Schlosstheater: „Viel Lärm um Nichts“ – glanzvolle Premiere im Schlossinnenhof

CELLE. Was haben „We will rock you“, die „Polonaise Blankenese“ und „Atemlos“ von Helene Fischer mit Shakespeare zu tun? Eigentlich nichts. Jedoch geschickt in das Stück eingebaut, gewinnt dieses eine moderne Fassung, die bei der Premiere am Freitag große Begeisterung auslöste. Dazu trugen aber auch weitere technische Elemente und die stimmungsvolle Atmosphäre im Schlossinnenhof bei.  Das Shakespeare-Stück diente als roter Faden für eine originelle Inszenierung, die das Publikum mit frenetischem Beifall honorierte.  

„Viel Lärm um nichts“, Ende des 16. Jahrhunderts von Shakespeare erfunden, erfreut sich seitdem der Gunst des Theaterpublikums. Das Ränkespiel um Ehe und Liebe hat über die Jahrhunderte nicht an Reiz verloren, war seinerzeit und ist heutzutage der Stoff, aus dem Komödien gemacht werden. So hatte man den Eindruck, dass Regisseur Markus Knopf ein leichtes Spiel hatte, das Stück umzusetzen und das Celler Publikum einzunehmen. Fazit: Das ist ein grandioser Abschluss der Spielzeit.

Shakespeare jedoch hat es einem Theatermacher nicht einfach gemacht, das Verwirrspiel um zwei Paare zum Happy End zu führen, zwei Paare, die gegensätzlicher mit einer Einstellung zu Ehe und Liebe gar nicht sein konnten. Wenn Beatrice und Benedikt aufeinander treffen, fliegen die Fetzen. Um bloß nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, sie hätten irgendeine Sympathie füreinander, übertreffen sie sich gegenseitig in Sachen Spitzzüngigkeit – sie verschmähen einander und die Liebe als solche. Familie und Freunde werden sich schnell einig: ein Plan muss her, um den Streitlustigen die Idee nahe zu bringen, der Liebe ihre Chance zu geben. Ganz anders verhält es sich bei Hero und Claudio. Kaum treffen sich ihre Blicke, läuten von Ferne die Hochzeitsglocken. Doch eine hinterhältige Intrige vergiftet das sich anbahnende Glück. Wieder braucht die Liebe Hilfestellung.

„Viel Lärm um Nichts” entspinnt sich wie ein rauschendes Fest, bei dem Shakespeare ein riesiges Spektrum zum Thema Liebe zum Leuchten bringt. So trägt auch das Umfeld um die beiden Paare dazu bei, dass alle Wendungen um das Ränkespiel zum Zuge kommen. Intrige, Eifersucht und Komplott haben Hochkonjunktur. Und alles vor dem Hintgergrund eines zu Ende gegangenen Krieges; die männlichen Protagonisten waren nach Messina zurückgekehrt und waren voller Lebensfreude. So stürzten sie sich in das Getümmel eines Maskenfestes, und das Ränkespiel und das Verwirrspiel nahmen Fahrt auf – bis hin zu einem glücklichen Ende. Happy End für alle. Einschließlich des Publikums, das die Premiere im Schlossinnenhof – erstmals mit einer Zuschauertribüne ausgestattet – mit reichlich Applaus bedachte. Die großflächige Bühne bietet eine Spielfläche, in der sogar ein Teich eine wichtige Rolle spielt – nicht nur als Deko. Die Darsteller waren mit großer Spielfreude und mit körperlichem Einsatz bei der Sache und so mancheiner ging dabei baden – freiwillig und unfreiwillig.

Das Team zog alle Register, um die Pointen herauszuarbeiten. Allerdings gibt es auch in diesem Stück dankbare Rollen und weniger dankbare. Das große Los hatten Felix Meyer als Benedikt, ein Aristokrat aus Padua und Beatrice als Leonatos Nichte, gezogen. Sie zofften sich, was das Zeug hielt, und fanden dennoch zueinander. Erst ein Komplott führte diesen Sinneswandel herbei, wenngleich Beatrice ihre Liebe zu Benedict als “nicht übermäßig” einstufte. Dagegen mussten sich Philip Leenders als florentinischer Graf  Claudio und Regina Vogel als  Lenoatos Tochter Hero meistens moderat präsentieren. Ihre Liebe zueinander war unerschütterlich und überstand auch Don Johns Intrige. Routinier und Allrounder Jürgen Kaczmarek als Leonato, Gouverneur von Messina, bewies einmal mehr seine Extraklasse. Auch Ulrich Gall als Don Pedro, Prinz von Aragonien, sprach seine Rolle eindringlich akzentuiert und auf die Pointe bedacht. Christoph Türkey als Don Pedros Halbbruder erwies sich als Intrigant im Verwirrspiel mit amüsant diabolischen Zügen. So waren auch Missgunst und Eifersucht im Spiel, die Benedikt sagen ließen: „Er liebt Heavy Metal, und nun hat er Florian Silbereisen.“ Da wusste er noch nicht, was wahre Liebe ist. Oliver Giles als Balhasar, der Musiker im Gefolge Don Pedros, ist Mitglied der Celler Rock Initiative und hat die musikalische Leitung in der Inszenierung. Und es gab viel Musik und Gesang.

Aufführungsdauer ca. 2 h 30 min, eine Pause

Weitere Spieltermine im Juni, Juli und August
15.06, 16.06., 17.06., 18.06., 20.06., 21.06., 23.06., 24.06., 25.06., 26.06., 27.06., 28.06., 03.07., 04.07., 05.07., 20.08., 21.08., 22.08., 23.08., 27.08., 28.08., 29.08., 30.08.

Zusätzliche Termine der Sparkasse Celle für maxxy-Kunden 13.06., 19.06., 01.07.

Besetzung

Don Pedro Prinz von Aragonien Ulrich Gall
Benedikt ein Aristokrat aus Padua Felix Meyer
Claudio ein florentinischer Graf Philip Leenders
Don John Don Pedros Halbbruder Christoph Türkay
Balthasar Musiker im Gefolge Don Pedros Oliver Giles
Leonato Gouverneur von Messina Jürgen Kaczmarek
Hero Leonatos Tochter Regina Vogel
Beatrice Leonatos Nichte Eva-Maria Pichler
Margaret Heros Zimmermädchen Johanna von Gutzeit
Ursula eine Bedienstete in Leonatos Haus Audrey-Lynn Struck
Pater Francis Günther Goldammer

 

Regie Markus Kopf
Bühne und Kostüm Manfred Kaderk
Musikalische Leitung Oliver Giles
Dramaturgie Ralph Blase
Regieassistenz Arthur El Hussein, Adnan Taha
Inspizienz Günther Goldammer
Soufflage Helene Kirsten

Redaktion
Celler Presse

 

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