Lobetal eröffnet Neubau in der Kirchstraße – „Im gefühlten Herzen der Stadt Celle“

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NEUENHÄUSEN. Nach 15 Monaten Bauzeit wurde der Neubau in der Kirchstraße eröffnet. Damit wurde das Angebot an stadtteilnahen Arbeits- und Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung erweitert. Entstanden ist ein Wohnhaus mit acht Wohneinheiten. Das Spannende an dem Projekt ist, dass hier Menschen mit und ohne Behinderung in je eigenen Wohnungen – aber unter einem Dach – wohnen können. „Das ist gelebte Inklusion im Quartier“, so Carsten Bräumer, Leiter der Lobetalarbeit bei der heutigen Eröffnung.

Bräumer bezeichnete die Inklusion als Gesellschaftsmodell. Es gehe um das Zusammenleben. Der Schlüssel dazu sei das Menschsein. Die Idee zu dem Projekt sei aus einer Entscheidung in Wien entstanden, in der in den 1980er Jahren die Auflösung großer Wohneinheiten für Menschen mit Behinderung beschlossen wurde zugunsten von kleinen Wohneinheiten, in denen Behinderte und nicht Behinderte zusammen wohnen können. Insofern gebe es nun in Celle „ein bisschen Wien“. Interessante Erfahrungen konnten bereits in dem Projekt in der Amelungstraße gesammelt werden. Schon zuvor gab es den letzten Anstoß für die neue Wohneinheit durch die vorherige Landesregierung, die für vier Einrichtungen in Niedersachsen je eine Million Fördergelder zur Verfügung stellen wollte. Bedingung: In 14 Tagen musste ein Vorschlag für das Projekt vorliegen. Lobetal konnte die Kriterien erfüllen und erhielt die Zusage für die Förderung. So konnte Bräumer heute auch verkünden, dass das Geld bereits in Celle angekommen ist. Gleichzeitig wies Bräumer darauf hin, dass die gegenwärtige Landesregierung diese Fördergelder in Frage gestellt habe.

Der Leiter der Lobetalarbeit, Pastor Bräumer, sieht in dem nun fertiggestellten Projekt auch ein geistliches Modell. „Wenn wir in Frieden beieinander wohnten“, zitierte Bräumer einen Text aus dem Evangelischen Gesangbuch.

Der Landtagsabgeordnete Thomas Adasch stellte fest, dass es in Anbetracht der schnellen Entscheidungen in einem Ministerium der vorherigen Landesregierung „auch anders“ gehe. Ortsbürgermeister Jörg Rodenwaldt verwies auf die historische Bedeutung des Standortes, der ein Platz für Historisches und für Neues sei und dafür Pforten für Zukünftiges öffne. Er hoffe, dass sich die Bewohner der Wohneinrichtung am Leben in dem Stadtteil beteiligen werden und auch die Veranstaltungen besuchen werden.

Wilfried Brandes, der stellvertretende Vorsitzende der Kirchengemeinde Neuenhäusen, schlug einen weiten Bogen zur Geschichte des Stadtteils. So habe im Jahre 1680 der Celler Herzog die Erweiterung der Stadtgrenzen eingeleitet, so dass auch Flüchtende aus Nachbarstaaten vor Krieg und Verfolgung sich in Celle ansiedeln konnten. 300 Familien kamen seinerzeit, von denen 80 eine Anstellung bei Hofe bekamen. Die Menschen seien damals vorurteilsfrei aufgenommen worden. So habe es damals schon ein inklusionsähnliches Zusammenleben gegeben, aus dem sich die Gemeinde bilden konnte. Brandes betonte außerdem die einvernehmlichen Verhandlungen zum Verkauf des Areals aus dem Eigentum der Kirche an Lobetal.

Juliane Simon vom Architektenbüro Simon & Simon erläuterte die Nutzung der Wohneinrichtung, in der drei Wohneinheiten von je 110 bis 120 qm zur Verfügung stehen, die frei vermietbar sind. Vier bis sechs Wohneinheiten sind rollstuhlgerecht für Inklusionswohnen angelegt.

Durch die gemischte Wohnform, so ist der Beschreibung des Projekts zu entnehmen, können sich vielfältige Kontakte ergeben. Grundgedanke sei die Normalisierung. Es soll normal werden, dass Menschen mit Behinderung auch dort leben, wo Menschen ohne Behinderung leben. Der Einzug ist ab dem 17. Juli geplant.

Das Projekt wird von der Aktion Mensch mit 104.000 €, dem Diakonischen Werk mit 150.000 € und dem Land Niedersachsen mit einer Million € als Modellprojekt für Inklusion gefördert. Diese Förderung bezieht sich auf das Wohnen von Menschen mit Behinderung. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3,2 Millionen € inklusive Grundstück.

Die Wohneinrichtung wird von Wolfram Klement, Abteilungsleiter bei Lobetal, geleitet.
Die musikalische Einstimmung auf die Eröffnung lag bei Christian Engemann und Jonas Almeloo (Gitarre und Gesang), die gleichzeitig auch Mitarbeiter im Wohnbereich sind. Das würdigte auch Carsten Bräumer. Es gebe eine Menge Musiker im eigenen Haus. Da biete es sich an, mal eine All-Star-Band zu gründen, bei der er selbst natürlich mitmachen wolle.

Eine Textzeile, die das Duo vortrug lautete: „Es ist nicht zu spät für einen Neuanfang“. Wenn das kein gutes Omen ist………

Redaktion
Celler Presse





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