25 Jahre Brennessel e.V. – Engagement gegen den sexuellen Missbrauch an Kindern

CELLE. Der Verein Brennessel Brennessel e.V.  wurde 1990 gegründet und als gemeinnützig anerkannt. Ein erstes Zusammentreffen gab es bereits im Jahre 1985, da das Problem der sexuellen Gewalt an Kindern Emotionen, Wut und oft auch Hilflosigkeit die Fachkräfte aus den beteiligten Berufsgruppen zum Handeln aufforderte. Der Verein blickt nun auf 25 Jahre Arbeit zurück. Aus diesem Grund sind im Laufe des Jubiläumsjahres mehrere Veranstaltungen geplant.

Auftakt war am 12. Juni 2015 im Kreistagssaal mit einem Vortrag zum Thema „Kinder stärken – aber wie“. Referentin war Sonja Blattmann von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bein Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e. V.. Blattmann ist Vorstandsmitglied, Autorin, Kinderliedermacherin, Sexual- und Theaterpädagogin und umfasst ihr Anliegen wie folgt: „Einsetzen möchte ich mich während meiner Vorstandszeit für die Verankerung gewaltpräventiver und sexualpädagogischer Inhalte und Konzepte im gesamten Bildungsbereich.“

Die Vorstandsmitglieder des Celler Brennessel e. V. Sabine Oswald, nun im “Unruhestand”, zuvor beim Jugendamt der Stadt Celle beschäftigt, Christa Pahls-Korzonnek vom Jugendamt des Landkreises und Irina Adolph vom Verbund Sonzialtherapeutische Einrichtung Hannover, zeigten sich erfreut, diese kompetente Referentin für die Auftaktveranstaltung gewonnen zu haben. Gleichzeitig konnten sie rechtzeitig zum Jubiläum eine eine großzügige Spende in Höhe von 3.500 EURO von dem Sozialkaufhaus „Kaufland“ in der Blumlage vom Verein „mit-Wirkung Stadt Celle e.V.” entgegen nehmen, die die Finanzierung des Vereins im Jahre 2015 sichern hilft. Beate Hörnemann überbrachte mit ihrem Team vom Kaufhaus die Spende.

Die Aufgaben und Ziele der Arbeit von Brennessel liegen in der Stützung und Stärkung der betroffenen Kinder und ihrer Angehörigen und der Entwicklung konkreter Hilfen. Zudem wird der Ausbau der eigenen Professionalität und Umgang mit den eigenen Gefühlen forciert. Wichtig für die Tätigkeit ist auch die Vernetzung als multiprofessionelle Kooperation der zusammenwirkenden Einrichtungen der Jugendhilfe, Fallbesprechungen und gemeinsame Entwicklung von Veranstaltungen, Fortbildungen und Projekte. Aber auch Prävention durch Stärkung und Selbstbehauptung von Kindern unter Einbeziehung der Eltern, Erzieher und Lehrer stehen im Fokus. Als ebenfalls unerlässlich wird die Öffentlichkeitsarbeit zur Verbreitung, Enttabuisierung  und Versachlichung des Themas in den Medien und bei Veranstaltungen für Eltern, Schüler und Interessierte angesehen. Zudem gibt es offene Sprechstunden als eine Anlaufstelle für Betroffene und Ratsuchende.

Ein weiteres Anliegen ist die Initiierung von Fortbildungen für interne und externe Fachkräfte der Jugendhilfe und die  Fachberatungen in Kindertagesstätten und Schulen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Kindes, außerdem die Initiierung und Förderung von Projekten in Kindergärten und Schulen, z.B.: Arbeit mit jugendlichen Straftätern, die Kinder sexuell missbraucht haben. Um diese Aufgaben bewältigen zu können, haben sich dem Dialog unter den Fachkräften Mitarbeiterinnen der Jugendämter Stadt und Landkreis Celle, der Erziehungsberatungsstelle, des Kinderschutzbundes, Fachleuten aus Therapie und Beratung, der Jugendhilfe der freien Träger, der Justiz und Schulen gestellt.

