Von den Schweden lernen: Wie kann die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt gelingen

CELLE. Gemeinsam mit der Celler Integrations-Initiative lud das KESS, Nienhagen, zu einer englischsprachigen Vortragsveranstaltung zum Thema „Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt” am 11. Juni in den Neuen Kreistagssaal ein. Als Referenten konnten Dr. Quang Evansluong von der Bristol Business School, University of the West of England und Dr. Marcela Ramírez-Pasillas von der Jönköping University gewonnen werden.

Dr. Quang Evansluong und Dr. Marcela Ramírez-Pasillas

„Die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt stellt für die Gesellschaft eine große Herausforderung dar. Doch schaut man von der lokalen auf die globale Ebene, gab es zu allen Zeiten Migrationsbewegungen, die die Arbeitsmärkte belebt haben“, stellen die beiden Initiatorinnen, Simone Welzien vom KESS und Meggie Hönig von der Celler Integrations-Initiative, fest. „Das genau ist das Forschungsgebiet von Dr. Evansluong und Dr. Ramírez-Pasillas.

„Wir müssen unsere Perspektive verändern“, betont Dr. Ramírez-Pasillas, „und stärker die Fähigkeiten der Migranten in den Focus nehmen. In zahlreichen Ländern hat sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass der Schritt in eine Selbständigkeit oft gewählt wird, um sich aktiv in die neue Gesellschaft einzubringen. Es werden beispielsweise Spezialitätenrestaurants gegründet oder Dienstleistungen für Menschen aus dem eigenen Kulturkreis angeboten. Mit dem Verfolgen einer Idee und der Entwicklung des eigenen „Produktes“ verbessern sich fast von allein auch die Sprachkenntnisse.“

Der Weg in die Selbständigkeit hat dabei auch für die aufnehmende Gesellschaft eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung – wie internationale Studien aus Europa zeigen. „Allein in Schweden wurden aktuell 17% der Firmen von Migranten gegründet. Ihr Beitrag zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt beträgt mehr als 3 Milliarden Euro“, erläutert Dr. Evansluong.

Wichtig sei es, den Einstieg in die Arbeitswelt für Migranten Schritt für Schritt zu organisieren. Bevor ein Geflüchteter in Schweden ein Praktikum aufnimmt, hat er durch – von den Unternehmen organisierte ¬ Workshops schon Einblicke in die Arbeitswelt erhalten. Die Firmen nutzen die persönlichen Kontakte, um die Bewerber besser kennenzulernen und um sich dann für diejenigen zu entscheiden, die ins Unternehmen passen.

Um den beiden Wissenschaftlern Einblicke in das deutsche Arbeitsmarktsystem zu ermöglichen, bereisten die schwedischen Gäste verschiedene Firmen wie Drewsen Spezialpapiere in Lachendorf Veolia Water Technologies und Baker Hughes in Celle und diskutierten mit dem Management. Alle drei Unternehmen sind Global Player und praktizieren den Begriff der Vielfalt in ihren Unternehmen. In gemeinsamen Gesprächen wurde deutlich, dass im Bereich der Qualifikation Geflüchteter noch einiges zu tun sei, damit sie im hiesigen Arbeitsmarkt bestehen können.

Das Team vom KESS lernte die beiden Wissenschaftler im Rahmen eines europäischen Austauschprogramms in Schweden kennen, denn gemeinsam mit der Gemeinde Uetze bilden die beiden Samtgemeinden Wathlingen und Flotwedel sowie Altencelle die LEADER-Region „Aller-Fuhse-Aue“.

Das Besichtigungsprogramm und der Vortragsabend, der auch durch die kompetenten Fragen eines engagierten Publikums spannend wurde, hatten zwei Ziele: einerseits hiesige Unternehmen zu animieren, Geflüchteten den beruflichen Einstieg zu erleichtern, anderseits auch denen, die hier eine neue Heimat gefunden haben, Mut zu machen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

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Fotos: KESS

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