf, im Windschatten des damaligen CDU-Oberbürgermeisters Martin Biermann durch den Bau der Y-Trasse Nachteile für Celle gesehen. 

Diesen Sinneswandel bestreiten Adasch und Langspecht: „Unsere heutigen Aussagen stehen zu denen aus dem Jahre 2008 in keinem Widerspruch. Zwischenzeitlich ist die Ausgangslage eine andere. Zum einen hat uns Bahnchef Dr. Rüdiger Grube nun genau das schriftlich zugesagt, was wir seinerzeit eingefordert haben. Zum anderen ist die DB aufgrund des Bedarfs im Güterverkehr von der bisherigen Planung abgerückt, die Y-Trasse primär für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu nutzen.“ 

Völlig falsch sei zudem die Aussage aus SPD-Kreisen, dass Landrat Klaus Wiswe gegen die Y-Trasse opponiere. Genau das Gegenteil sei der Fall. „Herr Wiswe hat sich unseren Ausführungen angeschlossen und erteilt einer Resolution zum jetzigen Zeitpunkt eine klare Absage“, so Thomas Adasch. 

Das Verkehrsministerium versuchte nun in einem Schreiben von Minister Bode an den ehemaligen Stadtdirektor Burchard im Oktober 2010 die Vorteile der Y-Bahnstrecke für Celle und die weiteren Städte Lüneburg und Uelzen darzulegen. (Der Briefentwurf liegt WCb vor): 

„Der Planung der Y-Trasse liegt von Anfang an ein Konzept zugrunde, das eine Nutzung sowohl für den Hochgeschwindigkeitsverkehr wie auch für den Güterverkehr vorsieht. In erster Linie war eine überwiegende Nutzung für den Hochgeschwindigkeitsverkehr am Tag und für den Güterverkehr in der Nacht vorgesehen. Da im Laufe der Zeit die Bedeutung der Trasse für den Güterverkehr gegenüber der Bedeutung für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zugenommen hat, sollen nun bei der Planung größere Kapazitäten für den Güterverkehr ermöglicht werden, so dass auch am Tag mehr Güterzüge die Y-Strecke passieren können. 

Aus dieser Situation sind aus meiner Sicht folgende Rückschlüsse für die Städte Celle, Uelzen und Lüneburg zu ziehen: 

1. Die Y-Strecke entlastet die Altstrecke vom Güterverkehr, da er dann auf beide Strecken verteilt verkehren wird. Hierdurch wird die Lärmbelastung gesenkt. Die Prognose der DB ging 2008 von 151 bis 224 Güterzügen aus, die 2015 pro Tag die heutige Strecke Hannover – Hamburg befahren, wenn die Y-Strecke dann in Betrieb wäre. Ohne Y-Strecke geht die Prognose von 211 bis 284 Güterzügen pro Tag aus. D.h. die Y-Trasse führt zu einer Verringerung von täglich 60 Güterzügen auf der heutigen Strecke. 

2. Die Verteilung des Güterverkehrs auf zwei Strecken führt zu einer Verbesserung der Betriebsqualität. Schon heute ist der Fahrplan aufgrund der hohen Streckenbelastung störungsanfällig. Angesichts der prognostizierten Zugzahlen kann eine gute Betriebsqualität auf der Strecke Hannover – Hamburg nur durch die entlastende Wirkung der Y-Strecke erreicht werden. 

3. Die Y-Strecke macht auf den heute vorhandenen Strecken insbesondere Platz für den Regionalverkehr. Die vorhandenen Engpässe führen bereits heute zu Schwierigkeiten, Trassen langfristig für den Schienenpersonennahverkehr zu sichern. Bislang konnten alle Wünsche der Länder Niedersachsen und Hamburg bei der Trassenplanung berücksichtigt werden. Angesichts der prognostizierten Zugzahlen sind hier ohne Y-Strecke Konflikte zwischen Regionalverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr absehbar, die durchaus zu Lasten der Regionalverkehre ausgehen können. 

