Dienstag, 12. Mai 2026

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3. Fachtagung „Frühe Hilfen – Kinderschutz“

CELLE. Der 3. Fachtag stand unter dem Thema „Gemeinsame Verantwortung für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen“. Ca. 140 Ärztinnen oder Ärzte, Hebammen, Entbindungspfleger, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Behörden, sowie von Polizei und Justiz nahmen an der Veranstaltung in der Alten Exerzierhalle teil.

Die Stadt Celle und der Landkreis Celle luden in Kooperation mit dem AKH Celle zum 3. Celler Fachtag Frühe Hilfen – Kinderschutz ein. Die gemeinsame Verantwortung für gesundes Aufwachsen war das Thema für den diesjährigen Fachtag. Dabei stand die interdisziplinäre Zusammenarbeit als Grundlage für Frühe Hilfen und gelingenden Kinderschutz im Fokus. Es wurde der Frage nachgegangen, wie dieses weiterhin gelingen könne, besonders wenn es Anhaltspunkte auf Gefährdung des Kindeswohls gebe.

Stadtrat Stephan Kassel hob in seiner Begrüßungsrede hervor: „Es geht darum, das Netz so eng zu machen, dass wir niemanden durchschlüpfen sehen.“ Die Stadt und der Landkreis seien hinsichtlich des Kinderschutzes gut aufgestellt. Wichtig sei das in diesem Zusammenhang geschaffene Netzwerk zwischen den handelnden Institutionen.

Uwe Sandvoss vom Jugendamt der Stadt Dormagen hielt zu dem Thema einen Fachvortrag Sandvoss ist Präventionsbeauftragter und Qualitätsentwickler im Kinderschutz. So konfrontierte der Referent die Besucher mit gewonnen Erkenntnissen und daraus resultierenden Maßnahmen in Dormagen und ging auch auf Ursachenforschung. Da gebe es Helfer und Institutionen als Mitverursacher von Kindesvernachlässigung und Kindeswohlgefährdung. Das könne bereits in der Geburtsklinik oder danach bei sehr früher „Abgabe“ des Babys in einen Hort geschehen durch nicht ausreichenden Eltern-Kind-Bezug. Deshalb plädierte Sandvoss für einen „Tripolaren Kinderschutz“, nach dem Kindeswohl, Elternwohl und Gemeinwohl einander bedingen. Kindern könne es nur gutgehen, wenn es auch den Eltern gutgehe.

Moderner Kinderschutz versucht, die Lebensbedingungen von Kindern und Familien positiv zu verändern, indem er die Eigenkräfte stärkt, soziale Konflikte und Notlagen erkennt und konkrete Hilfe leistet. So ist im Kinderschutzgesetz die staatliche Mitverantwortung bei der Erziehung geregelt. Insbesondere geht es in dem Gesetz darum, Mindeststandards durchzusetzen; das bedeute auch Schutz der Fachkräfte vor Strafverfolgung, wenn diese eingehalten werden.

Große Bedeutung räumte Sandvoss dem engen Kontakt zwischen Eltern und Lehrkräften ein; Lehrkräfte besuchen die Eltern und lernen die Kinder in ihrem familiären Umfeld kennen. Das werde in Dormagen schon größtenteils praktiziert. Die anfängliche Skepsis bei Eltern sei inzwischen einer positiven Einstellung gewichen. So bilden Schule und Elternschaft eine Partnerschaft, in der eine Vertrauensbasis geschaffen wurde. Bei Schwierigkeiten und Problemen könne nach Kenntnis des familiären Umfeldes früher gegengesteuert werden.

Wichtig sei die Kooperation zwischen den handelnden Institutionen. Sandvoss: „Es ist wichtig zu wissen, was der andere tut und was ein Partner ggfs. machen könnte.“ Deshalb fragte Sandvoss nach Hemmnissen in der Kooperation mit anderen Berufsgruppen: Konkurrenz, unterschiedliche Sprachen, Datenschutz, Schweigepflicht, Standesdünkel, falsche Erwartungen an die anderen Berufsgruppen, Unwissenheit, unbewegliche Strukturen, keine Regelförderung – nur noch Projekte, Sparmaßnahmen – gerade hier gebe es wohl Einsicht in die Notwendigkeit für eine Maßnahme, es sei aber kein Geld da, fehlende Ressourcen, all das sind die Erfahrungen aus der Praxis. Ein weites Feld, das es zu bearbeiten gelte.

In diesem Zusammenhang stellten die Netzwerk-Koordinatorinnen Jeanette Block-Menze von der Stadt Celle und Kirsten Birth vom Landkreis das Netzwerk vor, das die Kooperation der beteiligten Institutionen festlegt und damit zu einer Kommunikation verpflichtet.

Die Problematik bei misshandelten Kindern verdeutlichte Prof. Dr. Martin Kirschstein von der Kinderklinik des AKH anhand des Fallbeispiels „Schütteltrauma“.

Redaktion
Celler Presse

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