Demo in Eschede: Nazitreffen auf dem Hof Nahtz nimmt größere Dimensionen an

ESCHEDE. Rund 180 Demonstranten demokratischer und linker Gruppen demonstrierten gegen die Versammlung Rechtsgerichteter zur “Sonnenwendfeier” auf dem Hof Nahtz in Eschede. In diesem Jahr sollen sechs rechte Organisationen zu dieser Feier aufgerufen haben, was in der Szene schon ein besonderes Ereignis darstellt. Zum Zeitpunkt der Demonstration hatten sich auf der Feier rund 150 Teilnehmer zusammengefunden, was bei deren Anfahrt zu lautstarken Protesten und Pfeifkonzerten führte. Provokationen und Konflikte waren unausweichlich und mussten von den eingesetzten Polizeikräften entschärft werden.

Um 15 Uhr begann die Kundgebung gegen Nazitreffen in Eschede. Diese wird vom Deutschen Gewerkschaftsbund Nord-Ost-Niedersachsen und dem Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus organisiert. Politiker von SPD, den Grünen und den Linken waren genauso vertreten, wie besorgte Bürger aus der Region und auch der Antifa. Zu Beginn noch im Ort Eschede, zog die Demonstration nach den ersten Ansprachen dann über die Unterführung des Bahnhofs zu der Kreuzung Am Dornbusch / Zum Finkenberg.

Hier geht ein kleiner Stichweg gut drei Kilometer weit zum Hof Nahts, wo sich Rechtsgerichte zu einer „Sonnenwendfeier“ trafen. Zuerst mit einem angekündigten Kinderfest und Spielen, sollte es dann am Abend mit Konzerten weitergehen. Dieses Treiben wollten die Demonstranten nicht gewähren lassen und die Anreisenden mit bunten Bannern, lautstraken Potesten und einem Pfeifkonzert schon an dieser vorgelagerten Kreuzung empfangen.

Die örtliche Polizei war mit Kräften vor Ort, um alle Seiten voreinander zu schützen. Polizeireiter und der Staatsschutz waren ebenfalls anwesend, damit auch bei schwerwiegenden Taten eingeschritten werden konnte.

Zwar demonstrierten die Organisationen schon jahrelang zweimal im Jahr gegen diese Treffen auf dem Hof Nahtz, doch in diesem Jahr war die Lage anders. Gemunkelt wurde, dass es wohl auf rechter Seite ein 25-jähriges Jubiläum gäbe und es etwas mit der damaligen „Nationalen Liste“ zu tun habe. Dieser Ansatz war jedoch nur spekulativ und konnte auch seitens der Polizei nicht ganz bestätigt werden. Auffällig war jedoch, dass im Vorfeld sechs rechte Gruppen zu dieser Veranstaltung in Eschede aufriefen, was dazu führte, dass Teilnehmer auch weit über die Region hinaus nach Eschede kamen. Es war augenscheinlich, dass sich viel mehr Teilnehmer dort versammelten, als die Male zuvor.

Routiniert versuchten die Demonstranten Stellung zu beziehen und lautstark auf sich aufmerksam zu machen. Rufe, wie „Nazis raus“ und ein Pfeifkonzert wurde jedem Fahrzeug entgegengebracht, das auf diesen Weg zum Hof einbog. Gewerkschaften, Kirchenvertreter, Parteien, Organisationen und Initiativen organisierten den bunten Widerstand, der durch Reden, Live-Musik von Kutlu Yurtseven von der Rap-Gruppe „Microphone Mafia“, Kaffee und Kuchen zu einer lebendigen Veranstaltung werden ließ. Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Celle, Dirk-Ulrich Mende, war ebenfalls zugegen und teilte uns im Interview mit, dass er es immer versuche bei diesen Protesten, wenn es gegen Nazis geht, anwesend zu sein. „Diese Auslegung der Nazis ist keine Alternative, es ist einfach ein Verbrechen“, unterstreicht Mende. Aber auch die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann (SPD), Landtagsabgeordneter Maximilian Schmidt (SPD), Oliver Müller (BSG), Behiye Uca (Die Linke), Marlies Petersen (Grüne) und Heiko Wundram (Grüne) zeigten ebenfalls Flagge.

Zwei kritische Situationen führten jedoch kurzzeitig zu Konflikten. Zum einen kam eine Gruppe von sechs Personen zu Fuß vom Hof Nahtz den Weg auf die Demonstranten zu. Eine klare Provokation, die die Demonstranten aufrührte. Die Polizei musste einschreiten, damit die Lage nicht eskalierte.

Der weitere Zwischenfall betraf ein anfahrendes Fahrzeug. Es passierte zunächst mehrfach die Front der Demonstranten, sichtbar deutlich Sympathisanten aus dem rechten Lager. Als sie schließlich nach dieser Erkundungs- und Provokationsfahrt in den Weg zum Hof wieder einbogen, warfen Demonstranten nicht nur lautstark ihren Protest ihnen entgegen, es flogen auch kleinere Kieselsteine auf das wegfahrende Fahrzeug. Der Wagen hielt noch in der Einmündung bei den dort aufgefahrenen Polizeikräften, und einer der Mitfahrer stürmte wutentbrannt aus dem Fahrzeug und wollte sich Richtung der Demonstranten bewegen. Er konnte von der Polizei gebändigt werden, während der Fahrer angehalten wurde, weiter zu fahren. Dieser hingegen zeigte sich dann auch aufgebracht, verließ sein Fahrzeug sprach wütend auf die Beamten ein. Beide mussten von der Polizei beruhigt werden, denn der Fahrer wollte Anzeige gegen die Demonstranten erstatten, da schließlich Steine auf sein Fahrzeug flogen. Die Polizei trennte zunächst alle Parteien und nahm die Anzeige auf.

Obwohl die Demonstranten immer friedlich den Rechten die Stirn bieten, kommt es hier in Eschede gern zu kleineren Ereignissen, die von beiden Seiten provoziert werden. Die Polizei ist jedoch immer mit geeigneten Kräften vor Ort und kann schnell und effektiv einschreiten.

Das Treffen der Rechten sollte am Abend mit Musik in der abgeschiedenen Gegend weitergehen, während die Demonstranten um 18 Uhr die „Zelte“ abbrachen und die Banner einrollten.

Mit Sorge wird das Treffen jedoch den Demonstranten in Erinnerung bleiben. Viele stellten sich die Frage, warum gerade so viele rechte Organisationen zu diesem Treffen in Eschede aufriefen und: Was wollen die Rechten?

Redaktion
Celler Presse

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