In der 25-jährigen Vereinsgeschichte wurden viele Fortbildungen zu den Themen „sexuelle Gewalt an Kindern“ und Präventionsarbeit für Erzieher, Eltern, Lehrer und Interessierte angeboten. Ein ganz besonderes Weiterbildungsangebot wurde mit einem Symposium in der Congress Union Celle unter dem Thema „Thematisieren statt Tabuisieren – Agieren statt Reagieren“ im Jahre 2001 initiiert.

Zu dem Erfolg der Arbeit hat die ehemalige Dezernentin der Stadt Celle Sigrid Maier-Knapp-Herbst bereits zur Eröffnung dieses Symposiums  gesagt, dass es ein Verdienst der Berufsgruppe Brennessel hier in Celle sei, einen Raum geschaffen zu haben, wo die Themen Recht auf physische und psychische Unversehrtheit, die unantastbare Würde des Menschen und das Recht auf Selbstbestimmung, Misshandlung, Sexualität und sexuelle Gewalt in der Gesellschaft geklärt werden. Brennessel habe den Mut gehabt, das Thema der sexualisierten Gewalt zu enttabuisieren,  Wahrnehmungen und Einschätzungen zu verändern. Und dazu sei Vertrauen aufgebaut worden.

“Wir Mitglieder von Brennessel haben die Vision, durch nachhaltige Aktivitäten Präventionsarbeit zu leisten um Kinder zu stärken, sei es durch Selbstbehauptungskurse für Kinder in Kindertagesstätten und Schulen, durch Präventionsprojekte in Kitas oder die Schulprojekte wie ‘Mein Körper gehört mir’. Mit dieser Vision und dem Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit unseres Tuns wollen wir Kinder stärken und selbstbewusster werden lassen, wissen wir doch, dass starke Mädchen und Jungen weniger von sexueller Gewalt betroffen sind”, heißt es in einer Verlautbarung des Vereins.

Aktuell hat unter Beteiligung von drei Kindertagesstätten ein Präventionsprogramm in drei Teilen stattgefunden. Im ersten Teil wurden die Fachkräfte der Einrichtungen fortgebildet, am Abend des gleichen Tages gab es Informationen und Mitmachaktionen gleichen Inhalts für die Eltern und am nächsten Vormittag konnten die Mädchen und Jungen das Theaterstück „Ich bin doch keine Zuckermaus“ erleben.  In  der Verknüpfung der Fortbildung für die Erzieherinnen, mit dem Elternabend und der Theatervorstellung für die Kinder liegt die Stärke dieses Präventionsprojektes. Alle Beteiligten befassen sich auf unterschiedlichen Wegen mit den gleichen Inhalten und Zielen. Wenn sie miteinander ins Gespräch kommen, wissen alle, wovon die Rede ist und haben die Chance, in gleicher Weise aktiv zur Stärkung der Kinder zu handeln.

So ist z.B. „NEIN“ – ein wichtiges Wort, wenn jemand die persönlichen Grenzen eines Menschen verletzen will. Laut und deutlich „NEIN“ sagen kann nur, wer sicher und kraftvoll ist. Auch darum geht es in dem Projekt.

Das Projekt „SchlussStrich“ hat Brennessel  initiiert und als Partner für die Durchführung das Albert-Schweitzer-Familienwerk gewinnen können. Mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 4.800 € ist das Projekt realisiert worden. Im Mittelpunkt dieses Konzeptes steht die konkrete und langfristige Arbeit mit jugendlichen Straftätern, die Mädchen oder Jungen sexuell missbraucht oder das Internet für pornografische Darstellungen von Kindern genutzt haben. – Das Projekt ist inzwischen soweit anerkannt, dass es vom Land, der Stadt und dem Landkreis weiter finanziert wird. Brennessel e.V. hat das Projekt „SchlussStrich“ mit dem Ziel aufgebaut, dass weniger Jugendliche rückfällig werden und damit mehr Kinder geschützt sind.

Der Verein finanziert sich über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Bußgelder.

PR/Redaktion
Celler Presse

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