„Pflege am Boden“ – Protest in der Celler Innenstadt

CELLE. Die Pflegekräfte protestierten im Rahmen der Aktion „Pflege am Boden“ am Samstag in der Celler Innenstadt. Diese bundesweite Bewegung zeigt in den Städten zwar nur wenige Protestierende, doch zusammengenommen sind sie viele. Ihnen sind Pflegende genauso wie die zu Pflegenden und letztendlich die Angehörigen wichtig. Mit ihrem Sitz-Protest „5 vor 12“ wollen sie auf die Misere in der Pflegebranche aufmerksam machen.

Die Arbeitgeber unterstützen weitestgehend den Protest der Angestellten, schließlich können die meisten ihren Mitarbeitern nicht mehr Geld zahlen. Die Misere lässt sich aber nicht nur am Gehalt festmachen, denn Pflegebedürftige benötigen immer Unterstützung. Es gibt dabei keinen Feiertag oder Auszeit für die Pflegekräfte. Die enge Personaldecke macht der Brache im Allgemeinen zu schaffen. Die Mitarbeiter können nie sicher sein, dass sie auch wirklich frei haben, oder der Urlaub entspannt genossen werden kann, berichtet die Ergotherapeutin und Krankenpflegerin Karin Robel von dem Aktionsbündnis „Pflege am Boden“. Aber auch während der Arbeit ist die Zeit meist rar. Eine durchgehende Pause von 30 Minuten ist nach Robel für die meisten Pflegekräfte nicht existent.

Robel analysierte die Branche und wundert sich, dass das Geld eigentlich da ist, doch es wird aus unterschiedlichen Kanälen wieder aus dem System abgezogen. Einige Missstände in der Pflegebranche sind hausgemacht, doch auch das wird vom Aktionsbündnis kritisiert. Man wolle eine faire Behandlung von Mitarbeitern und eine bessere Bezahlung, um letztendlich den Pflegenden eine optimale Behandlung anbieten zu können. Ein anhaltendes Problem, was nach „Pflege am Boden“ aber aus dem Fokus der Öffentlichkeit und Politik geraten ist. Die protestierenden Pflegekräfte freuten sich daher, dass die Grünen und die Linken mit Vertretern ihrer Parteien und auch die verdi an dem Protest teilnahmen.

Es war am Samstag 5 vor 12, als die Teilnehmer der Demonstration in der Poststraße Ecke Rundestraße „zu Boden gingen“. Mit lautem Tröten machten sie viel Lärm, um auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen – bunte Transparente und Tafeln ließen die Passanten aufhorchen.

Karin Robel freute sich zugleich, dass in der Region in Braunschweig, Gifhorn und Hildesheim Pflegekräfte im Rahmen der Aktion „Pflege am Boden“ protestierten. Auch zeigen sich die Pflegekräfte solidarisch mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Charité in Berlin, die am 22. Juni für mehr Personal streiken.

Mit ihrem Protest wollen sie die Bürger und Politiker wachrütteln. Jeden 2. Samstag im Monat geschieht es in bundesweiten Aktionen „Pflege am Boden“. Die nächste Aktion findet am 11. Juli 2015 in der Celler Innenstadt statt – weitere Pflegekräfte und auch interessierte Bürger sind willkommen.

Redaktion
Celler Presse

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