4. Die ICE-Züge werden über die Y-Strecke fahren, um eine möglichst kurze Fahrzeit zwischen den Metropolen Hannover und Hamburg, bzw. Bremen zu erreichen. Diese Planungen stellen keinen Nachteil für die von Ihnen genannten drei Städte dar, da diese Orte ohnehin auch heute keine Systemhalte des ICE-Netzes sind. 

5. Die IC-Züge sollen nach bisheriger Information weiterhin auf der Altstrecke verkehren und die Halte Celle, Uelzen und Lüneburg auch weiterhin bedienen. Somit ist auch an dieser Stelle keine Veränderung zu erwarten. 
Änderungen bei der Gestaltung des IC-Netzes durch die DB, wie sie in den letzten Jahren vorkamen, werden von der DB unabhängig von Neubauvorhaben durchgeführt. Die Landesregierung ist mit der DB im ständigen Kontakt, um zu erreichen, dass möglichst viele Orte in Niedersachsen einen direkten Fernverkehrsanschluss aufweisen.“ 

Noch Anfang des Jahres verlautete von der Deutschen Bahn:
„Die Bedeutung der Y-Trasse als Nord-Süd-Verbindung ergibt sich vorrangig aus dem Bedarf einer gesonderten Linienführung für den Hochgeschwindigkeitspersonenverkehr. Durch die Entmischung der schnellen und langsamen Verkehre wird die Kapazität der vorhandenen Strecken – insbesondere für den Güterverkehr – in erheblichem Maße gesteigert: Für jeden auf die Y-Trasse verlagerten ICE-Zug können etwa zwei Güterzüge auf der bestehenden Strecke Hamburg – Uelzen – Celle zusätzlich verkehren.“ 

Das Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geht auf die von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende vorgebrachten Argumente ein:
„Der Vorwurf von Oberbürgermeister Mende, durch die Y-Strecke sind mehr Güterzüge auf der Altstrecke zu erwarten, ist nicht berechtigt. Die aktuellen Planungen der DB gehen von einer Anzahl von 60 Güterzügen pro Tag aus, die ohne Y-Strecke mehr auf der Altstrecke verkehren würden. Ohne Y-Strecke werden die Belastungen durch den Güterverkehr in Celle also ohne Zweifel anwachsen. Insofern müsste sich Celle eigentlich für eine schnelle Realisierung der Y-Strecke stark machen. 

Die aus dem Ministerschreiben abgeleitete Schlussfolgerung, Celle werde durch die Y-Strecke vom Fernverkehr abgehängt, trifft ebenfalls nicht zu. Dieses bestätigt auch die zitierte Zusage von Bahn-Vorstandschef Grube, wonach keine Änderungen beim Fernverkehr zu erwarten sind. Das heißt, auf der Altstrecke ist weiterhin eine Bedienung mit IC-Zügen vorgesehen und die ICE-Züge fahren ohne Halt in Celle. Die heute praktizierte Ausnahme, dass werktäglich morgens zwischen 4 und 5 Uhr in Richtung Hannover und zwischen 0 und 1 Uhr in Richtung Hamburg jeweils ein ICE hält, bleibt entsprechend der Zusage von Herrn Grube demnach weiter bestehen. Aus dieser weiterhin zugesagten nächtlichen ICE-Bedienung ist erstens keine heutige systematische Anbindung von Celle an das ICE-Netz erkennbar und ist zweitens keine Verschlechterung bei Verlagerung der ICE-Züge auf die Y-Strecke ableitbar. 

Es ist schade, dass die im Ministerschreiben aufgezeigten Vorteile der Y-Strecke für die Stadt Celle aufgrund von

  • geringerem Güterverkehr,
  • mehr Kapazitäten für den Regionalverkehr und
  • einer deutlich höheren Pünktlichkeit der Züge wegen der besseren Betriebsqualität

bei gleichzeitig gleichbleibender Fernverkehrsbedienung nicht gesehen werden.“ 

Unterm Strich soll es nicht so schlimm kommen, wie es sich zunächst anhörte, wenn es denn so kommt. Allerdings muss die teilweise Verlagerung des Güterverkehrs auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke weiterhin skeptisch gesehen werden. 

Redaktion
Celler Presse 

 






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